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Ein Fußballabend in Bologna, an dem es alles gab: Tore, Karten, jugendliche Unbekümmertheit und am Ende ein kollektives Achselzucken. 2:2 trennte sich AS Bologna am 31. Spieltag der 1. Liga Italien von AS Pisa - ein Ergebnis, das beiden Teams wohl nicht so richtig schmeckt. 40.000 Zuschauer sahen ein Spiel, das von Emotionen und einem späten Rückschlag für die Hausherren geprägt war. Dabei begann alles mit einer kalten Dusche für Bologna. In der 21. Minute nutzte Pisas Rechtsaußen Bernardo Ortiz eine millimetergenaue Vorlage von Ole Mykland und schob eiskalt zur Gästeführung ein. "Wir waren da einfach zu brav", knurrte Bolognas Trainer Ferdinand Mayer später. "Ortiz hätte sich in Ruhe noch einen Espresso bestellen können, bevor er abschließt." Doch Bologna reagierte - und wie. Der 32-jährige Amaury Morais, ein Stürmer alter Schule mit dem Charme eines Straßenfußballers, glich in der 35. Minute nach feiner Vorarbeit von Sebastian Nagel aus. Das Stadion bebte, und Morais grinste breit: "Ich wollte eigentlich flanken, aber dann dachte ich mir - warum nicht mal aufs Tor?" Kurz vor der Pause drehte Gianluigi Di Carlo die Partie. Der bullige Mittelstürmer traf nach einem cleveren Steckpass von Daniel Marcel zum 2:1 (45.). Mayer jubelte so ausgelassen, dass ihm fast die Brille vom Gesicht flog. In der Kabine soll er dann gesagt haben: "So stelle ich mir Offensivfußball vor - mit Herz, Schweiß und einem Hauch Chaos." Nach der Pause allerdings kippte das Spiel - nicht sofort auf der Anzeigetafel, aber in der Dynamik. Pisa übernahm das Kommando, hatte mit 61 Prozent Ballbesitz die Kontrolle und drückte Bologna tief in die eigene Hälfte. Die Hausherren verteidigten leidenschaftlich, manchmal auch etwas zu leidenschaftlich: Rechtsverteidiger Liam Klose, bereits in der 18. Minute verwarnt, sah nach wiederholtem Foulspiel in der 76. Minute Gelb-Rot. "Ich schwöre, ich hab ihn kaum berührt", verteidigte sich Klose später mit unschuldigem Blick. Sein Trainer kommentierte trocken: "Vielleicht hat der Schiri eine andere Definition von ’kaum’." Mit einem Mann weniger wurde es für Bologna hektisch. Mayer brachte den 17-jährigen Claudio Montanari, der bei seinem Debüt mehr Nervosität als Ballkontakte zeigte. "Ich dachte, mein Herz springt aus dem Trikot", gab der Teenager hinterher zu. Trotzdem hielt Bologna lange stand - bis zur 89. Minute. Ausgerechnet Alessio Malvito, der erfahrene Linksaußen der Pisaner, traf nach Vorlage von Ortiz zum 2:2-Endstand. Pisa jubelte, Bologna starrte ungläubig auf die Anzeigetafel. "So ist Fußball", sagte Morais mit einem bitteren Lächeln. "Manchmal verteidigst du 20 Minuten mit elf Helden - und kassierst dann mit zehn Clowns." Statistisch gesehen war das Remis verdient: Bologna kam auf neun Torschüsse, Pisa auf sieben. Die Gäste wirkten spielerisch reifer, Bologna dafür gefährlicher in den Umschaltmomenten. Dass die Bologneser am Ende in Unterzahl den Sieg hergaben, passte zu einem Abend, der zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Besonders auffällig: der unermüdliche Karl Kühne im Mittelfeld der Pisaner, der das Spiel lenkte, als hätte er ein Metronom im Fuß. "Ich spiele lieber 90 Minuten als 90 Noten", witzelte Kühne nach dem Spiel. Trainer Mayer hingegen suchte Trost in der Philosophie: "Wenn man in Unterzahl einen Punkt holt, ist das halb leer oder halb voll - je nachdem, ob man Optimist oder Fußballtrainer ist." Pisas Coach - der Name blieb in den Unterlagen geheimnisvollerweise unter Verschluss - zeigte sich zufrieden: "Wir wollten mutig auftreten, das haben wir getan. Und wenn man in Bologna in der 89. Minute trifft, darf man ruhig mal lächeln." So endete ein Abend, der alles bot, was die Serie A so liebenswert macht: Leidenschaft, Dramatik, und eine Portion Wahnsinn. Die Fans verließen das Stadion mit gemischten Gefühlen - aber niemand konnte behaupten, es sei langweilig gewesen. Vielleicht war es kein Sieg für die Tabelle, aber ein Sieg für den Fußball. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen fluchte: "Zwei Punkte verschenkt - aber wenigstens Herz gezeigt." Und wer die Augen schloss, hörte noch das Echo von 40.000 Stimmen, die wussten: Dieses 2:2 war mehr als ein Ergebnis. Es war ein Lehrstück in italienischer Dramatik - und einer jener Abende, an denen selbst der Schiedsrichter einen Espresso gebraucht hätte. 21.03.643990 15:11 |
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Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund