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Chiasso wirbelt Baden aus dem Pokal - 3:0 und jede Menge Spielfreude

Manchmal fragt man sich, ob ein Pokalabend wirklich so gemütlich beginnt, wie er in den Statistiken aussieht. 47 Prozent Ballbesitz für Chiasso, 53 Prozent für Baden - klingt nach ausgeglichenem Spiel. Aber wer an diesem Montagabend im Januar im ausverkauften Stadio Comunale saß, der sah: Zahlen können lügen. Denn Chiasso spielte so offensiv, dass selbst die Eckfahnen Angst bekamen.

Trainer Heiko Vogel hatte sein Team mit der taktischen Marschroute "Offensiv, Flügel, immer drücken" auf den Platz geschickt - und die Jungs folgten. Schon in den ersten 20 Minuten flog der Ball mehrmals gefährlich durch den Strafraum der Gäste. Jamie MacDuff, sonst eher für Grätschen als für Kunstschüsse bekannt, prüfte Badens Keeper Ricardo Sousa in der 9. Minute mit einem satten Schuss. Sousa lenkte den Ball über die Latte, und das Publikum brüllte: "Endlich geht’s los!"

Und tatsächlich: In der 22. Minute passierte, was sich seit Anpfiff angekündigt hatte. Bernard Bonnaire flankte von links, und der 18-jährige Lionel Santos, der gerade erst seinen Führerschein gemacht hat, nahm das Leder volley. Der Ball zischte ins Netz - 1:0. "Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Santos später. "Coach Vogel hat gesagt: Wenn du den Ball siehst, tu was damit. Also hab ich’s getan."

Baden wirkte danach wie ein Team, das seine Busfahrpläne studiert, statt den Rückstand aufzuholen. Zwar hatte man laut Statistik sogar etwas mehr Ballbesitz, aber das war vor allem dem Rückpassspiel geschuldet. Der Ball lief - nur leider in die falsche Richtung.

Chiasso dagegen blieb bissig. In der 37. Minute zirkelte Santos - diesmal als Vorlagengeber - den Ball auf den rechten Flügel. Michel Engel, seit Wochen in bestechender Form, ließ zwei Abwehrspieler stehen und schob eiskalt zum 2:0 ein. Sousa flog vergeblich, und Engel riss jubelnd die Arme hoch. "Wir wollten zeigen, dass wir Pokal können", sagte er später lächelnd. "Und ehrlich - das war Spaßfußball heute."

Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause. Baden-Trainer, dessen Name man an diesem Abend besser verschweigt, versuchte es in der Kabine wohl mit Motivationsrhetorik. Leider blieb die Wirkung aus. Nach Wiederanpfiff kam Baden zwar mit etwas mehr Elan, aber Chiasso spielte weiter wie aufgezogen.

Dann die 55. Minute: Vogel wechselte doppelt - der erst 17-jährige Ricardo Rodriguez kam für Jack McLeod, und Walther Hermann ersetzte Santos. Kaum war Rodriguez auf dem Platz, zeigte er, warum man in Chiasso von ihm schwärmt. Nur eine Minute nach seiner Einwechslung setzte er sich auf links durch, flankte präzise in den Strafraum, wo Louis Erdmann lauerte. Der Mittelstürmer nahm den Ball direkt und hämmerte ihn unter die Latte. 3:0 - Deckel drauf.

Das Stadion tobte. 47.885 Zuschauer sprangen auf und sangen, als ginge es um ein Champions-League-Finale. Baden versuchte noch, irgendwie ins Spiel zurückzufinden, aber zwei harmlose Schüsse - einer von Jerome Beaulieu, einer von Lasse Baptiste - blieben die einzigen Lebenszeichen.

Vogel stand an der Seitenlinie, lässig die Hände in den Taschen, und grinste in sich hinein. "Ich hab gesagt: Jungs, spielt euer Spiel. Und sie haben’s getan." Auf die Frage, ob er den jungen Santos absichtlich so früh gebracht habe, antwortete er trocken: "Das war keine Absicht, das war Vertrauen. Und Vertrauen hat heute getroffen."

Kurz vor Schluss durfte der eingewechselte John Lochiel noch dreimal aufs Tor schießen - und jedes Mal rauschte der Ball nur knapp vorbei. "Ich wollte auch eins machen, aber gut, dann eben nächstes Mal", lachte er später in der Mixed Zone.

Am Ende blieb ein klarer 3:0-Sieg, 17:2 Schüsse aufs Tor, ein junges Team mit Spielfreude und ein Trainer, der seine Jungs nicht bremst, sondern fliegen lässt. Baden dagegen wirkte, als hätte man vergessen, dass Pokalspiele keinen Rückweg erlauben.

Und während die Chiasso-Spieler nach Abpfiff Arm in Arm vor der Fankurve tanzten, sagte Vogel mit einem Augenzwinkern: "Manchmal ist Fußball einfach, wenn man ihn nicht kompliziert macht."

Ein Satz, der hängen bleibt - so wie dieser Abend. Chiasso im Pokal-Achtelfinale. Und Baden? Die fahren jetzt nach Hause. Vielleicht mit dem Ballbesitz im Gepäck, aber ohne Tore.

26.05.643987 06:03
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Wenn ich natürlich bei meinen Sechs-Minuten-Einsätzen bis zur Winterpause 30 Tore schieße, werde ich vielleicht nicht gehen dürfen.
Jan-Aage Fjörtoft
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