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Ein kalter Januarabend in Doetinchem, Flutlicht an, 20.000 Fans auf den Rängen - und am Ende ein Spiel, das so wechselhaft war wie das niederländische Wetter. Der FC Doetinchem und der SC Roosendaal trennten sich am 24. Spieltag der Eredivisie mit 2:2 (1:2). Ein Ergebnis, das wohl beiden Trainern Kopfschmerzen und den Zuschauern ein warmes Herz beschert haben dürfte. Schon nach sechs Minuten brandete Jubel durchs Stadion: Michel De Groot, der 31-jährige Dauerläufer auf der rechten Außenbahn, verwandelte eine präzise Vorlage von Jacques Le Tallec eiskalt zum 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten - und dann war er drin. Manchmal muss man gar nicht so viel nachdenken", grinste De Groot später, als hätte er gerade den Rasen erfunden. Doch wer dachte, die Partie würde nun in ruhigen Bahnen verlaufen, kennt den SC Roosendaal schlecht. Das junge Team von Trainer Thomas Ga - Durchschnittsalter irgendwo zwischen Schulabschluss und erster Steuererklärung - zeigte keinerlei Respekt. In der 16. Minute legte der 19-jährige Hugo Figo nach, nach feinem Zuspiel von Maximilian Grossmann. Der Ausgleich war verdient, denn die Gäste spielten mutig über die Flügel, liefen hoch an und zeigten, dass "Offensive" für sie keine Taktik, sondern eine Lebenseinstellung ist. "Wir wollten die Doetinchemer gleich mal wachküssen", kommentierte Ga später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Stolz und jugendlicher Frechheit lag. Und tatsächlich: Seine Jungs blieben am Drücker. Noch vor der Pause (44.) traf Garritt Comstock - 20 Jahre jung, schnell wie ein ICE und ungefähr genauso lautlos - zum 2:1 für Roosendaal. Der Schock saß tief beim Heimteam, das bis dahin mehr Ballbesitz (52 %) und mehr Schüsse (10:8) verzeichnet hatte, aber weniger Effektivität zeigte. In der Kabine muss es dann ordentlich geknallt haben. Zwar wollte keiner der Doetinchemer Spieler sagen, was genau Trainer "Coach X" (dessen Name offenbar in den Statistiken verloren ging) gesagt hat, aber Jacques Le Tallec deutete an: "Es war kurz, laut und französisch." Jedenfalls kam Doetinchem mit neuem Schwung aus der Pause. In der 54. Minute war es Le Tallec selbst, der nach Vorlage von Thijs Halse den Ball ins lange Eck schlenzte - das 2:2, und plötzlich bebte das Stadion wieder. "Das war so ein Moment, in dem du einfach spürst: Jetzt kippt’s", sagte Halse später. Nun, ganz kippte es dann doch nicht, aber Doetinchem blieb dran. Die Schlussphase war ein wilder Mix aus Chancen, Krämpfen und kleinen Dramen. Noach Van Zandt sah in der 75. Minute Gelb, nachdem er den flinken Comstock kurzerhand mit einer Grätsche aus dem Lehrbuch "Wie verhindere ich ein Gegentor mit Stil" stoppte. "Ich hab nur den Ball gespielt", beteuerte Van Zandt - und grinste so, dass niemand ihm glaubte. Roosendaal blieb gefährlich, vor allem über die rechte Seite, wo Grossmann und Comstock ein Duo bildeten, das selbst erfahrene Verteidiger schwitzen ließ. Doch Doetinchems Keeper Ricardo Nene hielt, was zu halten war - und manchmal auch, was eigentlich schon nicht mehr zu halten war. Als der Schiedsrichter nach 93 Minuten abpfiff, sanken beide Teams fast gleichzeitig zu Boden. Ein Spiel, das keiner so recht verloren, aber beide irgendwie gewonnen hatten. "Ein gerechtes Ergebnis", meinte Thomas Ga hinterher diplomatisch, während De Groot auf der anderen Seite konterte: "Gerecht vielleicht, zufrieden bin ich trotzdem nicht. Wir hatten das Spiel im Griff - na ja, fast." Statistisch betrachtet war es tatsächlich ausgeglichen: Doetinchem mit leichtem Ballbesitzvorteil (52,5 %), Roosendaal mit jugendlicher Unbekümmertheit und einer bemerkenswerten Aggressivität (im besten Sinne). Taktisch blieb Doetinchem bei seinem ausgeglichenen Stil, während Roosendaal über die Flügel attackierte und gelegentlich aussah, als wollten sie mehr laufen als passen. Auf den Rängen verabschiedeten sich die Fans mit einem kollektiven Seufzer - halb Erleichterung, halb Frust. "So ist Fußball eben", hörte man einen älteren Herrn auf der Tribüne murmeln, "mal führt man, mal rennt man hinterher, und am Ende ist’s doch nur ein Unentschieden." Vielleicht war das das treffendste Fazit des Abends. Zwei Tore hüben, zwei Tore drüben - und eine Menge Geschichten dazwischen. Doetinchem nimmt aus diesem 2:2 immerhin Moral mit, Roosendaal dagegen Selbstvertrauen. Und wer weiß - vielleicht reden wir in ein paar Jahren über Figo, Comstock und Grossmann als die Generation, die den niederländischen Fußball aufmischt. Bis dahin bleibt nur festzuhalten: schöner kann man ein 2:2 kaum spielen - und nervenaufreibender wohl auch nicht. 02.11.643987 04:13 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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