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Ein lauer Abend in Carolina, 36.000 Zuschauer, Flutlicht, Popcorn-Geruch und ein Pfeifen, das kaum verklungen war, da ahnte man schon: Das wird kein gemütlicher Heimabend für die Eagles. Am Ende hieß es 1:4, und die Miami Strikers nahmen die drei Punkte so selbstverständlich mit, als hätten sie sie schon im Gepäck gehabt. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an für die Gastgeber. In der 26. Minute schlenzte Andrew Lewis nach Vorarbeit von Guillaume Blanchett den Ball ins rechte obere Eck - ein Treffer aus dem Lehrbuch, technisch fein und mit so viel Gefühl, dass selbst die sonst stoischen Fans aufsprangen. "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste Lewis später, "endlich hat sich das Training mit der alten Garage im Garten gelohnt." Doch kaum hatten die Eagles ihre Flügel ausgebreitet, da kamen die Strikers mit der Präzision einer gut geölten Maschine. Evan Harte, der 31-jährige Linksaußen, tanzte in der 39. Minute durch die Defensive, als seien die Gegenspieler nur Schatten. Nach feinem Zuspiel von Alexander Badham netzte er zum Ausgleich ein. Fünf Minuten später legte Nael Ortega nach - eine butterweiche Vorlage von Lewis Millington, ein kurzer Blick, ein Schuss, 1:2. Das Publikum verstummte, und Eagles-Keeper Samuel Lineback sah aus, als würde er lieber in den Boden versinken. "Da haben wir kurz die Orientierung verloren", murmelte Eagles-Trainer (dessen Name die Clubleitung nach dem Spiel lieber nicht durchsagen ließ) später. Ein Fan auf der Tribüne fasste es knackiger zusammen: "Wir standen wie Verkehrshütchen." Nach der Pause versuchten die Eagles, das Ruder herumzureißen. Der Ballbesitz war nahezu ausgeglichen (50 zu 49 Prozent), aber wo die Strikers zielstrebig wirkten, fehlte bei Carolina die letzte Überzeugung. Acht Torschüsse verzeichneten sie insgesamt - solide, aber harmlos. Miami dagegen kam auf 15 Abschlüsse, und spätestens in der 62. Minute war klar, wohin die Reise ging: Der junge Thierry Morin, gerade einmal 20, traf nach erneuter Vorlage von Millington zum 1:3. Mit einem Jubel, der irgendwo zwischen jugendlicher Unschuld und südländischem Selbstbewusstsein pendelte, ließ er sich feiern. Und als wäre das nicht genug, krönte Millington selbst seine Gala mit dem 1:4 in der 68. Minute, nach Pass von Harte. Ein Tor so präzise, dass man meinte, er habe den Ball mit einem Laserpointer gelenkt. Trainer Gerhard Münster grinste danach in die Kameras: "Wir wollten einfach Spaß haben. Und wenn man Spaß hat, trifft man leichter." Die Eagles dagegen verloren zunehmend die Fassung. Guillaume Blanchett sah in der 67. Minute Gelb, offenbar als symbolisches Zeichen für die allgemeine Nervosität. Von der Bank kam kein Impuls, und im Publikum machte sich Galgenhumor breit. Ein älterer Fan brüllte: "Wenigstens haben wir den ersten Treffer gemacht!" Eine junge Frau daneben antwortete trocken: "Ja, das war’s dann aber auch mit den Highlights." Immerhin hielten die Eagles kämpferisch dagegen, wenn auch ohne Fortune. Rafael Assis prüfte in der 87. Minute Strikers-Keeper Harrison Bosworth noch einmal - vergeblich. "Der Ball wollte heute einfach nicht rein", seufzte Assis später. Bosworth konterte mit einem Lächeln: "Vielleicht wollte er einfach nicht raus." Am Ende blieb den Eagles nur der Applaus für den Gegner. Miami spielte abgeklärt, effizient, fast unverschämt souverän. Die Statistiken erzählten dieselbe Geschichte: leichtes Übergewicht in Zweikämpfen, mehr Torgefahr, bessere Nerven. "Das Ergebnis klingt klarer, als das Spiel war", meinte Münster diplomatisch, bevor er in den Mannschaftsbus stieg - vermutlich mit der Playlist "Easy Like Sunday Morning" im Ohr. Carolina hingegen wird sich fragen müssen, warum man nach einer Führung so schnell die Ordnung verlor. Vielleicht war es Übermut, vielleicht fehlende Frische. Vielleicht aber war Miami einfach zu gut. Und so endete ein Abend, der mit Hoffnung begann und mit höflichem Applaus für den Gegner ausklang. Die Strikers tanzen weiter Richtung Tabellenspitze, während die Eagles wieder aufstehen müssen - und das möglichst bald. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen sagte: "Wir haben vier Gegentore gesehen, aber wenigstens eins von uns. Man darf ja auch mal kleine Siege feiern." 14.11.643987 13:33 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
Stefan Effenberg nachdem der Transfer von Sebastian Deisler zum FC Bayern bekannt wurde