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Chiasso wirft Rotterdam raus - mit vier Toren und viel Selbstironie

Was für ein Abend im ehrwürdigen Comunale di Chiasso: 50.187 Zuschauer sahen am Dienstag eine Mannschaft, die offenbar beschlossen hatte, Fußball mit Oper zu verwechseln - laut, dramatisch und mit einem verdienten Happy End. Der SC Chiasso fegte Feyenorth Rotterdam im Rückspiel der 2. Runde der Champions-League-Qualifikation mit 4:1 (2:1) vom Platz. Und ja, dieser Satz steht da wirklich so: Chiasso, der Schweizer Zweitligist mit dem Charme einer Bahnhofsunterführung, ist nun offiziell der Albtraum niederländischer Ballkünstler.

Trainer Heiko Vogel grinste nach dem Schlusspfiff wie ein Mann, der gerade sein eigenes Lotto-Los gezogen hat. "Ich hab der Mannschaft gesagt: Wenn wir schon rausfliegen, dann mit Feuerwerk. Nur hat’s halt niemand mehr gelöscht", lachte er - und spielte damit auf die furiose Anfangsphase an.

Bereits in der 7. Minute zündete Louis Erdmann den ersten Funken. Ein trockener Abschluss nach einem missglückten Abwehrversuch, 1:0 für Chiasso. Rotterdam wirkte überrascht, als hätte jemand das Drehbuch vertauscht. "Wir wollten eigentlich das Spiel kontrollieren", murmelte Feyenorth-Coach Jorge Gutierrez später, "aber Chiasso hatte offenbar eigene Pläne - und mehr Energie als mein Kaffee."

Die Gäste bemühten sich zwar um Struktur, besonders über den rechten Flügel mit dem agilen Connor Warrington, doch Chiasso konterte, als wäre das Lehrbuch dafür in ihrem Vereinsheim entstanden. In der 38. Minute folgte schon die nächste Szene für die Geschichtsbücher: Xabi Gallego verwandelte eine butterweiche Hereingabe von Erdmann zum 2:0. Der Jubel? Ein Mix aus Erleichterung, Ungläubigkeit und kollektivem Stimmverlust.

Doch kaum hatte sich Chiasso zu sehr selbst gefeiert, klingelte es hinten. Nur eine Minute später schlenzte Larry Shuck den Ball sehenswert in die Maschen - 2:1. Rotterdam witterte Morgenluft, das Publikum Bier.

In der Pause zeigte sich Vogel erstaunlich gelassen. "Ich hab gesagt: Jungs, spielt weiter so, nur bitte mit weniger Nervenzusammenbrüchen", erzählte er später. Und seine Elf folgte der Anweisung - auf ihre eigene, spektakuläre Weise.

Nach 56 Minuten war es Isaac Millington, der nach Vorlage des unermüdlichen Olaf Bayer eiskalt vollendete. 3:1 - und Rotterdam wirkte, als hätten sie plötzlich den falschen Bus genommen. Kurz darauf sah Innenverteidiger Guillermo Arredondo Gelb, nachdem er Millington unsanft an die Werbebande befördert hatte. "Ich wollte nur den Ball treffen", behauptete Arredondo - vermutlich den imaginären.

Dann kam der Moment, der das Stadion endgültig in ein Tollhaus verwandelte: In der 70. Minute zog Christiano Ronaldo - nein, nicht der Portugiese, sondern der Namensvetter, der mit mehr Humor als Haargel - aus zwanzig Metern ab. Der Ball schlug unhaltbar im rechten Winkel ein. 4:1. Der Kommentator auf der Pressetribüne stammelte nur: "Ronaldo trifft … für Chiasso!"

Rotterdam hatte zwar knapp mehr Ballbesitz (51 Prozent), doch was nützt Statistik, wenn man 4:1 verliert? Chiasso schoss 15-mal aufs Tor, Rotterdam nur neunmal - und das sagt eigentlich alles über den Spielverlauf.

Bitter für die Gäste: In der 64. Minute musste Warrington verletzt raus, Antonio Velasquez kam - und blickte nach Spielende so, als hätte man ihm gerade erklärt, dass es keine Rückspiele mehr gibt.

Am Ende blieb Gutierrez nur Galgenhumor: "Wir haben in der ersten Halbzeit das falsche Drehbuch gespielt und in der zweiten den falschen Film." Sein Kollege Vogel indes konterte trocken: "Ich mag Happy Ends."

Ein Wermutstropfen für Chiasso: Der junge Walther Hermann musste kurz vor Schluss verletzt vom Platz. "Nichts Schlimmes", beruhigte Vogel, "er hat sich nur vor lauter Freude am eigenen Passspiel die Wade verkrampft."

Während die Spieler nach dem Abpfiff mit den Fans tanzten (man munkelt, Gallego habe versucht, die Champions-League-Hymne zu dirigieren), saß Erdmann auf der Bank und grinste. "Wir wollten Geschichte schreiben", sagte er, "und haben sie gleich in vier Kapiteln geschrieben."

Vielleicht war’s kein taktisches Meisterwerk, aber ein Abend, an dem Fußball wieder das war, was er sein sollte: Chaos, Leidenschaft, und ein bisschen Wahnsinn. Und irgendwo in Rotterdam wird man sich noch lange fragen, wie man gegen Chiasso vier Tore kassieren konnte - und warum der Mann des Spiels "Christiano Ronaldo" hieß.

Ein kleiner Tipp: In Chiasso glaubt man inzwischen an alles. Sogar an die Champions League.

06.03.643987 09:27
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