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Es war ein Abend, an dem man sich in Bologna fragte, ob der Vesuv irgendwo in der Ferne wieder aktiv geworden sei - jedenfalls gingen beim SCC Neapel sämtliche Sicherungen durch. Die Süditaliener kamen mit breiter Brust und 53 Prozent Ballbesitz, aber am Ende mit hängenden Köpfen aus dem Stadio Renato Dall’Ara. 4:0 hieß es nach 93 hitzigen Minuten - ein Ergebnis, das auch in dieser Deutlichkeit verdient war. Von Beginn an ließ AS Bologna keinen Zweifel daran, wer Herr im Haus ist. Trainer Ferdinand Mayer hatte seine Mannschaft offensiv ausgerichtet, kurzpasssicher und mit dem Selbstbewusstsein eines Teams, das in dieser Saison offenbar Spaß daran hat, Gegner zu filetieren. Bereits nach vier Minuten prüfte Ramon Varela den jungen Neapel‑Keeper Pierre Dedobbelaer mit einem satten Schuss. Der 21‑Jährige parierte noch, doch es war das erste Warnsignal. In der 34. Minute war es dann so weit: Giacomo Ferrario, gerade einmal 22, traf nach feiner Vorarbeit von Salvador Niguez eiskalt ins lange Eck. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Ferrario später - man glaubte ihm kein Wort. Nur sechs Minuten später legte er noch einen nach, diesmal nach einem präzisen Zuspiel von Rechtsverteidiger Bernardo Aguas. 2:0 zur Pause, und die rund 42 465 Zuschauer rieben sich die Augen: War das wirklich derselbe Bologna‑Sturm, der letzte Woche noch Ladehemmung hatte? Neapel dagegen wirkte, als hätte man die Spielanweisung "BALANCED" ein wenig zu ernst genommen. Coach Heimo Wasserschneider stand regungslos an der Seitenlinie, während seine Elf zwar gefällig kombinierte, aber kaum Durchschlagskraft entwickelte. Sechs magere Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel - ein Wert, der eher an eine zähe Trainingspartie erinnert als an einen Ligakracher. Kurz nach der Pause folgte dann der endgültige Knock‑out. Der 17‑jährige Joshua Keane, gerade erst eingewechselt, setzte auf links zu einem beherzten Sprint an, legte quer - und Niguez schob in der 60. Minute locker zum 3:0 ein. "Joshua hat den Ball gefühlt mit einem GPS‑Signal auf meinen rechten Fuß gelegt", schwärmte der Torschütze. Publikumsliebling Keane grinste nur schüchtern: "Ich wollte eigentlich nur den Ball loswerden." Neapels Antwort? Zwei Gelbe Karten - Emanuele Colangelo (53.) und Lionel Enriquez (86.) sahen jeweils Gelb für Frustfouls, die Bolognas Fans mit höhnischem Applaus quittierten. "Wir wollten über den Ballbesitz kommen", erklärte Wasserschneider nach dem Spiel, "aber leider war der Ball selten dort, wo wir ihn haben wollten." Die Hausherren hingegen spielten weiter, als gäbe es kein Morgen. 23 Torschüsse insgesamt, 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe und eine Spielfreude, die ansteckte. In der Nachspielzeit setzte der eingewechselte Amaury Morais den Schlusspunkt. Der 34‑Jährige nahm einen langen Ball von Innenverteidiger Salvatore Venier elegant mit der Brust und schlenzte ihn in der 93. Minute zum 4:0‑Endstand ins Netz. "So einen Ball bekommst du einmal im Jahr", meinte Morais, "und dann hoffst du, dass ihn keiner filmt, falls du ihn versemmelst." Ferdinand Mayer zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber nicht euphorisch: "Wir haben heute vieles richtig gemacht, aber das nächste Spiel beginnt wieder bei null." Ein Satz, der so bescheiden klingt, dass man ihm fast glauben möchte - wenn da nicht dieses schelmische Blitzen in den Augen des Trainers wäre. Für Neapel bleibt nach diesem Debakel nur die Erkenntnis, dass Ballbesitz allein keine Punkte bringt. Die Defensive wirkte löchrig, der Angriff harmlos, und die sonst so launige Offensive blieb ein Schatten ihrer selbst. "Wir haben den Gegner stark aussehen lassen", gestand Kapitän Aurel Bindea, "und das ist in dieser Liga tödlich." Bologna dagegen darf sich über einen perfekten Fußballabend freuen: Vier Tore, vier verschiedene Vorlagengeber, keine Karte, kein Gegentor - und eine Atmosphäre, die selbst den skeptischen Fans ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Als die Mannschaft nach dem Schlusspfiff in die Kurve ging, sangen die Tifosi so laut, dass man meinen konnte, sie hätten gerade die Meisterschaft gewonnen. Vielleicht war es auch nur der Klang des kollektiven Aufatmens - nach Wochen voller Unentschieden endlich wieder ein rauschendes Fest. Und irgendwo im Stadion soll ein älterer Fan gesagt haben: "Wenn Bologna so weiterspielt, kaufe ich mir wieder eine Dauerkarte." Am Ende blieb nur die Frage offen, was Neapel mehr schmerzte - das Ergebnis oder die Erkenntnis, dass Bologna an diesem Abend einfach besser Fußball spielte. Oder, wie Giacomo Ferrario es trocken formulierte: "Vier Tore sind schön, aber das Lächeln der Fans ist schöner." Da konnte selbst der sonst stoische Trainer Mayer nicht widersprechen - und grinste. 07.03.643994 12:14 |
Sprücheklopfer
Da kann er sich doch freuen, mit mir spielen zu können.
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