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Ein kalter Januarabend in Bursa, Flutlicht, 35.437 Zuschauer und ein Spiel, das man so nicht hätte schreiben können - außer man heißt Fußballgott. Bursaspor besiegt Antaliaspor mit 2:1 (0:0), obwohl die Gäste über weite Strecken das aktivere Team waren. Und doch jubelte am Ende das Team von Trainer Ümit Dogan - dank eines Last-Minute-Treffers, der das Timsah-Arena in ein Tollhaus verwandelte. Die erste Halbzeit war, sagen wir es höflich, ein Lehrstück in geduldiger Defensive. Antaliaspor, von Trainer Volker Kraft mit einer offensiven Ausrichtung auf den Rasen geschickt, sammelte Torschüsse wie andere Leute Briefmarken - allein 14 an der Zahl, neun davon von Bursaspor. Doch was nützen Statistiken, wenn der Ball nicht ins Netz will? Schon in der zweiten Minute donnerte Ediz Önüt den Ball Richtung Tor, aber Bursaspor-Keeper Pantelis Nikolopoulos hatte offenbar beschlossen, an diesem Abend ein wenig griechische Tragödie zu vermeiden. "Ich habe ihn einfach angeschaut, und der Ball hatte Angst", witzelte der Torwart nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. Die Zuschauer sahen bis zur Pause einen Schlagabtausch ohne Treffer, aber mit reichlich Emotionen. Besonders Mert Bikmaz, der Linksverteidiger der Heimmannschaft, brachte in der 8. Minute mit einer gelben Karte etwas Farbe ins Spiel. "Tja, er hat eben eine Vorliebe für gelbe Accessoires", spottete ein Fan auf der Tribüne. Nach dem Seitenwechsel explodierte die Partie förmlich. In der 53. Minute war es soweit: Antaliaspors Ediz Önüt krönte seine starke Leistung mit dem 0:1. Nach Pass von Noe Santos schlenzte er den Ball unhaltbar ins rechte Eck - und rannte jubelnd zur Eckfahne, als wollte er Bursa persönlich erobern. Doch die Freude währte nur kurz. Zwei Minuten später antwortete Bursaspor postwendend. Nestor Gonzalo, 34 Jahre jung und offenbar mit der Lunge eines Marathonläufers ausgestattet, zog aus 20 Metern ab - Ausgleich! Der Ball, leicht abgefälscht, zappelte im Netz, und plötzlich war das Stadion wieder da. Gonzalo riss die Arme hoch, und Trainer Ümit Dogan schüttelte lachend den Kopf: "Ich wollte eigentlich, dass er den Ball passt. Zum Glück hört er nie auf mich." Danach entwickelte sich ein offener Schlagabtausch. Antaliaspor blieb gefährlich, hatte durch den jungen Ediz Ercan (18) gleich mehrfach den Sieg auf dem Fuß, aber das Tor blieb vernagelt. In der 88. Minute dann der Schockmoment: Noe Santos, Vorlagengeber beim Führungstor, blieb nach einem Zweikampf liegen - verletzt raus, Trage statt Trophäe. Trainer Kraft verzog das Gesicht: "So ist Fußball. Mal trifft man, mal wird man getroffen." Und dann kam die Nachspielzeit. 91. Minute, Flanke von Paul Ottosen, in der Mitte Robert Weise - und der haut das Ding einfach rein. 2:1! Die Bursaspor-Bank stürmte das Feld, während Antaliaspor-Spieler ungläubig Richtung Anzeigetafel starrten. "Ich dachte, der Schiri pfeift gleich ab", gestand Weise später. "Aber Paul hat mich gesehen, und ich musste nur noch den Fuß hinhalten." - "Nur noch", genau. In solchen Momenten sieht Fußball eben so einfach aus wie ein Sonntagsspaziergang, riecht aber nach Schweiß und Herzblut. Statistisch gesehen war Antaliaspor das aktivere Team: 14 Torschüsse, 44 Prozent Ballbesitz, solide Zweikampfquote. Doch Bursaspor hatte das, was keine Statistik misst - den unerschütterlichen Glauben an das späte Glück. Trainer Dogan bilanzierte trocken: "Wir hatten heute das letzte Wort. Und das war ein schönes." Volker Kraft hingegen wirkte gefasst. "Wir haben gut gespielt, aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Heute hat das Glück die grüne Vereinsfarbe getragen." Als die Flutlichter langsam erloschen und die Fans noch immer Lieder sangen, stand fest: Bursaspor hatte ein Spiel gewonnen, das sie genauso gut hätten verlieren können. Aber wer fragt danach schon morgen? Drei Punkte sind drei Punkte - und ein Sieg in der 91. Minute schmeckt immer doppelt süß. Vielleicht sollte man in Bursa künftig das Stadiontor erst fünf Minuten nach Abpfiff schließen. Denn hier, so scheint es, passieren die besten Dinge immer ganz am Ende. 17.06.643987 07:28 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer