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Ein kalter Januarabend, Flutlicht über dem kleinen, aber lauten Stadion des FC Doetinchem, 20.000 Zuschauer, die sich in die Decken wickeln - und am Ende eine Partie, die man so schnell nicht vergisst. 2:2 hieß es nach 90 Minuten gegen die favorisierten Rotterdam Lords. Das klingt nach gerechtem Remis, war aber in Wahrheit eine kleine Oper mit allem, was dazugehört: Drama, Gelbe Karten, Helden und tragische Figuren - und ein Schiedsrichter, der sich mehrmals fragte, ob er nicht lieber Lehrer hätte werden sollen. Die Gäste aus Rotterdam begannen abgeklärt, fast schon aristokratisch - schließlich heißen sie nicht umsonst "Lords". In der 28. Minute aber war es Thijmen Schaffer, der die noble Zurückhaltung ablegte. Nach feinem Pass aus dem Zentrum von Zeeman Courtlandt zog der linke Mittelfeldmann trocken ab - 0:1. "Ich hab einfach den Ball gesehen und gedacht: Ach komm, jetzt oder nie", grinste Schaffer später. Doetinchems Keeper Ricardo Nene streckte sich vergeblich, und das Publikum murmelte etwas, das wie "nicht schon wieder" klang. In der Pause schien FC-Trainer Jan van der Molen (so stellte er sich später lachend als "Interim-Chefkoch des Chaos" vor) die richtigen Worte gefunden zu haben. Denn kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, drehte sich das Spiel. In der 54. Minute traf Thijs Halse nach passgenauer Vorarbeit von Linksverteidiger Faas Van Schoonhoven - ein Schuss, der so präzise war, dass selbst die Stadionkatze kurz aufhorchte. "Ich hab den Ball gar nicht richtig gespürt", sagte Halse, "aber irgendwie war er drin. Vielleicht lag’s am neuen Schuhband." Und weil Fußball manchmal Märchen schreibt, dauerte es nur vier Minuten, bis aus dem Rückstand ein Doetinchemer Rausch wurde. Der flinke Rechtsaußen Gottfried Winchel, der schon vorher mehrfach gefährlich aufgetaucht war, setzte sich nach Vorlage von Thijmen Vanderwerken durch und drosch das Leder unhaltbar unter die Latte - 2:1! Das Stadion bebte, und manch einer schwor, die Tribüne habe kurz gewackelt. Doch wer die Lords abschreibt, bevor der Abpfiff ertönt, hat den Fußball nicht verstanden. In der 73. Minute schlug Rotterdam zurück: Gotthard Hacker, der Name allein klingt schon nach Torgefahr, traf nach Flanke von Pim Breed zum 2:2. "Ein verdientes Tor", gab Doetinchems Mittelfeldmotor Gregor Sutphen später zu, "auch wenn’s wehgetan hat. Ich hatte kurz den Eindruck, der Ball wollte sich selbst feiern." Statistisch gesehen war Doetinchem leicht überlegen: 19 Torschüsse gegenüber 8 der Gäste, 52 Prozent Ballbesitz, etwas mehr gewonnene Zweikämpfe - alles Zahlen, die aber nichts darüber verraten, wie wild dieses Spiel wirklich war. Dreimal musste der Schiedsrichter Gelb zücken - Sutphen (27.), Halse (57.) und Buskirk (67.) bei den Gastgebern, sowie Breed (85.) bei den Lords. "Die Jungs wollten halt alle ein Andenken", kommentierte van der Molen trocken. Die Schlussphase war dann ein einziges Nervenflattern. Doetinchem drückte, Keese und Winchel feuerten, was das Leder hergab - aber Torwart Jelle Van Schoonhoven, offenbar ein Cousin von Faas Van Schoonhoven (Fußball ist manchmal wirklich ein Familienbetrieb), hielt alles, was auf ihn zuflog. In der 82. Minute verhinderte er mit einem Reflex gegen Keese sogar das sichere 3:2. "Ich hab einfach gehofft, dass mir keiner den Kaffee aus der Hand schlägt", witzelte der Keeper später über seine Parade. Nach dem Abpfiff stand ein 2:2, das keiner so richtig einordnen konnte. Van der Molen sprach von einem "Charakterspiel mit leichter Schieflage", während Rotterdams Coach Arie de Bruyn meinte: "Wir haben zwei Gesichter gezeigt - das eine gefiel mir, das andere war wohl noch im Bus." So blieb jedem etwas: dem FC Doetinchem die Gewissheit, dass er mit den Großen mithalten kann, den Lords die Erinnerung, dass Hochmut auch in der 1. Liga der Niederlande nichts einbringt. Und den Zuschauern? Ein Abend, an dem sie ihre Stimmen verloren, aber ihr Herz an den Fußball wiederfanden. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen sagte, während er seine Wollmütze richtete: "Wenn sie immer so spielen, hol ich mir ’ne Dauerkarte. Und Ohrstöpsel." 10.04.643987 06:50 |
Sprücheklopfer
Wir hatten viele Verletzte, aber das soll den Sieg der Freiburger in keinster Weise schmeicheln.
Andreas Brehme