// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
An einem windigen Mittwochabend in Burnley, als der Rasen mehr Flugstunden hatte als der Ball, trennten sich die Burnley Clarets und die Liverpool Reds mit einem 2:2-Unentschieden. 39.085 Zuschauer sahen ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Emotionen und gelegentlich auch Fußball. Trainer Jan Reckert von Burnley stand bereits beim Anstoß mit verschränkten Armen an der Seitenlinie - ein Mann, der wusste, dass seine Mannschaft mehr Ballbesitz (am Ende stolze 56 Prozent) haben würde, als ihr gut tat. Sein Gegenüber, Heiner Schneider von den Reds, grinste nur und rief seinem Team zu: "Spielt’s einfach nach vorne, Jungs, das ist kein Schachturnier!" Und es dauerte nicht lange, bis die Partie Fahrt aufnahm. Nach 17 Minuten schoss Muti Terim Burnley in Führung. Ein herrlicher Schlenzer aus der zweiten Reihe, vorbereitet von Adrian Espinosa. "Ich hab einfach draufgehalten, weil ich keine Lust mehr auf Querpässe hatte", sagte Terim später lachend. Das Stadion tobte, und die Fans begannen bereits, vom großen Coup zu träumen. Doch Liverpool reagierte, wie Liverpool eben reagiert: schnell und kompromisslos. Nur fünf Minuten später war es Adam Henderson, der nach einem kraftvollen Solo den Ausgleich erzielte (22.). Der Stürmer sagte danach trocken: "Ich dachte, ich mach’s kurz, bevor der Trainer wieder schreit, ich soll passen." Burnley wirkte kurz geschockt, und kaum hatte sich die Mannschaft sortiert, klingelte es erneut: Lewis Valentine traf in der 33. Minute nach Vorlage von Innenverteidiger Oliver Beecroft - ein kurioser Angriff, bei dem Burnleys Abwehr kollektiv die Kaffeepause einzulegen schien. "Da standen wir wie bei einer Schulaufführung", knurrte Trainer Reckert später. "Jeder wusste, was er tun sollte, aber keiner hat’s gemacht." Mit 1:2 ging es in die Pause, und die Reds wirkten, als wollten sie das Spiel frühzeitig entscheiden. Doch Burnley kam mit jugendlichem Trotz zurück. In der 54. Minute war es der erst 18-jährige Christopher Cort, der nach einem feinen Pass von Laurent Saint-Pierre zum 2:2 traf. Ein Tor, das so sauber herausgespielt war, dass selbst die Liverpool-Bank kurz applaudierte. "Ich hab mir einfach vorgestellt, ich wäre im Training", grinste Cort nach dem Spiel. "Da treffe ich nämlich auch manchmal." Liverpool blieb danach das gefährlichere Team - 13 Torschüsse insgesamt, Burnley brachte es auf neun -, doch die Clarets verteidigten mit Leidenschaft und gelegentlicher Verzweiflung. Innenverteidiger Jamie Neville (17 Jahre!) rief einmal quer über den Platz: "Ich hab ihn!" - Sekunden bevor ihm der Ball durch die Beine rutschte. Zum Glück rettete Torwart Vincent Landseer in höchster Not. Die Schlussphase hatte dann etwas von einem Boxkampf: Liverpool drückte, Burnley stolperte, aber keiner fiel. Alain Astruc und Lewis Valentine vergaben beste Chancen, während Burnleys Edward Hensley in der 90. Minute noch Gelb sah - vermutlich, weil er das Zeitspiel etwas zu theatralisch betrieb. "Ich wollte doch nur den Ball suchen", rechtfertigte er sich später mit einem unschuldigen Lächeln. Nach dem Abpfiff war Reckert erstaunlich gelassen. "Ein Punkt gegen Liverpool - das ist für uns wie ein Feiertag. Und keiner verletzt, keiner verhaftet, das ist doch was." Heiner Schneider dagegen schnaubte: "Wir hätten das dritte Tor machen müssen. Aber gut, meine Jungs wollten wohl den Bus nicht verpassen." Taktisch gesehen blieb Burnley seiner Linie treu - ausgewogen, kontrolliert, mit kurzen Pässen und ohne viel Pressing. Liverpool dagegen spielte offensiv, aggressiv und mit dieser charmanten Mischung aus Genie und Wahnsinn, die Fans gleichermaßen begeistert und Trainer zur Weißglut bringt. Dass die Reds am Ende trotz besserer Zweikampfquote (52,4 Prozent) und mehr Chancen keinen Sieg mitnahmen, lag wohl auch an Burnleys jugendlichem Übermut. Der 18-jährige Cort und der 17-jährige Neville spielten, als hätten sie nie etwas von Angst gehört. Ein 2:2 also, das beiden Teams etwas gibt - Burnley Selbstvertrauen, Liverpool Kopfschmerzen. Und den Zuschauern? Einen Abend, an dem sie sich erinnern werden, dass Fußball manchmal einfach schön chaotisch ist. Oder, wie Burnleys Muti Terim beim Verlassen des Platzes sagte: "Manchmal ist ein Unentschieden das ehrlichste Ergebnis - vor allem, wenn beide genug falsch gemacht haben." Und ehrlich gesagt: schöner kann man’s kaum zusammenfassen. 30.06.643987 04:50 |
Sprücheklopfer
Es ist wichtig, dass man neunzig Minuten mit voller Konzentration an das nächste Spiel denkt.
Lothar Matthäus