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Wenn 55.594 Zuschauer an einem frostigen Januarabend ins Stadion strömen, dann ahnt man: Da liegt was in der Luft. Und tatsächlich - der 12. Spieltag der 1. Liga Schweiz hielt Wort. SC Chiasso, sonst oft mit der Rolle des braven Außenseiters gesegnet, verwandelte sich beim 5:3 gegen SC Basel in eine rotblaue Torgala. Ein Abend voller Tempo, Emotionen und leichtem Chaos - ganz so, wie es der Fußball eben liebt. Dabei fing alles an, als wäre das Drehbuch schon geschrieben: In der 6. Minute schlenzte Lucas Ackland für Basel den Ball ins Netz, als wollte er den Heimfans eine frühe Lektion in Effizienz erteilen. "Ich wollte einfach mal draufhalten - und siehe da, manchmal klappt’s", grinste Ackland später. Doch wer glaubte, Chiasso würde sich in seinem eigenen Stadion verstecken, irrte gewaltig. Nur drei Minuten später wuchtete Isaac Millington den Ball nach Vorlage von Safi Topuz ins Eck. 1:1 - und das Spiel begann erst richtig. Basel, von Trainer Joschi Du gewohnt offensiv eingestellt, spielte weiter auf Risiko. Yannick Lardenoit traf in der 20. Minute nach feinem Doppelpass mit Alex Silfredo zur erneuten Führung. Chiasso-Trainer Heiko Vogel raufte sich die Haare, drehte sich dann aber zu seinem Assistenten und murmelte: "Na gut, dann müssen wir halt fünf schießen." Eine Prophezeiung, wie sich später zeigen sollte. Nur acht Minuten später sorgte wieder Millington für Jubel - diesmal nach klugem Zuspiel von einem, der den Namen Cristiano Ronaldo trägt (nein, nicht *der* Ronaldo, aber immerhin ein Namensvetter mit einem ähnlich selbstbewussten Torjubel). In der 37. Minute schloss Fernando Carvalho einen blitzschnellen Angriff über Ronaldo ab - plötzlich führte Chiasso mit 3:2. Der Halbzeitpfiff kam wie eine kurze Atempause in einem wilden Boxkampf. "Ich habe gesagt: Jungs, das ist kein Freundschaftsspiel, das ist ein Statement", verriet Vogel später mit einem Augenzwinkern. Basel-Coach Du hingegen wirkte da schon etwas blasser: "Wir wollten den Ball laufen lassen, aber der Ball lief eher uns davon." Nach der Pause versuchte Basel, wieder Struktur ins Spiel zu bringen. Michele Del Carretto traf in der 52. Minute - 3:3, alles offen. Die Basler hatten mehr Ballbesitz (knapp 55 Prozent), mehr Passspiel, mehr Kontrolle - aber Chiasso hatte mehr Punch. Und einen Ronaldo, der sich in der 62. Minute einfach dachte: Warum nicht selbst? Sein Schuss aus 20 Metern schlug unhaltbar ein. 4:3 - das Stadion bebte. Basel reagierte hektisch, stellte auf noch offensiver um, doch Chiasso blieb kaltschnäuzig. In der 71. Minute krönte Kyriakos Galitsios nach Vorarbeit von Louis Erdmann den Abend mit dem 5:3. Der Rest war Jubel, Kampf, ein bisschen Gelb (Per Hogmo sah sie für ein rustikales Einsteigen in der 43. Minute, Yves Doucet später für Basel in der 83.), und das Gefühl, dass man Zeuge eines denkwürdigen Spiels geworden war. Statistisch betrachtet war’s fast ein Wunder: 10:9 Torschüsse für Chiasso, aber deutlich weniger Ballbesitz. Doch wer braucht schon Zahlen, wenn man Tore hat? "Wir haben vielleicht weniger den Ball gehabt", scherzte Ronaldo, "aber wir wussten, was wir damit anfangen, wenn er mal vorbeikam." Und Basel? Kämpferisch, engagiert, aber defensiv wacklig. Del Carretto mühte sich, Lardenoit rannte, doch am Ende blieb nur Frust. "Wir haben uns selbst geschlagen", knurrte Du und verschwand in der Kabine, während Vogel draußen noch Autogramme schrieb - auf Bierdeckel, Eintrittskarten und, ja, sogar auf einen Schuh. Ein 5:3, das in Chiasso wohl noch lange erzählt wird. Ein Abend, an dem ein Ronaldo, ein Millington und ein Galitsios Geschichte schrieben - und Basel nur hinterherlief. Oder wie es ein Fan beim Rausgehen formulierte: "Wenn das so weitergeht, müssen wir uns bald an Torfestivals gewöhnen. Und ich hab nur ein kleines Herz!" So klingt Fußball, wenn er Spaß macht - laut, wild, unberechenbar. Chiasso lacht, Basel staunt, und die Liga hat ein neues Gesprächsthema. Ein Spiel wie ein Rockkonzert: laut, schräg, aber unvergesslich. 26.05.643987 10:52 |
Sprücheklopfer
Freundschaften zählen für mich sehr, aber nicht in diesem Geschäft. Ich habe Jürgen Gelsdorf vor die Tür gesetzt, der war sogar mein Trauzeuge.
Rainer Calmund