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Carvalho trifft, Chiasso tanzt - Genf verzweifelt am eigenen Anspruch

54623 Zuschauer im Stadio Comunale di Chiasso sahen am Dienstagabend ein Fußballspiel, das auf dem Papier knapp, auf dem Rasen aber erstaunlich deutlich war: Der SC Chiasso besiegte den FC Genf mit 1:0 - ein Ergebnis, das nüchtern klingt, aber in seiner Entstehung jede Menge Drama, Emotion und eine Prise Ironie enthielt.

Trainer Heiko Vogel hatte seine Chiassesi gewohnt offensiv eingestellt. Schon in den ersten Minuten rollten die Angriffe über die Flügel - mal links mit dem unermüdlichen Safi Topuz, mal rechts über Isaac Millington. Der FC Genf, von Pascal Meyer taktisch ebenfalls offensiv ausgerichtet, versuchte seinerseits, mit kurzen Pässen durch die Mitte zum Erfolg zu kommen. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Meyer später mit einem Gesichtsausdruck, der eher nach Migräne als nach Kontrolle aussah.

Die erste Halbzeit war eine Lehrstunde in Sachen "knapp daneben ist auch vorbei". Beide Teams feuerten fleißig aufs Tor, aber entweder fehlte die Präzision oder Chiassos Keeper Joseph Bridges hatte seine Fangarme überall. In der 22. Minute prüfte Louis Erdmann den Genfer Schlussmann Javier Esteve mit einem strammen Schuss, den dieser mit der Schulter parierte - eine Szene, die mehr nach Rugby als nach Fußball aussah. "Ich hab ihn da einfach gespürt", grinste Esteve später und zeigte lachend auf die blaue Stelle.

Genf hatte seine besten Momente zwischen der 8. und 17. Minute, als Hugo Pauleta und Enrique Delgado gleich mehrfach gefährlich wurden. Doch Chiassos Abwehrchef Bruno Runge räumte kompromisslos ab. "Wenn’s brennt, hau ich das Ding halt auf die Autobahn", meinte er trocken.

Nach torloser erster Hälfte wechselte Vogel zur Pause: Der gelbverwarnte Olaf Bayer machte Platz für Alejandro Poncela - eine Entscheidung, die sich wenig später auszahlen sollte. In der 49. Minute kombinierte sich Chiasso über rechts nach vorne, Poncela flankte präzise in den Strafraum, und Fernando Carvalho vollendete mit einem wuchtigen Schuss ins linke Eck. Es war sein dritter Versuch innerhalb von zwölf Minuten - und endlich passte alles. 1:0, und das Stadion explodierte.

"Ich hab nur gedacht: Wenn der jetzt wieder rübergeht, fang ich an zu beten", scherzte Carvalho nach dem Spiel. Vogel dagegen blieb sachlich: "Wir wussten, dass Fernando irgendwann trifft. Es war eine Frage der Geduld - und vielleicht des richtigen Schuhs."

Genf versuchte danach alles, um den Rückstand auszugleichen. Trainer Meyer brachte in der 57. Minute doppelt frischen Wind: Rene Reuter und Robert Perlman kamen, Berryer und Hirsch mussten runter. Doch trotz mehr Ballbesitz (am Ende 48 Prozent) blieb das Angriffsspiel zahnlos. Ein Kopfball von James Wiltshire in der 63. Minute war die letzte echte Gefahr für Chiasso.

Während Meyer an der Seitenlinie wild gestikulierte, blieb Vogel stoisch. Nur einmal, als Carvalho in der 75. Minute ausgewechselt wurde und unter stehenden Ovationen den Platz verließ, lächelte der Trainer still - eine Szene, die fast rührend war. "Er darf das nächste Mal trotzdem wieder ran", zwinkerte Vogel später.

Statistisch war Chiasso stärker: 12 Torschüsse gegenüber 7 der Gäste, 52 Prozent Ballbesitz und eine Zweikampfquote von über 52 Prozent. Das liest sich wie ein knappes Duell, fühlte sich aber an wie ein souveräner Arbeitssieg. Chiasso spielte zielstrebiger, mutiger, mit mehr Herz. Genf dagegen wirkte, als hätte man den Matchplan in der Kabine vergessen.

Nach dem Schlusspfiff fasste Genfs Kapitän Rene LaClaire das Dilemma seines Teams zusammen: "Wir spielen gut bis zum Sechzehner - und dann scheint jemand den Strom abzuschalten."

So blieb es beim 1:0 für Chiasso, das mehr als verdient war. Die Fans feierten, die Spieler jubelten, und irgendwo in der Nacht von Chiasso konnte man Trainer Vogel lachen hören - oder war es ein erleichtertes Aufatmen?

Ein augenzwinkerndes Fazit: Wer 51,9 Prozent Ballbesitz hat, braucht eben nur ein Tor, um glücklich zu sein. Und wer wie Genf 48 Prozent Ballbesitz, aber null Tore hat, braucht vermutlich bald eine neue Idee - oder wenigstens einen Stürmer, der weiß, dass man Tore nicht nur schön vorbereiten, sondern auch machen muss.

27.08.643987 00:55
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