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Es war einer dieser Abende, an denen man das Gefühl hatte, der Fußballgott habe sich eine Tüte Popcorn geschnappt und sich genüsslich zurückgelehnt. 30.500 Zuschauer im altehrwürdigen Stadion von Den Haag sahen am 4. Spieltag der 1. Liga Niederlande ein Spiel, das alles hatte - Tempo, Tore, Dramatik und eine Prise Chaos. Am Ende stand es 2:4 aus Sicht des FC Den Haag gegen einen FC Eindhoven, der seine Chancen eiskalt nutzte und trotz Verletzungssorgen den kühleren Kopf behielt. Schon nach drei Minuten knisterte es: Brandon McGowan sah Gelb, offenbar wollte er gleich klarstellen, dass hier niemand ungeschoren davonkommt. Doch die Gäste aus Eindhoven ließen sich nicht beeindrucken. In der 14. Minute marschierte Tiago Velez über links, flankte butterweich in den Rückraum, wo Routinier Detlev Gerlach lauerte und den Ball trocken ins Eck schob - 0:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", murmelte Den-Haag-Torwart Joris Barhydt später mit einem gequälten Lächeln. Leider irrte er sich. Nur sieben Minuten später der nächste Nackenschlag: Rechtsverteidiger Nael Teixeira, sonst mehr für rustikale Grätschen bekannt, zog einfach mal ab - und traf. 0:2, und auf der Tribüne war kurz das Rascheln der Frittenpapiere lauter als der Heimblock. Eindhoven spielte jetzt mit der Selbstverständlichkeit eines Teams, das weiß, dass heute vieles funktioniert. 13 Schüsse aufs Tor sprechen Bände - Den Haag brachte es auf magere fünf. Trainer Andreas Riemann, der an der Seitenlinie eher wie ein stoischer Schachspieler wirkte, kommentierte später trocken: "Wir wollten das Spiel kontrollieren. Dass wir dann vier Tore machen, nehme ich als Bonus." Kurz vor der Pause dann ein Schreckmoment: Eindhoven-Keeper Koenraad Onderdonk verletzte sich nach einem Zusammenprall - Diagnose noch offen. Ersatzmann François Gage kam, und mancher Den-Haag-Fan witterte eine Wende. Doch weit gefehlt. Nach dem Seitenwechsel setzten die Gäste noch einen drauf. Paris Nafpliotis, ein bulliger Mittelstürmer mit der Eleganz eines Betonmischers, traf in der 51. Minute nach einem feinen Pass von Innenverteidiger Nelio Caneira zum 0:3. "Wir wollten das Ding früh entscheiden", grinste Nafpliotis, "aber Den Haag hat uns dann doch noch schwitzen lassen." Denn plötzlich wachten die Hausherren auf. In der 56. Minute war es Edvin Johannesen, der nach Vorarbeit von Samuel Boulanger endlich traf - 1:3. Zwei Minuten später donnerte Linksverteidiger Fernando Perez den Ball, nach Pass von Maurice Celine, aus 20 Metern ins Netz - 2:3. Das Stadion bebte, und selbst der Stadionsprecher klang kurz wie ein Teenager nach dem ersten Konzertbesuch. Doch Eindhoven blieb cool. In der 84. Minute tanzte der 33-jährige Simone Laino die Den-Haag-Abwehr aus, nachdem Nael Coelho ihn perfekt bedient hatte - 2:4, Deckel drauf. "Ich fühlte mich heute zehn Jahre jünger", lachte Laino später. "Vielleicht lag’s am Rasen - oder an meinem neuen Haarschnitt." Den Haag versuchte noch einmal alles, aber viel kam nicht mehr. Jerome Baillon verzog in der 72. Minute, und als Schiedsrichter de Groot nach 93 Minuten abpfiff, schlich Trainer von Den Haag - der namentlich ungenannt bleiben wollte, aber dessen Gesicht Bände sprach - wortlos in die Kabine. Statistisch war das Spiel fast ausgeglichen im Ballbesitz (50,1 zu 49,8 Prozent), doch in den Zweikämpfen (45 zu 55 Prozent) und vor allem im Abschluss bewiesen die Gäste mehr Zielstrebigkeit. Eindhoven hatte Plan, Präzision und Geduld - Den Haag hatte Pech, Patzer und Pizza-Tempo im Rückwärtsgang. Einziger kleiner Makel für die Gäste: Zwei Gelbe Karten (Teixeira 77., der junge Pauel Veeder 91.) trübten die ansonsten blitzsaubere Leistung minimal. Riemann fasste es nach Abpfiff treffend zusammen: "Wir hatten heute nicht nur den besseren Plan, sondern auch die besseren Schienbeinschoner." Und während die Fans aus Eindhoven noch lange sangen, sah man auf der anderen Seite ein paar Den-Haag-Spieler ratlos auf den Rasen starren. Einer von ihnen murmelte: "Vier Tore? Das war doch gar nicht im Drehbuch." Vielleicht nicht - aber es war beste Fußballunterhaltung. Fazit: Eindhoven reif, effizient und mit Spaß am Spiel; Den Haag bemüht, aber defensiv flatterhaft. Wenn es Trost gibt, dann den, dass die Saison noch jung ist. Oder, wie Fernando Perez es formulierte: "Wir haben zwei Tore gemacht. Leider nicht das richtige Timing." Man darf gespannt sein, ob Den Haag beim nächsten Heimspiel die Löcher stopft - oder wieder die Zuschauer mit Offensivfeuerwerk entschädigt. Für neutralen Fußballgenuss war dieser Abend jedenfalls ein Volltreffer. 22.02.643987 22:37 |
Sprücheklopfer
Das ist das größte Kompliment, was sich eine Mannschaft zuteil werden kann.
Günter Netzer