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Wenn 31 833 Zuschauer an einem lauen Januarabend in Santa Fe ins Stadion pilgern, dann wollen sie Tore sehen - und sie bekamen sie. Acht Stück, um genau zu sein. CD Colón besiegte den FC Tucumán mit 5:3, in einem Spiel, das eher nach Beachsoccer als nach argentinischer Disziplin klang. Trainer Sandro Felipe grinste nach Abpfiff verschmitzt: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen Spaß haben - aber das hier war ja fast Karneval." Schon in den ersten Minuten wehte ein frischer Offensivwind durchs Stadion. Xabier Dieguez, der rechte Wirbelwind Colóns, prüfte den gegnerischen Keeper mehrfach, bevor er in der 21. Minute endlich die Geduld verlor und nach feinem Zuspiel von Samuel Hardin trocken ins lange Eck traf. "Ich hab einfach draufgehalten", meinte Dieguez später, "und gehofft, dass der Ball den Weg findet. Heute hat er öfter gefunden." Fünf Minuten später folgte der nächste Jubel: Rechtsverteidiger Matías Hernán, sonst eher fürs Grätschen bekannt, tauchte plötzlich im Strafraum auf und schob nach Vorarbeit von Mateo Travassos ein - 2:0. Tucumán-Coach Justin Moller raufte sich die Haare und brüllte Richtung Spielfeld: "Kann mir jemand erklären, warum euer Außenverteidiger da vorne steht?" Antwort kam keine - nur das Pfeifen des Schiedsrichters zur Halbzeit. Colón führte zur Pause verdient, hatte 55 % Ballbesitz und 24 Abschlüsse (Tucumán kam auf 12). Doch wer dachte, die Partie sei entschieden, wurde in der zweiten Hälfte eines Besseren belehrt. Direkt nach Wiederanpfiff erhöhte Joséba Muñoz, wieder nach Vorlage von Travassos, auf 3:0. Die Fans sangen schon Siegeshymnen - zu früh. Denn plötzlich drehte Tucumán auf. Lucas Fraser wurde in der 52. Minute von Matteo Martino mustergültig bedient und traf zum 3:1. Nur vier Minuten später erzielte Ramón Zaera nach Pass von Patrik Krüger das 3:2, und als Bradley Gayheart in der 59. Minute den Ausgleich markierte, tobten selbst die Heimfans - aus blankem Unglauben. "Ich dachte, wir spielen gegen Barça", knurrte Colón-Torhüter Jordi Adao später. "Drei Schüsse, drei Tore - das war absurd." Doch Colón reagierte mit Wut im Bauch. Wieder war es Dieguez, der in der 65. Minute nach feinem Zuspiel von Sergio Herrera zum 4:3 traf. Zwei Minuten später machte Ivan Sa Pint mit einem wuchtigen Abschluss aus kurzer Distanz den Deckel drauf - 5:3. Tucumán versuchte danach noch, mit frischen Kräften (Gallego und der 18-jährige Montalban kamen rein) etwas zu reißen, aber der Tank war leer. Die Schlussphase brachte vor allem Gelb und Rot: Gerrit Van Zandt, Colóns Abwehrchef mit niederländischem Gemüt, sah erst Gelb (71.) und dann Gelb-Rot (80.). "Ich wollte nur den Ball treffen", behauptete er, "leider war der Ball ein Fuß." Trainer Felipe kommentierte trocken: "Gerrit wollte wohl früher unter die Dusche - er hat’s geschafft." Trotz Unterzahl blieb Colón gefährlich, während Tucumán zwar weiter anlief, aber den Punch verlor. Moller stand an der Seitenlinie und sah aus, als wolle er sich selbst einwechseln. "Wir haben uns nach dem 3:3 zu sicher gefühlt", gab er später zu. "Und Colón hat uns dafür bestraft - eiskalt, wie ein Mate-Tee im Kühlschrank." Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 54,9 % Ballbesitz für Colón, 24 Torschüsse zu 12, eine Zweikampfquote von gut 53 %. Es war kein perfektes Spiel - aber ein herrlich chaotisches. "So ein Abend erinnert dich daran, warum du Fußball liebst", sagte Matchwinner Dieguez, der mit zwei Toren und einer Vorlage glänzte. Und tatsächlich: Wer dieses Spektakel gesehen hat, fragt sich nicht nach taktischer Balance oder Pressingphasen. Man fragt sich nur, ob Colón künftig Eintritt fürs Feuerwerk verlangt. Oder wie es ein Fan beim Rausgehen formulierte: "Wenn wir jedes Spiel so spielen, brauch ich kein Kino mehr." Ein Fazit, das selbst Trainer Felipe mit einem Augenzwinkern unterschreiben würde. 01.01.643988 08:15 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer