Sport-Blick
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Engelsblitz in der 2. Minute - Chiasso ringt Zürich mit 1:0 nieder

Wenn 46.855 Zuschauer an einem kalten Januarabend ins Stadion von Chiasso pilgern, dann erwarten sie große Gefühle, fliegende Grätschen und wenigstens zwei Tore. Bekommen haben sie immerhin das Erste - und das gleich in der zweiten Minute. Danach folgten 88 Minuten voller Chancen, Nervosität und einer erstaunlichen Mischung aus Leidenschaft und Verzweiflung, die man so nur in der 1. Liga Schweiz erlebt.

Der Held des Abends: Michel Engel, 23 Jahre jung, rechte Sturmseite, flinke Beine und ein Schuss wie ein Vorschlaghammer. Schon in der zweiten Minute fasste er sich ein Herz, nachdem John Lochiel, der unermüdliche Mittelstürmer, den Ball geschickt mit der Hacke weiterleitete. Engel zog ab - und ehe Rot-Weiss Zürichs Keeper Joel Seiler "Ball!" rufen konnte, zappelte das Leder schon im Netz. 1:0. Danach: viel Arbeit, wenig Jubel.

"Ich dachte, der Ball sei schon draußen, ehrlich!", lachte Engel nach dem Spiel, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte. Trainer Heiko Vogel grinste daneben: "Ich sag ihm immer, er soll einfach schießen. Heute hat er’s wörtlich genommen - und danach zum Glück nicht mehr."

Denn Engel und seine Kollegen hielten die Züricher Hintermannschaft über 90 Minuten auf Trab. 19 Torschüsse, davon mindestens acht aus aussichtsreicher Position - aber eben auch nur dieses eine Tor. Lochiel, der junge Schotte im Sturmzentrum, versuchte es gleich fünfmal, traf aber eher die Werbebande als das Tor. "Ich glaub, die Bande hat jetzt ein Loch, aber das zählt ja leider nicht", meinte er trocken in der Mixed Zone.

Rot-Weiss Zürich hingegen? Zwei Schüsse aufs Tor - das war’s. Alain Petersen versuchte es in der 36. Minute mit einem verzweifelten Versuch von links, und Marwin Caron prüfte in der Nachspielzeit Chiassos Torwart Nathan Van Bocxlaer. Der blieb cool, fast gelangweilt, und parierte lässig mit einer Hand. "Ich hab mir mehr Sorgen um meine Handschuhe gemacht als um den Ball", witzelte der Keeper später.

Zürichs Trainer, der lieber ungenannt bleiben wollte (aber seine rote Krawatte verriet ihn ohnehin), sah es gelassen: "Wir wollten das Spiel ruhig aufbauen, aber Chiasso hat uns gleich zu Beginn überfallen. Danach war’s wie ein Schachspiel - nur dass die anderen die Figuren hatten."

Statistisch gesehen war’s kein Klassenunterschied, aber ein deutlicher Hinweis: 52,5 Prozent Ballbesitz für Chiasso, 47,5 für Zürich. Doch die Zweikampfquote von fast 58 Prozent zugunsten der Hausherren verrät, wer hier den Rasen umgepflügt hat. Xavi Gonzalez, der rechte Verteidiger, holte sich zwar in der 30. Minute Gelb ab, aber damit auch Applaus von der Tribüne. "Der Ball war klar gespielt - nur der Gegner stand halt im Weg", verteidigte er sich danach mit einem Grinsen.

Zürichs Marwin Caron sah in der 56. Minute ebenfalls Gelb. "Das war gar nichts!", schimpfte er, während der Schiedsrichter schon wieder weglief. Ein Zuschauer rief: "Doch, das war was - und zwar ein Foul!" Die Stimmung auf den Rängen war hitzig, aber nie bösartig.

Chiasso blieb offensiv eingestellt, wie es die Statistik belegt: Offensive Ausrichtung, Flügelspiel, aggressiv und jederzeit schussbereit - ganz nach dem Motto: Wer viel probiert, trifft irgendwann. Nur dass "irgendwann" diesmal eben schon in der zweiten Minute war. Danach verwaltete das Team das Ergebnis mit erstaunlicher Abgeklärtheit.

Trainer Vogel lobte nach dem Schlusspfiff: "Wir haben in der ersten Halbzeit wie entfesselt gespielt, in der zweiten dann wie Beamte - aber wenigstens pünktlich Schluss gemacht." Und tatsächlich: Die Defensive um MacDuff und Neumann stand wie eine Mauer, Ricardo Rodriguez, der 17-jährige Linksverteidiger, zeigte in der 83. Minute sogar noch einen beherzten Distanzschuss.

Rot-Weiss Zürich wirkte über weite Phasen ideenlos. Kein Pressing, kein Risiko, kein Plan B - oder wie ein Fan es im Vorbeigehen formulierte: "Das war wie Raclette ohne Käse - alles drumherum, aber nix Herzhaftes."

Am Ende feierte Chiasso einen verdienten 1:0-Sieg, der zwar früh entschieden war, aber nie langweilig wurde. "Ein Arbeitssieg mit Stil", meinte Engel, als er in die Kabine verschwand. Und Trainer Vogel rief ihm hinterher: "Nächstes Mal warten wir bitte bis zur fünften Minute - sonst wird’s wieder so nervenaufreibend!"

Ein Abend, der zeigte: Auch ein einziges Tor kann eine ganze Stadt glücklich machen - vorausgesetzt, es fällt früh genug.

29.09.643987 09:44
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