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Es war ein nasskalter Abend im Ewood Park, aber die 12.500 Zuschauer wurden zumindest mit einem lehrreichen Beispiel dafür entschädigt, wie man ein Auswärtsspiel kontrolliert. Burnley Clarets siegten am 21. Spieltag der 2. Liga England mit 2:0 bei den Ewood Rovers - ein Ergebnis, das so nüchtern klingt wie das Spiel der Hausherren war. Dabei fing alles gar nicht so schlecht an. Schon in der 6. Minute prüfte Ewoods junger Angreifer Joel Ward den 18-jährigen Burnley-Keeper Bradley Gage mit einem satten Schuss aus der Drehung. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Gage später, "aber dann kam er direkt auf mich zu - willkommen im Männerfußball." Nach acht Minuten meldete sich Burnleys Evan Patton zurück - ein Name, den die Rovers-Abwehr später noch öfter hören sollte. Patton war es auch, der in der 41. Minute die Partie entschied - oder zumindest in die richtige Richtung lenkte. Nach einem blitzsauberen Zuspiel von David Blanchard schob der 26-Jährige überlegt ins lange Eck ein. 0:1 - und man spürte, wie die Rovers kurzzeitig den Glauben an die Schwerkraft verloren. Trainer Christopher Sonne brüllte von der Seitenlinie: "Bleibt wach! Das ist kein Trainingsspiel!" Leider hörte ihn wohl niemand. Zur Halbzeit schien Sonne noch an eine Wende zu glauben. "Wir hatten genug Chancen", meinte er später. Acht Torschüsse waren es insgesamt, was auf dem Papier ordentlich aussieht - in Wirklichkeit aber eher nach Verzweiflungskunst aussah. Burnley dagegen war mit 16 Schüssen deutlich zielstrebiger und hatte mit 56 Prozent Ballbesitz klar die Kontrolle. Nach der Pause wurde es für die Rovers nicht besser. Im Gegenteil: In der 65. Minute tauchte ausgerechnet Burnleys Innenverteidiger Jamie Neville im gegnerischen Strafraum auf. Nach einer Ecke von Guillaume Leblanc stieg der 18-Jährige höher als alle anderen und köpfte zum 2:0 ein. "Ich wusste gar nicht, dass ich so springen kann", sagte Neville später lachend. "Normalerweise bin ich der, der hinten die Kopfbälle abräumt." Damit war das Spiel im Grunde gelaufen. Und als Ewoods Mittelfeldmann Robert Hawn in der 75. Minute nach einem übermotivierten Einsteigen glatt Rot sah, war endgültig die Luft raus. "Er wollte das Spiel beleben", kommentierte Sonne trocken, "hat’s aber etwas wörtlich genommen." Die letzten 15 Minuten plätscherten dahin, Burnley verwaltete das Resultat mit britischer Kühle. Die beiden gelben Karten für die jungen Verteidiger Jamie Neville (71.) und Billy Haddington (72.) wirkten wie kleine Flecken auf einem ansonsten sauberen Auswärtssieg. Trainer Jan Reckert zeigte sich nach der Partie entsprechend zufrieden: "Wir waren heute reifer, ruhiger, abgeklärter. Und ja, manchmal hilft es, wenn man 18 ist und noch keine Angst kennt." Ewood dagegen wirkte ratlos. Joel Ward, der engagiert, aber glücklos blieb, meinte: "Ich hatte zwei, drei gute Szenen - aber der Ball wollte einfach nicht rein. Vielleicht war das Tornetz beleidigt." Seine Mitspieler nickten stumm, während der Regen weiter auf die Tribünen trommelte. Statistisch gesehen war alles klar: 56 Prozent Ballbesitz für die Clarets, 16 zu 8 Torschüsse, und eine Zweikampfquote von 54 zu 46 Prozent. Wer so spielt, darf sich ruhig über drei Punkte freuen. Und die Fans? Die Rovers-Anhänger honorierten den Einsatz ihres Teams mit höflichem Applaus - englische Höflichkeit eben. Ein älterer Zuschauer brachte es beim Verlassen des Stadions auf den Punkt: "Früher haben wir Burnley gehasst. Heute beneide ich sie ein bisschen." Trainer Sonne verabschiedete sich mit den Worten: "Wir werden das analysieren. Irgendwo zwischen Minute 41 und 65 ist uns der Stecker gezogen worden." Und während er in der Mixed Zone noch überlegte, ob er lieber auf die Schiedsrichter oder den Platz zuständig schimpfen soll, standen die jungen Clarets schon lachend im Bus - drei Punkte reicher, ein bisschen selbstbewusster, und mit dem Gefühl, dass dieser Abend vielleicht der Beginn von etwas Größerem war. Fazit: Burnley war clever, Ewood war bemüht, und am Ende siegte die Mannschaft, die einfach mehr wollte - oder schlicht weniger Fehler machte. Wer’s positiv sehen will, nennt das Lehrgeld. Wer’s realistisch sieht, nennt es: ein verdienter Auswärtssieg. 28.01.643991 03:05 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic