La Razon
+++ Sportzeitung für Argentinien +++

Ciclon San Lorenzo siegt im heißen Tanz von Rosario

Ein lauer Märzabend, ein volles Stadion, 34.229 Zuschauer und zwei Teams, die sich nichts schenken wollten: Beim 6. Spieltag der 1. Liga Argentinien lieferten sich Newells Men und Ciclon San Lorenzo ein Duell, das stellenweise mehr an einen Boxkampf als an gepflegten Fußball erinnerte - inklusive gelb-roter Karte in der Schlussphase. Am Ende jubelten die Gäste aus Buenos Aires über ein 2:1, während die Hausherren ratlos in die Nacht blickten.

Schon in den ersten Minuten war klar: Das wird kein Spaziergang. San Lorenzos Linksverteidiger Jens Breuer holte sich nach drei Minuten eine frühe Gelbe ab - ein Statement, das sinngemäß hieß: "Hier wird heute keiner einfach so durchkommen." Trainer Eiko Henke kommentierte später trocken: "Er wollte wohl gleich zeigen, dass er wach ist. Vielleicht etwas zu wach."

Die Partie wogte hin und her, beide Teams mit fast identischem Ballbesitz (Newells 50,5 Prozent zu 49,5), aber Ciclon hatte das Quäntchen Zielstrebigkeit. In der 28. Minute klingelte es erstmals: Lionel Hermenegildo, der ewige Routinier auf der rechten Seite, bediente Miguel Futre mustergültig, und der Portugiese drosch den Ball humorlos unter die Latte - 0:1. "Lionel hat mir den Ball serviert wie ein Kellner in einem Sterne-Restaurant", grinste Futre später.

Doch die Antwort kam prompt. Nur zwei Minuten später kombinierten sich die Martins-Brüder über rechts durch, Pedro legte quer, Bruno vollendete eiskalt zum 1:1. Das Stadion bebte, und ein älterer Fan auf der Haupttribüne wurde dabei gesichtet, wie er seine Mate-Tasse triumphal in die Luft reckte.

Die Euphorie hielt jedoch nicht lange. Kurz vor der Pause (43.) wieder dieselbe Melodie: Hermenegildo mit Übersicht, Fernando Costa mit dem Abschluss - 1:2, diesmal ins lange Eck. Der Jubelblock der Gäste verwandelte sich in ein Meer aus blau-roten Fahnen, während der Heimtrainer an der Seitenlinie verzweifelt auf seine Notizen starrte.

Die zweite Halbzeit begann ohne weitere Tore, aber mit reichlich Drama. Newells Men schoben an, Bruno Martins prüfte San-Lorenzo-Keeper Duarte Mingo gleich mehrfach (50., 69.), doch der behielt die Nerven. "Ich dachte, Bruno will mich hypnotisieren, so oft hat er auf mich gezielt", witzelte Mingo nach dem Spiel.

San Lorenzo verlegte sich aufs Kontern - und das gar nicht schlecht. Der junge Adriano Quaresma und Flügelspieler Matias Camacho sorgten immer wieder für Entlastung, während Futre auf links weiter wirbelte. In der 64. Minute kam dann das Debüt des Abends: Der 17-jährige Roberto Fernan ersetzte Hermenegildo, der unter Applaus vom Feld ging. "Ich habe ihm nur gesagt: Tu so, als wärst du schon 30", verriet Trainer Henke mit einem Augenzwinkern.

Newells Men warf in der Schlussphase alles nach vorne. Carvalho hatte in der 85. Minute den Ausgleich auf dem Fuß, verzog aber knapp. Und als die Gastgeber sich endgültig in den Strafraum der Gäste einnisteten, begann San Lorenzo, die Uhr mit allen bekannten Tricks runterzuspielen - inklusive Zeitlupen-Einwürfen und dezenten Diskussionen mit dem Schiedsrichter.

Dann wurde es nochmal ruppig: Alejandro Pacos kassierte Gelb (86.), und Guillermo Custodio sah nach wiederholtem Foul in der 89. Minute Gelb-Rot. "Er meinte, er habe nur ’den Ball gestreichelt’", erzählte Henke lachend. Der Ball dürfte das anders empfunden haben.

So blieb es beim knappen 2:1 für Ciclon San Lorenzo - ein Sieg, der nicht unbedingt schön, aber umso effektiver war. Mit zehn Torschüssen zu neun und einem minimal besseren Zweikampfwert (50,3 zu 49,7 Prozent) hatten die Gäste die Nase hauchdünn vorn.

Nach Abpfiff war das Stimmungsbild eindeutig: Jubel im Gästeblock, Frust bei den Hausherren. Bruno Martins stapfte wortlos vom Platz, während Torhüter Paulo Jimenez in die Katakomben murmelte: "Manchmal ist Fußball eben ein schlechter Witz mit echtem Schmerz."

Trainer Henke hingegen zeigte sich zufrieden - aber nicht ohne Ironie: "Wir haben heute gezeigt, dass man auch ohne Pressing gewinnen kann. Vielleicht nennen sie mich bald den faulsten erfolgreichen Trainer der Liga."

Und so reiste Ciclon mit drei Punkten im Gepäck zurück in die Hauptstadt, während Newells Men noch eine Weile über verpasste Chancen und schwindende Nerven grübelte. Ein Spiel mit Tempo, Emotionen und einer Prise Chaos - genau das, was die argentinische Primera so unverwechselbar macht.

Oder, wie es ein Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn das kein Drama war, dann war’s wenigstens sehenswert."

08.01.643994 09:42
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