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Rom, Stadio Olimpico, 44.669 Zuschauer - und ein kollektives Raunen, das schon in der ersten Minute durch die altehrwürdigen Ränge rollte. Aleandro Caputo, gerade einmal 20 Jahre jung, brauchte keine Aufwärmzeit, um die Römer Defensive in den Winterschlaf zu schicken. Nach einem blitzschnellen Konter über den flinken Marnix Rutgers stand der Ball bereits nach 60 Sekunden im Netz. "Ich dachte, ich träume", grinste Caputo später, "aber dann sah ich die Gesichter der Römer - und wusste, das war echt." Der Abend begann für den AS Rom damit, wie er für ein Heimteam nicht beginnen sollte: mit einem Rückstand und jeder Menge Fragen an die eigene Abwehr. Trainer An Sp stand an der Seitenlinie, die Hände tief in den Taschen, und murmelte etwas, das wohl besser nicht im Familienprogramm zitiert werden sollte. Seine Mannschaft hatte zwar mehr Ballbesitz (fast 55 Prozent) und wollte das Spiel kontrollieren, aber Rimini lauerte auf jede Unachtsamkeit - und bekam sie reichlich serviert. In der 24. Minute war es wieder dieser Caputo, diesmal ohne Assist, aber mit umso mehr Entschlossenheit. Ein schneller Doppelpass mit dem rechten Flügelspieler Tripodi, ein Haken, ein Schuss - und wieder zappelte das Netz hinter Keeper Santoro. 0:2. Der Gästeblock tobte, die Römer Kurve wurde still. "Wir haben uns vorgenommen, mutig zu sein", erklärte Riminis Coach Fritz Fasching nach dem Spiel. "Und wenn du junge Spieler hast, die nicht wissen, dass sie Angst haben könnten - dann kann so etwas passieren." Rom versuchte, sich aufzubäumen. Christian Testa prüfte Riminis Torwart Pedivigliano mit einem Distanzschuss (19.), Fabrizio Basile drosch kurz darauf einen Freistoß in die Mauer und sah Gelb, als er sich anschließend beim Schiedsrichter über die Entfernung beschwerte (37.). Es lief einfach nichts zusammen. "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore", sagte Roms Mittelfeldmotor Eduardo Alcantara sarkastisch - und traf damit den Nagel auf den Kopf. Zur Pause stand es 0:2, und die Gesichter in Gelb-Rot wirkten, als hätte man ihnen gerade erzählt, der Espresso in der Kabine sei ausgegangen. An Sp reagierte nicht mit taktischen Finessen, sondern mit einem Satz, den man bis auf die Pressetribüne hören konnte: "Mehr laufen! Und wenn’s weh tut, lauft weiter!" Die zweite Halbzeit begann, wie die erste aufgehört hatte - mit Rimini, das clever verteidigte und gefährlich konterte. Doch dann, in der 58. Minute, endlich ein römischer Lichtblick: Aldo Grassi, der schon zuvor auffälligster Offensivmann war, traf nach einer butterweichen Flanke von Alcantara zum 1:2-Anschluss. Das Stadion erwachte, die Tribünen schrien die Mannschaft nach vorne, und plötzlich glaubte man wieder an das Wunder. Grassi selbst blieb bescheiden: "Ich hab einfach den Fuß hingehalten. Endlich mal." Doch trotz wütender Angriffe, vier weiterer Torschüsse und viel Ballbesitz blieb es beim einen Treffer. Rimini verteidigte mit jugendlicher Entschlossenheit und der Kaltschnäuzigkeit eines alten Hasen. Selbst der 17-jährige Edoardo Piras, frisch eingewechselt, zeigte keine Nerven und prüfte in der Nachspielzeit noch einmal den römischen Schlussmann. Zur Dramatik trug auch ein unglücklicher Moment bei: Caputo, der doppelte Torschütze, musste in der 38. Minute verletzt ausgewechselt werden. "Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes", sagte er später mit Eisbeutel am Knie. "Aber wenn’s sein muss, schieße ich auch auf Krücken noch Tore." Am Ende stand ein 1:2 auf der Anzeigetafel, das so gar nicht nach den Zahlen aussah. 12:7 Torschüsse für Rimini, ja, aber 55 Prozent Ballbesitz für Rom, mehr Pässe, mehr Kontrolle - nur eben weniger Effizienz. Trainer An Sp fasste es trocken zusammen: "Wir haben gespielt wie ein Orchester ohne Dirigent. Schön, aber ohne Melodie." Rimini dagegen feierte den ersten Auswärtssieg in Rom seit Menschengedenken, und Coach Fasching grinste in die Kameras: "Vielleicht sollten wir öfter so früh treffen - dann können wir den Rest des Spiels genießen." Und während die Römer Fans kopfschüttelnd das Stadion verließen, sangen die Riminesi im Gästeblock ihre Freude in die kalte Januarnacht hinaus. Ein Abend, der zeigte: manchmal braucht es keine großen Namen, sondern nur Mut, Tempo - und einen jungen Stürmer, der keine Angst vor der großen Bühne hat. Kurz gesagt: Caputo kam, sah und traf. Rom dagegen? Kam, sah - und schaute zu. 21.07.643987 20:25 |
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