Tuttosport
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Bologna dreht das Spiel - Spektakel mit neun Toren und roter Karte

Es war ein Freitagabend, der in Bologna so schnell nicht vergessen wird. 43.500 Zuschauer im Stadio Renato Dall’Ara sahen ein Spiel, das all das bot, was Fußball zu diesem eigenartigen, manchmal grausamen, oft aber herrlich verrückten Spiel macht: neun Tore, eine rote Karte, eine Aufholjagd und Trainer, die zwischen Verzweiflung und Ekstase schwankten. Am Ende stand ein 5:4 für den AS Bologna gegen den AS Rimini - ein Resultat, das wie ein Tipp aus einem Kindertraum klingt, aber bittere Realität für die Gäste war.

Dabei hatte Rimini den besseren Start. Bereits in der 4. Minute klingelte es im Bologneser Kasten: Dragan Koroman, der 32-jährige Rechtsaußen, vollstreckte nach Vorarbeit des blutjungen Edoardo Piras eiskalt. "Ich dachte, wir hätten den Gegner im Griff", murmelte Bolognas Trainer Ferdinand Mayer später und schaute dabei, als hätte ihm jemand den Espresso verwässert. Doch es kam noch dicker: Piras selbst legte in der 28. Minute nach, ehe Arnau Gonzalo nur eine Minute später auf 3:0 stellte. Rimini spielte sich in einen Rausch, Bologna in die Verzweiflung.

Als Jose Chalana, ausgerechnet ein Innenverteidiger, in der 42. Minute per Kopf zum 4:1 traf, glaubte niemand mehr an eine Wende - außer vielleicht die, die an Wunder glauben und an Bolognas jungen Stürmer Giacomo Ferrario. Der 21-Jährige hatte kurz zuvor (37.) schon getroffen und legte keine Minute nach Chalanas Tor gleich wieder nach (43.). Zwei Tore wie zwei Lebenszeichen. "Ich hab einfach die Augen zugemacht und draufgehalten", grinste Ferrario später. "Und plötzlich waren wir wieder da."

Mit einem 2:4 ging es in die Pause. Mayer soll in der Kabine laut geworden sein - "aber nur kurz", wie er später mit einem Augenblinzeln verriet. "Dann hab ich ihnen gesagt, dass wir das gewinnen. Die haben mich ausgelacht. Jetzt lachen sie anders."

Und tatsächlich: Nach dem Seitenwechsel verwandelte sich Bologna in ein rot-blaues Sturmgewitter. Ludvig Jensen (48.) brachte die Hausherren auf 3:4 heran, Gianluigi Di Carlo glich in der 54. Minute aus. Rimini wankte, und als Stephane Pernet nur eine Minute später Rot sah - ein rustikales Einsteigen, das mehr an Ringen als an Fußball erinnerte -, kippte das Spiel endgültig.

Bologna roch Blut. Rimini, bis dahin mit 54 Prozent Ballbesitz die dominantere Mannschaft, fand sich plötzlich in der Defensive wieder. In der 61. Minute war es dann Salvador Niguez, der nach feinem Zuspiel von Felipe Pero den Ball zum 5:4 ins Netz drosch. Vom einst so souveränen Rimini blieb nur noch Verzweiflung und das ohnmächtige Winken von Trainer Fritz Fasching an der Seitenlinie. "Wir haben aufgehört zu spielen, als es darauf ankam", knurrte er nach Abpfiff. "Und dann haben wir es bekommen, wie wir es verdient haben."

Bologna dagegen feierte die eigene Auferstehung. Die Statistik sprach am Ende Bände: 22 Torschüsse zu 10, 53 Prozent gewonnene Zweikämpfe - und eine zweite Halbzeit, die man getrost in Lehrbüchern über Moral abdrucken könnte. Selbst der verletzte Salvatore Venier, der in der 80. Minute humpelnd vom Platz musste, jubelte noch mit. "Ich hab’s auch auf einem Bein genossen", sagte er lachend.

In den letzten Minuten entwickelte sich das Spiel zu einer Mischung aus Nervenschlacht und Improvisationstheater. Mayer gestikulierte wild, Rimini versuchte es mit langen Bällen, aber der Ballbesitz allein rettet keine Spiele - schon gar nicht, wenn der Gegner plötzlich an Wunder glaubt.

Als der Schlusspfiff ertönte, riss Ferdinand Mayer die Arme in die Luft, als hätte er gerade die Champions League gewonnen. "Ich hab ihnen gesagt, sie sollen Spaß haben", grinste er. "Ich hab aber nicht gesagt, sie sollen mich fast umbringen vor Aufregung."

Einige Fans sangen noch lange nach Abpfiff, während die Spieler von Bologna ausgelassen über den Rasen tanzten. Rimini hingegen trottete vom Platz, den Blick leer, die Köpfe gesenkt.

Ein 5:4, das keiner so recht erklären kann und gerade deshalb unvergesslich bleibt. Bologna bewies, dass Fußball manchmal keine Mathematik ist - sondern reine Emotion.

Und irgendwo, auf der Tribüne, sagte ein alter Fan mit rauer Stimme zu seinem Enkel: "Siehst du, Junge - so spielt man, wenn man schon verloren hat." Ein Satz, der an diesem Abend wohl das schönste Tor war.

19.07.643993 01:33
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Sicherlich haben wir im Moment einen kleinen Lauf, aber Lauf heißt ja bekanntlich Lauf, weil's von laufen kommt.
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