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Der SC Chiasso hat zum Auftakt der 1. Liga Schweiz ein wahres Feuerwerk gezündet und den FC Oberwallis mit 4:0 (3:0) vom Platz gefegt. 46.976 Zuschauer im fast ausverkauften Stadio Comunale erlebten am Samstagabend ein Spiel, das schon zur Pause entschieden war - und doch bis zum Schluss unterhaltsam blieb. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir hier zu Hause keine Geschenke verteilen", grinste Chiasso-Trainer Heiko Vogel nach dem Schlusspfiff. Geschenke gab es tatsächlich keine, höchstens für die eigenen Fans: Mit drei Toren in den ersten 30 Minuten legten die Tessiner einen Saisonstart hin, der selbst die skeptischsten Zuschauer vom Sitz riss. Der Mann des Abends hieß Louis Erdmann. Der 27-jährige Mittelstürmer traf gleich dreimal (20., 29., 81.) und machte seinem Ruf als eiskalter Vollstrecker alle Ehre. Bereits sein erstes Tor war ein Lehrstück in Sachen Torinstinkt: Nach einem cleveren Zuspiel von Walther Hermann drehte sich Erdmann blitzschnell um die eigene Achse und versenkte den Ball humorlos ins rechte Eck. "Ich hab einfach geschossen, bevor ich drüber nachdenken konnte", meinte Erdmann später augenzwinkernd. "Wenn ich anfange zu denken, wird’s meist kompliziert." Nur vier Minuten später durfte Hermann selbst jubeln. Der 21-jährige Mittelfeldspieler, einer der jungen Wilden im Team, zog nach Vorarbeit von Kyriakos Galitsios aus 20 Metern ab - und traf genau in den Winkel. Torwart Grigorios Christopoulos war chancenlos, und die Chiasso-Fans sangen bereits von der Tabellenspitze, obwohl der erste Spieltag noch nicht einmal vorbei war. Spätestens nach Erdmanns zweitem Treffer, erneut nach Assist von Galitsios, war das Spiel praktisch entschieden. Oberwallis wirkte ratlos, fast höflich defensiv. Trainer Snore Laken hatte seine Elf zunächst tiefstehend und abwartend eingestellt - "defensiv-balance", wie es später in der Statistik hieß - doch die Balance kippte früh. "Wir wollten kompakt stehen", erklärte Laken, "aber offenbar haben meine Spieler ’kompakt’ mit ’stillstehen’ verwechselt." Dabei hatte der FC Oberwallis sogar etwas mehr Ballbesitz (53 Prozent) - allerdings ohne jede Durchschlagskraft. Ganze drei Torschüsse fanden den Weg aufs Gehäuse von Chiassos Keeper Joseph Bridges, der einen ruhigen Abend verbrachte und in der zweiten Halbzeit mehr mit dem Publikum als mit dem Ball interagierte. Nach der Pause nahm Chiasso etwas Tempo raus, blieb aber klar überlegen. Vogel wechselte früh: Mit Lionel Santos und Andrew Benoi kamen zwei frische Kräfte, die den Offensivfluss am Leben hielten. Besonders der erst 19-jährige Ricardo Rodriguez, der für den gelbverwarnten Jack McLeod kam, sorgte auf der linken Seite für Wirbel - und lieferte in der 81. Minute die Vorlage zum dritten Erdmann-Tor. Der Youngster flankte präzise, Erdmann köpfte - 4:0, Deckel drauf. Zwischenzeitlich wurde auch das Schiedsrichterbuch gefüllt: McLeod (30.), Rodriguez (71.) und Carlo Cetraro (86.) sahen Gelb für Chiasso, während Oberwallis’ Mariusz Nawalka kurz vor Schluss (89.) ebenfalls verwarnt wurde - vermutlich aus Frust, denn an der Niederlage änderte das alles nichts mehr. "Wenn du 24 Schüsse aufs Tor hast und der Gegner nur drei, dann hast du irgendwas richtig gemacht", fasste Vogel trocken zusammen. Tatsächlich zeigten seine Spieler eine beeindruckende Mischung aus Spielfreude und Effizienz. Besonders auffällig: Das offensive Flügelspiel, mit dem Chiasso die Defensive der Gäste regelmäßig aufriss. "Wir haben trainiert, über die Außen zu kommen", so Vogel, "und manchmal klappt’s eben wirklich so, wie man’s plant - was im Fußball ja fast schon unheimlich ist." Oberwallis versuchte in der Schlussphase noch einmal, das Ergebnis zu verschönern, stellte die Taktik auf "Pressing" um - aber da war längst Hopfen und Malz verloren. Ein seltener Schussversuch von Nawalka in der 90. Minute blieb das letzte Aufbäumen. "Wir haben uns vorgenommen, in der zweiten Halbzeit mutiger zu sein", murmelte Laken in der Pressekonferenz und starrte auf das Statistikblatt. "Und siehe da - wir hatten am Ende mehr Ballbesitz." Ein Journalist fragte daraufhin, ob er das als positives Zeichen sehe. Laken lachte trocken: "Nun ja, Ballbesitz ist schön. Tore wären schöner gewesen." SC Chiasso startet damit mit einem Traumstart in die neue Saison - vier Tore, null Gegentreffer, beste Laune. Erdmann durfte den Spielball mit nach Hause nehmen und kündigte scherzhaft an, ihn "auf dem Nachttisch neben dem Wecker" zu platzieren. "Damit ich morgen weiß, dass das kein Traum war." Ein Auftakt, der Lust auf mehr macht - zumindest für die Gastgeber. Für Oberwallis dagegen war es ein Abend zum Vergessen. Oder, wie es ein Fan auf der Tribüne zusammenfasste: "Wenn man schon 47000 Zeugen hat, dann sollte man wenigstens so tun, als wollte man gewinnen." Und so endete der Abend in Chiasso mit Applaus, Gesang - und einer Mannschaft, die sich selbst belohnte. Wenn sie dieses Tempo hält, wird’s eine lange, aber höchst vergnügliche Saison. 21.11.643993 15:07 |
Sprücheklopfer
Unsere Chancen stehen 70:50.
Torsten Legat