La Hora
+++ Sportzeitung für Ecuador +++

Colquhoun trifft doppelt - Estudiantes Quito siegt in hitzigem Duell gegen Audaz

Ein lauer Samstagabend in Quito, 51.144 Zuschauer im Estadio Metropolitano - und wieder einmal bewies Estudiantes Quito, dass man hier nicht nur wegen der Aussicht auf die Anden kommt, sondern auch wegen des Theaters auf dem Rasen. Am 10. Spieltag der 1. Liga Ecuador besiegten die Gastgeber Sporting Audaz mit 2:1 (2:0) - ein Ergebnis, das weniger knapp klingt, als es am Ende war.

Schon nach sechs Minuten ging es los, als Ethan Colquhoun, der bullige Mittelstürmer aus Schottland, eine mustergültige Flanke von Danilo Silvestri in die Maschen drosch. "Ich hab einfach draufgehalten - und gehofft, dass der Ball nicht in den Amazonas fliegt", grinste Colquhoun später. Hoffnung brauchte er keine: Der Ball zappelte, das Stadion tobte.

Die Estudiantes spielten in den ersten 30 Minuten wie entfesselt. Trainer Oliver Bielefeld hatte seine Jungs auf Offensive programmiert - kurze Pässe, viel Bewegung, Pressing im richtigen Moment. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause diktieren können", sagte Bielefeld nach dem Abpfiff. Und das taten sie.

In der 28. Minute wieder Colquhoun. Diesmal nach Vorarbeit von Rechtsverteidiger Marcus Ulrich, der sich durch die Abwehr von Audaz dribbelte, als wäre er auf einem Kindergeburtstag mit Luftballons statt Gegenspielern. Colquhoun stand goldrichtig und schob zum 2:0 ein. Zwei Tore, zwei Vorlagen von Verteidigern - man könnte meinen, Bielefeld habe sein Team heimlich in Barcelona-Schule geschickt.

Sporting Audaz hingegen wirkte in der ersten Halbzeit wie ein Tourist ohne Stadtplan. Drei kümmerliche Torschüsse standen am Ende für sie zu Buche - einer davon in der 44. Minute, als Asier de Almeida erstmals Estudiantes-Keeper Luca Behrens prüfte. "Ich hab’s im Fernsehen schlimmer gesehen", murmelte ein Zuschauer in der Halbzeitpause.

Doch als die zweite Hälfte begann, änderte sich der Ton. Estudiantes musste ab der 54. Minute in Unterzahl spielen: Innenverteidiger Pierpaolo Francavilla sah nach wiederholtem Foulspiel erst Gelb, dann Gelb-Rot. "Ich wollte den Ball spielen - leider war der Ball gerade woanders", rechtfertigte sich Francavilla später mit schiefem Grinsen.

Diese Szene war der Wendepunkt. Audaz witterte Morgenluft, und plötzlich tauchten sie tatsächlich im gegnerischen Strafraum auf. In der 67. Minute reichte eine feine Kombination über Ingo Gonzalo, der den Ball butterweich auf den Fuß von de Almeida legte - und der Routinier ließ sich nicht zweimal bitten. Anschlusstreffer, 2:1. Das Spiel lebte wieder.

Trainer Axel Schweiss, dessen Nachname an diesem Abend Programm war, fuchtelte wild an der Seitenlinie. "Wir hatten sie am Rand, aber nicht über die Linie gedrückt", sagte er danach, schweißgebadet, aber kämpferisch. Sein Team drückte - doch mehr als ein paar harmlose Versuche von de Almeida (63., 67.) und Duran (vergeblich) sprang nicht heraus.

Estudiantes verteidigte mit allem, was Beine hatte. Mal war es Cabrero, der sich in einen Schuss warf, mal Ulrich, der lieber Gelb nahm (87.) als den Gegner laufen zu lassen. In der 89. Minute wurde auch Vitorino Yaguez von Audaz des Feldes verwiesen - diesmal glatt Rot nach einem etwas übermotivierten Tritt in Albert Oliveiras Ferse. "Er hat sich bewegt, ich nicht", knurrte Yaguez später trotzig.

Die Statistiken sprachen am Ende eine klare Sprache: 17 Torschüsse für Estudiantes, nur drei für Audaz. 52 Prozent Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen, mehr Herzblut gezeigt. Man kann sagen: Der Sieg war verdient - auch wenn die Schlussphase eher an ein Rodeo erinnerte als an gepflegten Fußball.

Nach dem Abpfiff klatschte Bielefeld seine Spieler einzeln ab. Colquhoun grinste in die Kameras, zwei Tore im Gepäck, ein Heldenstatus sicher. "Ich hab schon schlechtere Tage gehabt", witzelte er - und verschwand mit einem Eisbeutel auf dem Knie in der Kabine.

Schweiss hingegen stapfte wortlos Richtung Katakomben. Nur ein junger Fan rief ihm nach: "Kopf hoch, Mister!" Vielleicht der ehrlichste Applaus des Abends.

Und während das Stadion langsam leer wurde, hallte noch der Gesang der Estudiantes-Fans durch die Nacht. Zwei Tore, drei Karten, unzählige Emotionen - in Quito weiß man eben, wie man Fußball zelebriert.

Kurz gesagt: Estudiantes Quito gewinnt 2:1, verliert zwischendurch kurz die Fassung, aber nie den Humor. Und der Mann des Abends heißt Ethan Colquhoun - der vielleicht nicht tanzt wie ein Südamerikaner, aber trifft wie einer.

03.05.643987 06:56
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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