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Es war angerichtet: ein lauer Januarabend in Quito, 27.000 Zuschauer im Stadion, zwei Mannschaften aus derselben Stadt, die sich nicht besonders mögen - und ein 18-Jähriger, der am Ende über allem strahlte. Estudiantes Quito gewann das Lokalderby bei AD Quito mit 3:1 (0:1). Dass es zur Pause noch nach einem Heimsieg roch, interessierte nach 90 aufwühlenden Minuten niemanden mehr. Dabei begann alles so verheißungsvoll für die Hausherren. In der 15. Minute spielte Christiano Costinha einen butterweichen Pass in den Lauf von Miguel Tiago, der den Ball mit links über den herausstürzenden Torhüter Eduardo Galindo hob - 1:0 für AD Quito. Die Tribünen erzitterten, Bierbecher flogen, und Trainer der Gastgeber (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte) ballte die Faust gen Himmel. "Das war genau der Spielzug, den wir im Training dreimal geübt haben", grinste Tiago später. Estudiantes wirkte da noch nervös, die jungen Wilden zwischen 17 und 20 Jahren suchten ihren Rhythmus. Rechtsaußen Jozef Gresko drosch in der 5. Minute übers Tor, Mittelfeldmann Billy Lancaster zielte acht Minuten später knapp vorbei. Doch der Wille war da. Trainer Oliver Bielefeld - ein Mann, der aussieht, als würde er auch im Regen lieber in Designer-Lederschuhen an der Seitenlinie stehen - blieb gelassen. "Ich wusste, dass wir unsere Chancen bekommen würden. Manchmal muss man die Jungs einfach machen lassen", erklärte er später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstsicherheit und leichter Arroganz pendelte. Zur Pause führte AD Quito trotz leichter Unterlegenheit (47 Prozent Ballbesitz, 8:14 Torschüsse) noch mit 1:0. Doch was nach dem Seitenwechsel kam, war ein Lehrstück in Sachen Effektivität. Kaum hatte die zweite Hälfte begonnen, wechselte Bielefeld doppelt: Quaresma und Francavilla kamen - und plötzlich stand die Ordnung. In der 51. Minute zirkelte Billy Lancaster eine Flanke aus dem linken Halbfeld, und Rechtsverteidiger Marcus Ulrich (!) tauchte am langen Pfosten auf. Mit voller Wucht schob er den Ball über die Linie. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Ulrich nach dem Spiel, "aber dann lag er plötzlich vor mir. Na ja, da musste ich halt einschieben." Zwei Minuten später war es wieder so weit. Mario Nani trieb den Ball über rechts, legte quer auf den Teenager Gresko - und der traf trocken ins rechte Eck. 2:1, und plötzlich war es mucksmäuschenstill auf der Haupttribüne. AD Quito versuchte, sich aus der Schockstarre zu befreien. Tiago Yaguez prüfte Galindo in der 58. Minute, doch der Nachwuchskeeper hielt wie ein alter Hase. "Ich hab gar nicht nachgedacht", meinte Galindo später, "ich hab einfach nur die Hände hochgerissen. Und da war der Ball dann zufällig." Das Spiel kippte endgültig in der 68. Minute. Wieder war es Billy Lancaster, der diesmal einen schnellen Konter einleitete. Seine Flanke fand erneut Jozef Gresko, der in seiner jugendlichen Unbekümmertheit einfach draufhielt - 3:1 für Estudiantes. Der Rest war Jubel, Gelbe Karten (zwei späte gegen Giese und Ulrich) und ein verzweifeltes Anrennen der Gastgeber, das aber so wirkte, als hätte jemand die Batterien aus der Fernbedienung genommen. Am Ende standen 53 Prozent Ballbesitz und 14 Schüsse für Estudiantes, aber vor allem drei Tore und drei Punkte. "Wir haben das Spiel in der Kabine entschieden", philosophierte Bielefeld nach Abpfiff. "Da drin haben die Jungs verstanden, dass man ein Derby nicht nur spielt, sondern gewinnt." Bei AD Quito klangen die Töne etwas gedrückter. Linksverteidiger Vincent Tiago, der in der 18. Minute Gelb gesehen hatte, schnaubte: "Wir haben das aus der Hand gegeben. Nach dem 1:1 war die Luft raus, und die haben halt ihre Chancen genutzt." So endet ein Derby, das in die Kategorie "Lehrabend für die Jugendförderung" fällt. Ein 18-jähriger Mann des Abends, ein 29-jähriger Rechtsverteidiger mit Torinstinkt und ein Trainer, der nun wohl in der ganzen Stadt Freigetränke bekommt. Ein Fan fasste es beim Hinausgehen aus der Kurve treffend zusammen: "Am Anfang dachte ich, das wird ein Spaziergang. Am Ende war’s ein Marathon - aber nur für uns." Und während die Scheinwerfer über dem Stadion von Quito erloschen, blieb ein Gedanke: Vielleicht wächst da bei Estudiantes gerade etwas heran. Etwas, das in ein paar Jahren nicht nur die Stadt, sondern die gesamte Liga aufmischen könnte. Doch das ist Zukunftsmusik - heute zählt nur das 3:1, und der Name Jozef Gresko hallt durch die Straßen der Hauptstadt. 29.09.643987 17:54 |
Sprücheklopfer
Wenn ich heute Kapitän bin und das Schiff sinkt, alle müssen helfen, dann kann doch der Koch nicht kommen und sagen: 'Ich kann nur die Bratpfanne halten.'
Otto Rehhagel