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Es war einer dieser Abende, an denen die Luft im Stadion knistert, das Meer hinter der Kurve rauscht und 59.000 Kehlen ein einziges Ziel haben: Geschichte schreiben. AS Rimini tat genau das - sie warfen den großen SC Sevilla mit 3:2 (2:0) aus der Champions League und tanzten danach auf dem Rasen, als gäbe es kein Morgen. Aleandro Caputo, 20 Jahre jung, drei Tore - das allein wäre schon eine Schlagzeile wert. Doch die Art, wie der Stürmer aus der Jugend der Romagna aufspielte, ließ selbst die spanischen Journalisten auf der Tribüne kurz das Lächeln verlieren. Bereits in der 5. Minute schob er den Ball nach einer missglückten Abwehr Sevilas eiskalt ins lange Eck. "Ich hab einfach nur draufgehalten", grinste Caputo später. "Vielleicht war’s Glück - aber vielleicht bin ich auch einfach gut drauf." Nur sieben Minuten später schnürte er den Doppelpack - diesmal nach feinem Zuspiel von Arnau Villar, dem alten Strategen auf der linken Seite. Villar, 33, wischte sich beim Jubel den Schweiß von der Stirn und sagte leise zu seinem jungen Kollegen: "Wenn du so weitermachst, holst du uns noch nach Wembley." Caputo grinste - und machte genau so weiter. Sevilla, von Trainer Peter Müller offensiv eingestellt, wirkte in der ersten Halbzeit wie ein Tourist, der das italienische Abendlicht bewundert, während ihm der Bus davonfährt. Sie hatten zwar fast gleich viel Ballbesitz (49,9 Prozent, um es genau zu sagen), doch es fehlte an Biss und Präzision. Rimini dagegen stand kompakt, lauerte auf Konter und ließ das Publikum träumen. "Wir wollten sie früh stören - also haben wir’s gelassen", witzelte Riminis Trainer Fritz Fasching später. "Im Ernst: Wir haben den Ball laufen lassen, und Caputo hat ihn laufen lassen - ins Tor." Fasching hatte seine Elf mutig offensiv ausgerichtet, aber mit erstaunlich wenig Aggressivität. Vielleicht gerade deshalb fanden die Spanier nie den Rhythmus. Nach dem Seitenwechsel änderte sich das Bild. Sevilla kam aus der Kabine, als hätte Müller ihnen eine halbe Flasche Espresso eingeflößt. Alexandros Mantzios traf in der 64. Minute nach klugem Zuspiel von Alfie Latham zum 2:1, und plötzlich roch alles nach einer spanischen Aufholjagd. Rimini wankte, das Publikum pfiff, und Torhüter Alex Manu rief seinen Vorderleuten zu: "Nur keine Panik, Jungs - ich hab die Sonne im Rücken!" Doch die Sonne blendete offenbar eher seine Abwehr. Nur sechs Minuten später köpfte Innenverteidiger Matias Quiles eine Flanke von Bruno Marco zum 2:2 ein. Der Gästeblock tobte, Müller ballte die Faust - und Fasching trat gegen eine Wasserflasche, die prompt den Linienrichter traf. "Ich wollte eigentlich nur die Spannung rauslassen", entschuldigte er sich später mit einem Grinsen. Dann kam die 78. Minute. Rimini wirkte müde, Sevilla drängte. Doch ein Angriff über links brachte die Erlösung: Verteidiger Timm Kramer marschierte die Linie entlang, flankte halbhoch in den Strafraum - und wer stand da? Natürlich Caputo. Volley, trocken, unhaltbar. 3:2. Das Stadion explodierte. "Ich hab den Ball kaum gesehen", gestand Caputo später. "Aber ich hab gespürt, dass er reingeht." Trainer Fasching fiel ihm um den Hals, und irgendwo auf der Tribüne weinte ein alter Rimini-Fan, der nach 40 Jahren Vereinsleid plötzlich wieder an Wunder glaubte. Sevilla versuchte noch, das Wunder zu verhindern - mit acht Torschüssen insgesamt, fast gleichauf mit Riminis neun. Doch der Ausgleich wollte nicht mehr fallen. Stattdessen hörte man Müller nach Schlusspfiff bitter sagen: "Wir haben das Spiel in den ersten zwölf Minuten verloren. Danach war’s nur noch Mathematik." Die Statistik bestätigte ihn: ausgeglichenes Spiel, identischer Einsatz, kaum Fouls - aber eben ein Caputo, der den Unterschied machte. Der junge Italiener wurde von den Fans gefeiert wie ein Rockstar, während er in die Kamera rief: "Mama, ich komm später heim!" Und so endete dieser Abend in Rimini mit einem Lächeln, das weit über die Adria hinausstrahlte. Sevilla verabschiedete sich erhobenen Hauptes, Rimini feierte bis tief in die Nacht. "Wir sind keine Träumer", sagte Trainer Fasching zum Schluss, "aber heute durften wir mal einer sein." Ein bisschen Pathos darf sein - schließlich schreibt man solche Geschichten nicht alle Tage. 07.09.643987 11:42 |
Sprücheklopfer
Das ist Wahnsinn! Da gibt's Spieler im Team, die laufen noch weniger als ich!
Toni Polster nach einer Niederlage