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Ein Freitagabend im Februar, 20:30 Uhr, Flutlicht über Delemont, 40.000 Zuschauer mit kalten Händen, aber warmem Herzen - und die bekamen etwas geboten: fünf Tore, zwei Gelbe Karten und reichlich Gesprächsstoff. Am Ende jubelte der FC Nyon über ein 3:2 beim SC Delemont, ein Ergebnis, das auf dem Papier knapp wirkt, in der Realität aber eine Achterbahnfahrt war. Schon die ersten Minuten ließen keinen Zweifel daran, dass Nyon mit offenem Visier angetreten war. "Wir wollten gleich zeigen, dass wir nicht zum Fondue-Essen gekommen sind", grinste FCN-Trainer Manni Burgsmüller später in die Mikrofone. Und tatsächlich: In der 7. Minute zappelte der Ball erstmals im Netz, als Silvestre Manu nach einem schnellen Ballgewinn über rechts das 1:0 markierte. Kaum hatten die Delemont-Fans den Schock verdaut, legte Ramon Ferron nur eine Minute später nach - 2:0 für Nyon, und das Stadion murmelte ungläubig. "Da dachte ich kurz, ich bin im falschen Film", gab Delemonts Coach Lena-Marie Temmel später zu. "Aber wir haben Charakter gezeigt. Und wenigstens das Fondue war heiß." Doch bevor es für die Hausherren besser wurde, traf Ferron erneut - in der 23. Minute, wieder nach Vorlage von Innenverteidiger Erik Maxime, der offenbar beschlossen hatte, seine Abwehrpflichten gegen kreative Angriffe einzutauschen. 3:0, und der Gästeblock tanzte Polka. Delemont brauchte dringend ein Lebenszeichen - und fand es kurz vor der Pause. In der 42. Minute kombinierte sich der agile Joseph Barbier über links durch, legte quer, und Dylan Dewey schob ein. 1:3, der erste Aufschrei der Hoffnung hallte durchs Stadion. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", sagte Dewey bescheiden, "aber den genau richtigen." Die zweite Halbzeit begann mit einem Delemont, das sich plötzlich erinnerte, dass Fußball auch Spaß machen kann. Das Team hatte fast 50 Prozent Ballbesitz, 13 Torschüsse - mehr als Nyon -, aber das Glück blieb zunächst aus. In der 47. Minute kassierte Nyons Duarte Moutinho Gelb, weil er meinte, Dewey per Grätsche stoppen zu müssen, die mehr an Karate als an Fußball erinnerte. Dann, in der 68. Minute, wurde es wieder laut: Martin Schwab zog aus zentraler Position ab, der Ball flog wie an der Schnur gezogen in den Winkel - 2:3! Die Fans standen, die Trainerin sprang. "Ich hab in dem Moment nur noch gedacht: Wenn jetzt noch einer reingeht, dann glaub ich wieder an Märchen", sagte Temmel später mit einem Lächeln, das zwischen Stolz und Frust pendelte. Delemont drückte, Nyon wackelte. Barbier prüfte Torwart Helmut Robert mehrfach - in der 75. und 84. Minute musste der Keeper alles aufbieten, was sein Reflexrepertoire hergab. "Ich hab den Ball nicht gesehen, ich hab ihn gefühlt", lachte Robert nach dem Spiel. Die Schlussphase war ein wilder Schlagabtausch. Nyon konterte, Delemont stürmte, und irgendwo dazwischen stand Burgsmüller, der mit verschränkten Armen und einem Grinsen meinte: "Ich hab gesagt, wir bleiben offensiv, bis einer umfällt. Zum Glück war’s keiner von uns." Am Ende blieb es beim 3:2 für die Gäste. Ein gerechtes Ergebnis? Vielleicht. Delemont hatte mehr Abschlüsse, leicht mehr Ballbesitz, aber Nyon die Effizienz eines Uhrwerks. Ferron, zweifacher Torschütze, wurde folgerichtig zum Spieler des Spiels gewählt. "Ich wollte eigentlich nur Spaß haben", sagte er, "aber Tore machen macht halt am meisten Spaß." Lena-Marie Temmel nahm die Niederlage sportlich. "Wir haben uns nach dem 0:3 zurückgekämpft, das spricht für uns. Aber wir müssen lernen, dass Spiele auch in der 7. Minute schon zählen." Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus - und wohl auch einem Seufzer: Wenn Delemont künftig von Anfang an so spielt wie nach der Pause, dann wird es bald wieder Grund zu feiern geben. Und irgendwo in der Kabine hat Burgsmüller wohl noch einmal den Satz gesagt, der ihm auf den Leib geschrieben scheint: "Offensiv ist die beste Verteidigung. Und eine gute Ausrede, wenn man wieder drei kassiert." Ein Spiel mit fünf Toren, reichlich Herzblut und einem Hauch Ironie - genau das, was Fußball an einem kalten Februarabend braucht. 07.08.643990 13:58 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic