Tuttosport
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Bologna führt, verliert, staunt: Lazio dreht das Spiel in 35 Minuten

Es gibt Fußballabende, an denen man das Gefühl hat, die Drehbuchautoren der Serie A hätten zu tief ins Espresso-Glas geschaut. Der 16. Spieltag in Bologna war einer davon. 36.943 Zuschauer sahen eine Partie, die eigentlich schon entschieden schien - nur um sich dann in ein dramaturgisches Lehrstück über Leichtsinn, jugendliche Euphorie und römische Kaltschnäuzigkeit zu verwandeln.

AS Bologna gegen US Lazio - 2:3 (1:0). Das liest sich nüchtern, war aber alles andere als das. Trainer Ferdinand Mayer hatte seine Bologneser offensiv eingestellt, und das mit einem 17-jährigen Linksaußen namens Domenico Nocera, der offenbar noch nie von Lampenfieber gehört hat. In der 19. Minute pflügte er sich, nach einem langen Ball von Maurizio Gravina, durch die römische Abwehr wie ein Teenager durch die Chipstüte: unaufhaltsam. Der Schuss? Trocken, präzise, unhaltbar - 1:0. Das Stadion bebte.

"Ich dachte erst, der Ball sei zu weit", grinste Nocera später schüchtern. "Aber dann war er einfach drin. Mein erstes Ligator - ich glaube, ich hab kurz vergessen zu jubeln."

Lazio war in der ersten Halbzeit das aktivere Team, mit mehr Ballbesitz (52,6 Prozent) und sechs Torschüssen in den ersten zwanzig Minuten, doch der Ertrag blieb mager. Stürmer Bradley Cloutier drosch in der 8. und 45. Minute den Ball jeweils in Richtung Autobahnauffahrt statt Tor, und im Gästeblock begann man, sich an die alten Zeiten zu erinnern, als Lazio noch 0:0 als Erfolg wertete.

Nach der Pause änderte sich das Drehbuch schlagartig. Kaum war der zweite Espresso getrunken, stand es 1:1. In der 49. Minute nahm Wouter Dewitte einen Pass von Robert Carpanzano direkt - und traf. Das war so eiskalt, dass selbst der Schiedsrichter kurz fröstelte.

Doch Bologna schlug zurück. Nur zwei Minuten später (51.) zirkelte Franck Savard den Ball nach Vorarbeit von Daniel Marcel ins Netz. 2:1, und Mayer sprang jubelnd an der Seitenlinie - bis ihm der vierte Offizielle trocken zuflüsterte, dass noch fast 40 Minuten zu spielen seien.

"Wir haben uns zu sicher gefühlt", gestand Mayer später. "Manchmal ist Fußball eben ein Lehrer, der keine Geduld kennt."

Denn dann kam die römische Lehrstunde. In der 69. Minute stach Cloutier endlich zu - nach schöner Vorarbeit von Carles Guillen. Ausgleich. Und als die Bologneser gerade überlegten, ob sie sich mit dem Punkt anfreunden sollten, trat der 18-jährige Stefano Pedrotti auf den Plan. Nach einem butterweichen Querpass von Routinier Hansen Groot (84.) schob er den Ball seelenruhig zum 2:3 ein.

"Ich habe einfach gemacht, was Hansen sagte: ruhig bleiben und zielen", erklärte Pedrotti nach dem Spiel. "Er meinte, das Tor ist größer, als es aussieht - diesmal hatte er recht."

Bologna warf in den letzten Minuten alles nach vorn. Daniele Lorusso prüfte in der 91. Minute noch einmal den Gästetorwart Noe Vaz, doch der rettete mit einem Reflex, der an Reflexion grenzte.

Die Statistik sprach am Ende Bände: Bologna mit 13 Torschüssen, Lazio mit 11 - doch die Römer effizienter, cleverer, abgeklärter. Selbst die Zweikampfquote (50,4 zu 49,6 Prozent) zeigte, dass hier kein Klassenunterschied bestand, sondern eher ein mentales Gefälle.

Im Pressekonferenzraum saß Mayer später mit verschränkten Armen und sagte, halb ironisch, halb resigniert: "Wir haben drei Gegentore bekommen und trotzdem gut gespielt - das ist die Art Mathematik, die ich nie mochte."

Auf der anderen Seite grinste Lazio-Kapitän Dewitte: "Wir wussten, dass Bologna heiß starten würde. Also haben wir gewartet, bis sie müde wurden - ein bisschen wie beim Spaghetti-Kochen. Erst blubbern lassen, dann abgießen."

Die Fans gingen erhitzt, aber nicht enttäuscht nach Hause. Sie hatten ein Spiel gesehen, das alles bot - außer Logik. Zwei Teenager trafen, zwei Trainer alterten sichtbar, und irgendwo im Stadion summte jemand die Melodie von "La dolce vita".

Vielleicht war es das passende Schlusswort zu einem Abend, der in Bolognas Fußballgeschichte als Lehrstück bleibt: Wer zu früh feiert, bekommt von Lazio die Rechnung - inklusive Trinkgeld.

11.07.643987 20:45
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