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Wenn 36.000 Zuschauer an einem windigen Sonntagabend im Home Park von Plymouth auf den Sitzen kleben, dann weiß man: Hier ist wieder einer dieser Abende, an denen die Statistik nur noch müde lächelt. 57 Prozent Ballbesitz für die Pilgrims, 16 Torschüsse für die Geordies - und am Ende ein 2:2, das beide Seiten ratlos, aber irgendwie auch zufrieden zurückließ. Die Partie begann so, wie man es von den offensiv eingestellten Newcastle Geordies unter Konstantin Ratai erwartet hatte: mit einem Paukenschlag. Schon in der ersten Minute prüfte Lazaros Agritis den Heimkeeper Elliot Baskin - ein Schuss, der mehr Staub vom Netz als Schweiß von der Stirn des Torwarts fegte. Plymouth antwortete bedacht, fast britisch höflich, mit kontrolliertem Aufbau. "Wir wollten den Ball laufen lassen, nicht hinterherlaufen", erklärte Mittelfeldmotor Lucas Wyler später, während er sich mit einem Handtuch das Gesicht abtupfte. Doch die Geordies ließen nicht locker. Alberto Rocha und Varnavas Damanakis bombardierten die Pilgrims-Defensive mit Schüssen, als gäbe es Punkte für Zielwasser. In der 42. Minute dann das logische - oder sagen wir: längst überfällige - 0:1. Innenverteidiger Frederic McLeod, sonst eher Mann für rustikale Grätschen, nickte eine butterweiche Flanke von Joan Cruz ins Netz. "Ich wusste gar nicht, dass ich so hoch springen kann", grinste McLeod anschließend. Aber wer Plymouth schon abgeschrieben hatte, kennt die Pilgrims schlecht. Fast im Gegenzug, praktisch mit dem Pausenpfiff, schlug Vaios Donis zurück. Nach einem langen Ball von Noah Haddock stürmte der 31-Jährige in bester Stoßstürmer-Manier in den Strafraum, tänzelte kurz - und traf zum 1:1. Das Stadion explodierte. "Ich hab nur gedacht: Jetzt oder nie", sagte Donis, noch immer mit glänzenden Augen. Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel offen - auf dem Papier zumindest. In Wahrheit drückte Newcastle weiter, Plymouth konterte clever. In der 57. Minute dann die kalte Dusche für die Geordies: Aimilios Mitropoulos, der bis dahin eher unauffällig agierte, drosch den Ball nach feinem Zuspiel von Wyler trocken ins rechte Eck. 2:1 für Plymouth - und plötzlich schien alles möglich. Ratai reagierte sofort, brachte Bruno Meira für den verwarnten Rocha (der nach 22 Minuten Gelb gesehen hatte und vorsichtig agierte) und später den jungen Sifakis für Suero. Mehr Schwung kam dadurch zwar, aber keine Präzision. "Wir hatten Chancen für drei Spiele", knurrte Ratai nach Abpfiff, "aber wir hatten auch einen Gegner, der laufen konnte wie ein Marathonläufer auf Espresso." Die Statistik gibt ihm recht: Newcastle feuerte 16 Mal aufs Tor, Plymouth gerade einmal fünf. Doch Fußball ist kein Dartturnier, und so mussten die Geordies bis zur 82. Minute warten, ehe sie sich endlich belohnten. Wieder war Cruz der Vorlagengeber, diesmal auf Rhys Simpson, der aus halbrechter Position zum 2:2 einschoss. Ein Treffer, der so schön war, dass selbst die Heimfans kurz klatschten - oder es zumindest taten, als sie dachten, niemand schaut hin. In den Schlussminuten stellten die Geordies auf volles Risiko um, Pressing auf Anschlag, Aggressivität auf "STRONG". Plymouth dagegen blieb cool, ließ den Ball zirkulieren und hoffte, dass der Schlusspfiff schneller kommt als der nächste Angriff. In der 94. Minute versuchte es Agritis noch einmal, doch Baskin tauchte ab wie ein Delfin - das 2:2 war besiegelt. "Wir hätten das dritte Tor machen müssen", haderte Newcastle-Kapitän Cruz, während er mit dem Schiri diskutierte, obwohl der längst in der Kabine verschwunden war. Plymouths Donis sah das naturgemäß anders: "Ein Punkt ist ein Punkt, und gegen Newcastle fühlt sich das fast wie drei an." So blieb es bei einer Punkteteilung, die keiner wollte und beide brauchten. Die Pilgrims festigen mit diesem Unentschieden ihren Ruf als taktisch disziplinierte Truppe, die selbst gegen Ballermänner aus dem Norden nicht einknickt. Newcastle dagegen nimmt den Frust mit auf die Heimreise - und vielleicht auch ein paar Fragen an die eigene Chancenverwertung. Und irgendwo in der Nacht, als der Regen über den Home Park prasselte, hörte man einen Fan sagen: "2:2? Das war kein Spiel - das war britisches Theater." Man möchte ihm nicht widersprechen. 05.03.643987 06:05 |
Sprücheklopfer
Ihr könnt euch da ja mal hinstellen, und wenn dann Ribery mit 180 Stundenkilometern an einem vorbeigelaufen kommt, gibt's wenige, die den stoppen können.
Arne Friedrich