Tuttosport
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Bologna zähmt Bergamo - ein wilder 3:2-Abend voller Drama und Espresso

Es war einer dieser Abende im Stadio Renato Dall’Ara, an denen man sich fragt, ob die Luft nach Espresso, Schweiß oder purem Wahnsinn riecht. 40.387 Zuschauer sahen eine Partie, die alles hatte: Tempo, Emotion, Gelbe Karten, jugendlichen Übermut - und einen Rechtsverteidiger, der kurzzeitig vergaß, dass er keiner ist. Am Ende jubelte AS Bologna über ein 3:2 gegen Atletica Bergamo, das so knapp war wie ein italienischer Strafzettel nach fünf Minuten Parkzeit.

Schon früh war klar: Hier wird nicht lange gefackelt. Bologna begann offensiv, wie es Trainer Ferdinand Mayer später ausdrückte: "Wir wollten zeigen, dass wir Fußball spielen können - auch wenn’s manchmal nach Chaos aussieht." Nach gerade elf Minuten traf der 19-jährige Bruno Morano für die Gäste aus Bergamo - abgebrüht wie ein Veteran, eiskalt wie ein Gelato im Januar. Sein Trainer, möglicherweise etwas zu gelassen, nickte nur und murmelte: "So habe ich ihn mir vorgestellt - jung, frech, unvernünftig."

Doch Bologna antwortete prompt. In der 14. Minute ließ Ramon Varela, 22 Jahre jung und mit der Körpersprache eines erfahrenen Torjägers, das Stadion explodieren. Ein Schuss, der nicht nur das Tornetz, sondern auch die Stimmung zum Beben brachte. 1:1 - und die Fans sangen, als wäre das Spiel schon entschieden.

Danach entwickelte sich eine Begegnung, die für Statistiker ein Fest war: 55 Prozent Ballbesitz für Bergamo, 17 Torschüsse für Bologna - und für alle, die auf Ordnung hofften, ein Albtraum. Bergamo spielte geduldig, Bologna wild. "Wir haben uns gedacht: Wenn wir schon weniger Ballbesitz haben, dann wenigstens mehr Spaß", grinste Mittelfeldmotor Daniel Marcel nach der Partie.

Die zweite Halbzeit begann mit frischem Wind - und frischen Beinen. Der 18-jährige Claudio Montanari durfte für die Gastgeber ran und sah aus, als wolle er gleich die Welt erobern. Stattdessen eroberte er die linke Seite - zumindest für ein paar Minuten.

Dann kam die Phase, in der das Spiel endgültig zum italienischen Drama wurde. In der 68. Minute brachte Marvin Kluge Bergamo erneut in Führung, nach feiner Vorarbeit von Morano. Der Jubel der Gäste war laut, kurz und trügerisch. Denn kaum hatte man sich im Gästeblock wieder gesetzt, da schlug Bologna zurück - mit einem, man muss es so sagen, Kunstwerk aus dem Fuß von Liam Klose. Der Rechtsverteidiger tauchte plötzlich vorne auf, bekam den Ball von Marcel, und drosch ihn derart humorlos ins Netz, dass der arme Grimaldi im Bergamo-Tor nur hinterhersehen konnte. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Klose nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen.

Nur vier Minuten später wiederholte sich das Schauspiel. Diesmal war es erneut Varela, der nach einer butterweichen Vorlage von Marcel das 3:2 erzielte. Das Stadion bebte, Mayer tanzte eine Art unbeabsichtigten Paso Doble an der Seitenlinie, und die Fans schworen, diesen Namen nie zu vergessen: Varela, der Doppeltorschütze mit der Ruhe eines Zen-Mönchs und der Präzision eines Uhrwerks aus Bologna.

Bergamo versuchte es noch einmal, drückte, kombinierte, schoss - insgesamt zehnmal aufs Tor. Aber Bolognas Keeper Bogdan Kirjakow blieb standhaft, als hätte er den Ball magnetisch abgestoßen. Selbst als Massimiliano Casadei in der Nachspielzeit noch einmal draufhielt, flog der Ball knapp über die Latte - begleitet von einem kollektiven Aufseufzen im Gästeblock.

Nach Abpfiff stand Mayer vor den Kameras, ein Mann zwischen Stolz und Erschöpfung: "Drei Tore, drei Punkte, drei Liter Herzblut - das reicht mir für heute." Sein Pendant aus Bergamo, sichtlich genervt, kommentierte knapp: "Wir hatten den Ball, Bologna hatte das Glück. Aber so ist Fußball - und manchmal ist Glück einfach besser trainiert."

Für Bologna war dieser Sieg mehr als nur ein Dreier. Es war ein Statement, dass Leidenschaft und Mut manchmal wichtiger sind als Ballbesitz und Statistik. Für Bergamo bleibt die Erkenntnis, dass man ein Spiel auch verlieren kann, obwohl man vieles richtig macht - und ein junger Bruno Morano der Trostpreis des Abends war.

Als die Flutlichter erloschen und die Fans in Richtung Innenstadt zogen, hörte man einen alten Mann mit Schal murmeln: "So spielt man Fußball in Bologna - unvernünftig, laut, wunderschön." Und man konnte ihm nur zustimmen.

Denn manchmal ist Fußball eben kein Rechenspiel, sondern ein Gedicht - mit drei Strophen aus purem Adrenalin.

15.10.643990 22:13
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In der Schule gab's für mich Höhen und Tiefen. Die Höhen waren der Fußball.
Thomas Häßler
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