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Es war ein kühler Frühlingsabend in Triest, doch die Gäste aus Bologna brachten mediterrane Hitze mit - in Form eines Offensivfeuers, das die Hausherren regelrecht verschlang. 31.067 Zuschauer im Stadio Nereo Rocco sahen eine Partie, die sich schon nach 20 Minuten mehr wie eine Lehrstunde als wie ein Liga-Duell anfühlte. Am Ende stand ein 0:4, das ebenso deutlich wie verdient war. Dabei hatte AS Trieste eigentlich gar nicht schlecht begonnen. Mehr Ballbesitz (56 Prozent), ordentliche Passstaffetten, Mut im Aufbau - aber all das war wie ein schöner Aperitif ohne Hauptgang. Denn die Gäste von Trainer Ferdinand Mayer schalteten nach sechs Minuten bereits auf Siegmodus: Ramon Varela, 23 Jahre jung und mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers, nutzte den ersten echten Angriff zum 0:1. Der Pass kam von Edoardo Aiello, der später trocken anmerkte: "Ramon hat mir den Ball quasi aus den Gedanken genommen - ich wollte gar nicht passen, aber er war einfach schon da." Trieste taumelte, Bologna tanzte. Nur neun Minuten später klingelte es erneut - diesmal war es der 34-jährige Amaury Morais, der aus spitzem Winkel einnetzte, nachdem Ludvig Jensen mit chirurgischer Präzision über rechts geflankt hatte. Morais grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken. Aber manchmal ist der Fußball gnädig." Drei Minuten später folgte der dritte Streich: Sebastian Nagel, der linke Flügelmotor, zog aus 20 Metern ab, und Triestes Keeper Mattia Ferrario sah den Ball nur noch im Netz verschwinden. 0:3 nach 18 Minuten - und die Partie praktisch entschieden. Der Heimtrainer (dessen Name in der offiziellen Meldung kurioserweise fehlte - vielleicht wollte er sich schon selbst schützen) stand da wie ein Mann, der gerade erfahren hatte, dass sein Navigationssystem direkt ins Abseits führt. "Wir waren da, aber irgendwie auch nicht", murmelte Triestes Verteidiger Roberto Santarossa später und kassierte in der Nachspielzeit dann noch die Gelbe Karte - als Symbol für eine Partie, die längst verloren war. Bologna spielte den Rest des Abends mit der Ruhe einer Mannschaft, die weiß, dass heute alles funktioniert. 16 Torschüsse, davon vier Treffer - Effizienz wie aus dem Lehrbuch. Trieste hatte neun Versuche, aber die meisten davon landeten in der Kurve oder in den Armen von Enrico Satriano, der im Tor der Gäste einen ruhigen Abend verbrachte. In der zweiten Hälfte nahm Bologna das Tempo etwas raus, wechselte clever: Salvador Niguez kam in der 60. Minute und setzte mit seinem Treffer in der 73. den Schlusspunkt zum 0:4. Es war ein Tor wie aus dem Bilderbuch - direktabnahme, humorlos, präzise. "Ich wollte eigentlich den Pfosten treffen", witzelte Niguez nach Abpfiff, "aber dann war der Ball halt drin." Trieste mühte sich weiter, hielt den Ball, kombinierte, aber es war wie ein Theaterstück ohne Pointe. Gianfranco Cellara rannte, Gianni Pinna versuchte es aus allen Lagen - aber Bologna ließ nichts anbrennen. Die Gäste standen taktisch kompakt, offensiv ausgerichtet, aber nie überdreht. Mayer hatte seine Elf perfekt eingestellt. "Wir wollten offensiv spielen, aber nicht naiv", erklärte der Trainer nach dem Abpfiff. "Das war keine Zauberei, sondern schlichtes Arbeiten. Und vielleicht ein bisschen Spaß." Trieste hingegen wirkte ratlos. Die Fans verabschiedeten die Mannschaft mit höflichem Applaus - vielleicht mehr Mitleid als Anerkennung. Ein älterer Herr auf der Haupttribüne brachte es auf den Punkt: "Wir hatten den Ball, sie hatten die Tore. Blöd gelaufen." Die Statistik bestätigte das Elend: Mehr Ballbesitz, aber weniger Durchschlagskraft. 46 Prozent gewonnene Zweikämpfe, eine Quote, die das Ergebnis fast freundlich erscheinen lässt. Und so bleibt ein Abend, an dem Bologna zeigte, dass man auch ohne wildes Pressing (sie verzichteten fast völlig darauf) ein Spiel dominieren kann - mit Präzision, Geduld und einem Hauch Zynismus. Trieste dagegen muss sich fragen, ob Ballbesitz allein wirklich eine Trophäe ist. Zum Schluss sagte Mayer noch mit einem spitzbübischen Lächeln: "Ich sag’s meinen Jungs immer - wer früh trifft, hat früher Feierabend." Und in Triest klang das wie eine Drohung für kommende Gegner. Ein 0:4, das in Erinnerung bleibt - nicht, weil es knapp war, sondern weil es so eindeutig war wie ein Espresso ohne Zucker: stark, bitter und absolut klar. 31.01.643994 15:51 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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