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Es war einer dieser Abende, an denen der SC Delemont alles richtig machte - außer den Ball ein zweites Mal ins Tor zu schießen. Vor ausverkauftem Haus im Stade de la Blancherie, 40.000 Kehlen laut und erwartungsvoll, trennten sich die Gastgeber am 5. Spieltag der 1. Liga Schweiz 1:1 (1:0) von Lausanne-Sport. Ein Ergebnis, das sich für Delemont eher wie eine Niederlage anfühlt - und für Lausanne wie ein glücklicher Punktgewinn. Dabei begann alles nach Maß für das Team von Trainerin Lena-Marie Temmel. Schon in der 12. Minute zappelte der Ball im Netz der Gäste. Rikki Vedder, quirlig und wieselflink wie ein junger Terrier, vollendete einen mustergültigen Angriff über Patrick Stern. "Ich hab’ nur den Kopf reingehalten - der Ball wollte einfach rein", grinste Vedder später, während er sich die verschwitzten Haare aus der Stirn strich. Stern, der Vorlagengeber, kommentierte trocken: "Na ja, manchmal muss man gar nicht viel tun, außer nicht im Weg stehen." Delemont spielte danach wie entfesselt. 17 Torschüsse insgesamt, ein Ballbesitz von knapp 52 Prozent - und das Gefühl, jederzeit das Spiel zu kontrollieren. Lausanne dagegen wirkte in der ersten Halbzeit wie ein Team, das den Bus vor dem Strafraum parkt, aber den Schlüssel vergessen hat. Gästetrainer Ronny Schmidt gestand später: "In den ersten 45 Minuten haben wir eher zugeschaut. Ich hatte fast Mitleid mit unserem Keeper Marc Klose." Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er sich an Gerechtigkeit hielte. Direkt nach Wiederanpfiff - kaum hatte der Stadionsprecher das Halbzeitergebnis zu Ende gesagt - nutzte Lausanne seine erste richtige Offensivaktion: Kevin Hübner, der bis dahin kaum aufgefallen war, traf in der 46. Minute nach feinem Zuspiel von Michel Seymour zum Ausgleich. Ein Schuss, trocken, präzise, unhaltbar. "Ich hab einfach draufgehalten. Der Ball flog und flog - und plötzlich jubelten wir", erzählte Hübner später mit einem Grinsen, das zwischen Überraschung und Triumph schwankte. Das Gegentor traf Delemont wie ein kalter Eimer Wasser. Trainerin Temmel schüttelte nur den Kopf, rief aber sofort: "Konzentration, Jungs! Wir spielen weiter unser Spiel!" Und das taten sie - mit Leidenschaft, aber zunehmend mit Frust. Stern vergab in der 58. Minute freistehend, Benjamin Besson prüfte den Torhüter gleich dreimal (17., 18. und 29. Minute), und Laurent Rothe drosch in der 21. Minute knapp über das Tor. "Wenn Ballbesitz Tore wären, hätten wir 5:1 gewonnen", meinte Temmel später sarkastisch. "Aber leider zählen nur die Dinger, die im Netz zappeln." Lausanne verteidigte fortan mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit Händen, Schultern und göttlicher Fügung. Während Delemont weiter anlief, blieb Schmidt gelassen an der Seitenlinie und kaute demonstrativ an seinem Kaugummi. "Wir wollten sicher stehen und auf unsere Chance warten", erklärte er. "Na gut, die hatten wir schon in der 46. Minute, also haben wir dann beschlossen, das Ergebnis zu verwalten." In der Schlussphase setzte Temmel auf frische Kräfte: Dylan Dewey kam in der 65. Minute für den ausgepumpten Vedder, fünf Minuten später ersetzte Lionel Vaz den glücklosen Stern. Doch auch diese Wechsel brachten keinen Durchbruch. Die Latte, der Torwart, das eigene Unvermögen - alles stand zwischen Delemont und dem Sieg. Zwischendurch sorgten drei Gelbe Karten für zusätzliche Emotionen: Jozef Abraham (54.), Hugo Zabaleta (63.) und Dominique Ziegler (67.) sahen Gelb - ein Beweis, dass Delemont nicht nur schön, sondern auch mit Nachdruck spielte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", rechtfertigte sich Ziegler später mit einem Schulterzucken. Als der Schlusspfiff ertönte, stand auf der Anzeigetafel ein 1:1, und 40.000 Zuschauer wussten nicht, ob sie applaudieren oder seufzen sollten. Ein Spiel, das Delemont hätte gewinnen müssen, aber nicht gewann - und Lausanne, das eigentlich verloren hatte, aber nicht verlor. "Das ist Fußball", sagte Temmel zum Abschied und lächelte müde. "Manchmal bekommst du nur einen Punkt, obwohl du drei verdient hättest. Aber immerhin - wir haben gezeigt, dass wir spielen können." Und während die Fans langsam das Stadion verließen, murmelte ein älterer Herr in Vereinsfarben: "Wenn die so weiterspielen, brauchen wir bald ein größeres Tor." Vielleicht hat er recht. Ein Spiel mit viel Herz, wenig Glück - und einem Ergebnis, das beiden Teams etwas sagt: Delemont, dass Dominanz nicht reicht, und Lausanne, dass Effizienz manchmal alles ist. 15.07.643990 06:50 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic