Fanatik
+++ Sportzeitung für Türkei +++

Ein Punkt, zwei Gesichter: Gatalasaraj und Trabsonspor trennen sich 1:1

Manchmal ist ein 1:1 mehr als nur ein Unentschieden - es ist ein Spiegelbild zweier Mannschaften, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie lieber gewinnen oder verlieren wollen. So geschehen am Sonntagabend im ausverkauften Stadion zu Istanbul, wo 34.672 Zuschauer zwischen Hoffnung, Verzweiflung und kollektivem Augenrollen pendelten.

Gatalasaraj gegen Trabsonspor - schon der Klang dieses Duells verspricht Drama, Leidenschaft und mindestens eine Gelbe Karte pro Halbzeit. Und tatsächlich: Schon nach 16 Minuten hob Schiedsrichter Yildirim die erste Karte des Abends, als Trabsons Linksverteidiger Marc Iniguez etwas zu leidenschaftlich in einen Zweikampf rauschte. "Ich hab doch nur den Ball getroffen", brummte er nach dem Spiel. "Ja, aber leider erst nach dem Gegner", antwortete Trainer Oguzhan Yilmaz trocken.

Das Spiel begann schwungvoll, zumindest von der Atmosphäre her. Auf dem Platz tasteten sich beide Teams ab - Trabsonspor mit 57 Prozent Ballbesitz und dem eleganteren Passspiel, Gatalasaraj mit dem größeren Drang nach vorne, aber der Präzision eines schlecht eingestellten Navigationssystems. Ferruh Saglam prüfte bereits in der vierten und dreizehnten Minute den Trabson-Keeper Andrew Edgecomb, der sich offenbar vorgenommen hatte, seine Torlinie als Lebensraum zu verteidigen.

Die Gäste wirkten abgeklärter, kontrollierten das Mittelfeld und hatten in Humberto Figo ihren heimlichen Regisseur. In der 44. Minute setzte er dann den Akzent des Abends: Nach feinem Zuspiel von Adriano Sa Pint zog Figo aus gut 20 Metern ab - ein Schuss wie ein Paukenschlag. Gatalasarajs Torwart Taylan Altintop flog, streckte sich, reckte sich - und musste dann doch den Ball aus dem Netz holen. 0:1, und Trabsonspor jubelte mit der kühlen Freude eines Teams, das wusste, dass es den Gastgebern gerade den Stecker gezogen hatte.

"Wir waren in der ersten Hälfte zu brav", grummelte Gatalasaraj-Coach Carlo Colucci später. "Ich hätte mir mehr Aggressivität gewünscht - aber meine Jungs sind höfliche Menschen."

Nach dem Seitenwechsel stellte Colucci um, brachte den jungen Rafael Eusebio für Cloutier und ließ Orkut Kabze für Xavi Estevez aufs Feld. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Gatalasaraj spielte nun mutiger, suchte die Flügel, und der Druck nahm spürbar zu. Doch zunächst kassierte auch Caio Mendivil (61.) noch Gelb - sinnbildlich für die Nervenlage.

Dann, in der 68. Minute, platzte der Knoten: Orkut Kabze spielte sich in zentraler Position durch, legte clever nach rechts, und Sabit Mansiz hämmerte den Ball kompromisslos ins lange Eck. Der Jubel im Stadion war ohrenbetäubend, Colucci riss die Arme hoch und grinste: "Ich hab’s ja gesagt: Sabit schießt nur, wenn’s richtig wehtut." 1:1 - und plötzlich war alles wieder offen.

In den letzten 20 Minuten entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Trabsonspors Riedel (67.) und Figo (79.) prüften Altintop, während Gatalasarajs Gabriel Gayheart (71.) und sogar Innenverteidiger Benjamin Willoughby (89.) am zweiten Treffer schnupperten. Doch das Aluminium, die Torhüter und ein Hauch von Verzweiflung sorgten dafür, dass es beim Remis blieb.

Statistisch betrachtet war Trabsonspor das etwas reifere Team - neun Torschüsse und die ruhigere Ballzirkulation sprechen für sich. Gatalasaraj hingegen überzeugte durch Einsatz und Moral, was vielleicht auch daran lag, dass man in Istanbul mit "Einsatz" meist "Alles oder nichts" meint.

"Am Ende ist das Ergebnis gerecht", meinte Trabsons Coach Yilmaz nüchtern. "Wir hätten das 2:0 machen müssen, aber Gatalasaraj hat Herz gezeigt." Sein Gegenüber Colucci grinste: "Herz, ja. Und ein bisschen Chaos. Aber manchmal reicht das."

Als die letzten Fans das Stadion verließen, hallte noch lange ein ironisches "Gatalasaraj olé!" durchs Rund. Vielleicht aus Trotz, vielleicht aus Stolz - oder einfach, weil man wusste, dass man zwar nicht gewonnen, aber auch nicht verloren hatte.

Und so endet dieser vierte Spieltag der 1. Liga Türkei mit einem klassischen Fußballkompromiss: Trabsonspor nimmt einen Punkt mit, Gatalasaraj behält sein Gesicht, und beide Trainer dürfen weiter hoffen, dass aus Balance irgendwann Konstanz wird.

Oder, wie Humberto Figo nach seinem Treffer lächelnd meinte: "Ich hätte lieber drei Punkte. Aber wenigstens hab ich den schönsten Moment des Spiels gehabt." - Recht hat er.

22.02.643987 20:10
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