Sport-Blick
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Chiasso fegt Lausanne vom Platz - ein 6:1 mit Ansage und Augenzwinkern

46699 Zuschauer im Stadio Comunale von Chiasso sahen ein Spektakel, das eher nach einem Trainingsspiel als nach einem Ligaduell roch. Der SC Chiasso zerlegte Lausanne-Sport am 5. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 6:1 (2:0) - und das mit einer Leichtigkeit, die selbst Trainer Heiko Vogel kurz sprachlos machte. "Ich habe den Jungs gesagt: Wenn ihr schon Flügel habt, dann fliegt - aber dass sie gleich so abheben, hätte ich nicht gedacht", grinste der Coach nach dem Schlusspfiff.

Schon in der 8. Minute begann das Unheil für die Gäste. Fernando Carvalho, der später noch mehrfach in den Mittelpunkt rücken sollte, verwertete eine feine Vorlage von Alejandro Poncela zum 1:0. Lausanne wirkte überrascht, fast so, als hätte jemand vergessen, ihnen mitzuteilen, dass das Spiel bereits begonnen hatte. Acht Minuten später hätte Carvalho beinahe nachgelegt, aber Torhüter Dylan Monroe rettete noch mit dem Fuß.

Dann, in der 28. Minute, kam der erste Doppelschlag des Abends: Isaac Millington, der Flügelblitz aus Trinidad, traf nach erneuter Vorarbeit von Poncela zum 2:0. Lausanne reagierte darauf mit einem gelben Karton für Gabriel Mortensen - offenbar die einzige Farbe, die sie an diesem Abend sahen.

"Wir wollten kompakt stehen", erklärte Gästetrainer Ronny Schmidt später. "Aber offenbar war unser Kompaktbegriff anders definiert." Tatsächlich lief Lausanne meist hinterher, während Chiasso mit 53 Prozent Ballbesitz und 17 Torschüssen nach Belieben kombinierte.

Nach der Pause ging es nahtlos weiter. Millington erhöhte in der 51. Minute auf 3:0, wieder nach Zuspiel von Poncela, dessen Füße an diesem Abend wohl glühten. Lausanne konnte kurz darauf durch Günther Breze (55.) nach Vorlage von Michel Seymour zwar den Ehrentreffer erzielen, aber das war eher ein kosmetischer Eingriff in ein Spiel, das längst entschieden war.

"Da dachte ich kurz, vielleicht wird’s nochmal spannend", sagte Chiassos Torwart Andre Abati später augenzwinkernd. "Aber meine Vorderleute wollten wohl lieber Feierabend machen - nach vorne." Und genau das taten sie: John Lochiel traf in der 64. Minute zum 4:1, ehe Carvalho in der Schlussphase noch zweimal zuschlug (83., 85.) und sich damit mit einem Hattrick beschenkte.

Einziger Wermutstropfen für Chiasso: Carvalho sah in der 61. Minute Gelb - vermutlich aus Langeweile, weil er sonst kaum gestört wurde. "Ich hab’s mir verdient, ich war zu euphorisch beim Jubeln", lachte er nach dem Spiel.

Lausanne-Sport dagegen wirkte ratlos. Nur drei Torschüsse fanden überhaupt den Weg auf Abati - mehr Symbolik als Gefahr. Ihre Offensivbemühungen waren so spärlich wie der Applaus ihrer mitgereisten Fans. "Wir haben uns an den eigenen Schatten gestellt", murmelte Stürmer Breze, der immerhin den einzigen Treffer erzielte.

Taktisch setzte Chiasso von Beginn an auf Offensivdrang über die Flügel, aggressives Anlaufen und wuchtige Abschlüsse - die Statistik "ANYTIME" beim Schussverhalten beschreibt es treffend. Lausanne versuchte es dagegen mit kontrolliertem Aufbau, aber Pressing war bei ihnen offenbar ein Fremdwort.

Das 6:1 ist nicht nur statistisch eindeutig, sondern auch psychologisch ein Statement. Chiasso spielte, als sei die Winterpause schon vorbei und die Meisterschaft ihr erklärtes Ziel. Vogel brachte es in der Pressekonferenz auf den Punkt: "Ich habe selten eine Mannschaft gesehen, die so viel Spaß hatte. Vielleicht zu viel - aber das verbuche ich als Luxusproblem."

Und während die Fans noch die Welle durch das Stadion trugen, standen die Spieler von Lausanne wie nach einer Matheprüfung da: man wusste, dass man verloren hatte, aber nicht genau, warum so deutlich.

Vielleicht, weil Chiasso an diesem Abend einfach alles richtig machte - und Lausanne alles sah, nur keinen Ball.

Ein flapsiger Reporterkommentar am Rande: Wenn Chiasso so weitermacht, sollte die Liga überlegen, ob man ihnen Flügel stutzt oder gleich eine eigene Kategorie "Offensivkunst" einführt. Bis dahin dürfen sie sich über drei Punkte, sechs Tore und ein kollektives Dauergrinsen freuen.

Endstand: SC Chiasso 6, Lausanne-Sport 1. Und wer das gesehen hat, weiß: Es war kein Zufall, sondern Fußball mit Ausrufezeichen.

06.03.643987 09:25
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