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Es war ein kalter Februarabend in Parma, aber die Luft im Stadio Ennio Tardini war elektrisch geladen. 39.055 Zuschauer hatten sich eingefunden, um das Duell zwischen dem AC Parma und dem AS Bologna am 6. Spieltag der Serie A zu sehen. Am Ende sahen sie ein Spiel, das so wechselhaft war wie das italienische Wetter - mit frühem Schock, leidenschaftlichem Aufbäumen und bitterem Schlussakkord: Bologna siegte 2:1, dank eines späten Treffers von Edoardo Aiello. Kaum hatte Schiedsrichter Malfanti das Spiel angepfiffen, da war die Defensive Parmas schon im Tiefschlaf. In der 6. Minute nutzte Amaury Morais eine Unachtsamkeit der Hintermannschaft eiskalt aus. Nach feiner Vorarbeit von Christoph Engelhardt schob der 33-Jährige trocken ein - 0:1. "Wir wollten von Anfang an zeigen, dass wir nicht zum Kaffeetrinken gekommen sind", grinste Morais später in der Mixed Zone. Man nahm es ihm ab - Bologna war von Beginn an hellwach, offensiv ausgerichtet, mit kurzen Pässen und viel Mut. Parma hingegen brauchte ganze 20 Minuten, um zu realisieren, dass das Spiel begonnen hatte. Trainer Hip Hop - ja, der Mann heißt wirklich so - gestikulierte wild an der Seitenlinie und brüllte "Più avanti!", während seine Spieler den Ball quer durch die eigenen Reihen zirkulieren ließen. Zwar hatte Parma am Ende 57 Prozent Ballbesitz, doch zunächst war das alles nur brotlose Kunst. Henri Picard, der linke Flügelflitzer, versuchte es unermüdlich. In der 10., 26., 35. und 36. Minute prüfte er Bolognas Keeper Enrico Satriano - doch der 21-Jährige hielt, als hätte er Sekundenkleber an den Handschuhen. "Ich hab’ irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Picard auf mich geschossen hat", meinte Satriano lachend. Mit dem 0:1 ging es in die Pause - begleitet von einem gellenden Pfeifkonzert der Heimfans und einem leicht ironischen Applaus der Curva Nord. "Wir hätten uns in der ersten Hälfte selbst ausgewechselt, wenn’s erlaubt wäre", knurrte Parmas Kapitän Rene Berryer später. Nach dem Seitenwechsel dann ein anderes Bild: Parma kam mit Wut im Bauch zurück. In der 53. Minute endlich der verdiente Ausgleich. Leandro Papasidero, der 22-jährige Mittelfeldmann mit der Frisur eines Kunststudenten, traf nach Vorarbeit von Berryer zum 1:1. Das Stadion explodierte. "Ich hab’ einfach draufgehalten", erzählte Papasidero hinterher mit einem Grinsen, "und gehofft, dass Hip Hop diesmal nicht tanzt, sondern jubelt." Tatsächlich riss der Trainer die Arme hoch, als wolle er gerade einen Beat setzen. Doch so sehr Parma drückte - das Tor wollte kein zweites Mal fallen. Bologna blieb gefährlich, lauerte auf Konter, und Trainer Ferdinand Mayer wechselte klug. In der 63. Minute kam Salvador Niguez für den müde gewordenen Nagel, später Theodoridis für Engelhardt - frische Beine für den Endspurt. Und der sollte sich lohnen. In der 88. Minute, als Parma längst auf den Sieg drängte, schlug Bologna eiskalt zu. Theodoridis trieb den Ball durchs Mittelfeld, legte ab auf Aiello, und der zimmerte den Ball aus 18 Metern in den Winkel - 1:2. Stille im Stadion, Jubel im Gästeblock. Aiello rannte zur Eckfahne, warf die Arme aus und schrie seine Freude in die kalte Nacht. "Ich hab’ gesehen, dass der Torwart einen Schritt zu weit links stand. Den Rest hat mein rechter Fuß erledigt", sagte er später trocken. Parma versuchte es noch einmal, Picard verzog in der Nachspielzeit knapp. Dann Gelb für Bolognas Liam Klose, der offenbar beschloss, dass ein Foul an der Mittellinie kurz vor Schluss eine gute Idee sei. "Er wollte den Ball streicheln, hat aber das Schienbein getroffen", kommentierte Trainer Mayer süffisant. Nach 94 Minuten war Schluss. Bologna jubelte, Parma schlich vom Platz. Die Statistik sprach zwar mit 13:10 Torschüssen und mehr Ballbesitz für die Gastgeber - aber Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Trainer Hip Hop brachte es auf den Punkt: "Wir hatten den Rhythmus, aber keinen Refrain." Mayer konterte mit einem Grinsen: "Manchmal reicht ein Solosänger." Fazit: Bologna gewinnt glücklich, aber clever. Parma bleibt trotz engagierter Leistung ohne Lohn - und Hip Hop muss weiter den richtigen Takt für seine Offensivreihe suchen. Vielleicht findet er ihn ja bis zum nächsten Spieltag. Bis dahin darf Bologna tanzen. 26.07.643990 23:57 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic