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Wenn man an einem Mittwochabend im Februar 27.000 Zuschauer in ein Stadion lockt, erwartet man Drama, Leidenschaft - und vielleicht ein kleines Fußballwunder. Bekommen hat man beim 0:3 (0:2) der Manchester Devils gegen die London Blues allerdings vor allem eines: eine Lehrstunde in Effizienz und Stil. Während die Devils stolperten, tanzten die Blues - und zwar Walzer. Schon in den ersten Minuten zeichnete sich ab, wohin die Reise gehen würde. Die Blues, angeführt von Trainer Fabio Rapi, wirkten, als hätten sie die Woche über in einem Hochleistungsballett geprobt. Die Devils dagegen präsentierten sich, als hätten sie den falschen Spielplan erwischt. Zwar war der Ballbesitz mit 48,8 Prozent auf Augenhöhe, aber mit nur zwei Torschüssen blieb die Offensive der Hausherren so harmlos wie ein zahnloser Terrier. "Wir wollten das Spiel kontrollieren - das ist uns auch gelungen, nur leider ohne den Ball", sagte Devils-Mittelfeldmann André Le Tallec mit einem bitteren Grinsen nach dem Spiel. Die Londoner begannen druckvoll. Bereits in der 6. Minute prüfte Owen Ward den jungen Devils-Keeper Morgan Lockwood. Der parierte noch, aber es war ein Vorgeschmack. Ward hatte an diesem Abend mehr Torschüsse als die gesamte Heimmannschaft - und das ist keine Übertreibung. Der 29-Jährige feuerte wie ein Mann, der sich vorgenommen hatte, den Ball persönlich in die Themse zu befördern. In der 31. Minute war es dann soweit: Ward traf nach Vorlage von Marcio Deco zum 0:1. Eine Kombination wie aus dem Lehrbuch - oder wie Rapi später schmunzelnd sagte: "Wir haben das im Training genau so nicht geübt, also musste es heute klappen." Die Devils wirkten geschockt, fanden aber keinen Weg zurück. Stattdessen legte Christoph Steffen in der 42. Minute nach, nach einem feinen Zuspiel des Innenverteidigers Paul Frost. Ja, Sie lesen richtig: ein Innenverteidiger als Vorlagengeber. Frost hatte offenbar beschlossen, dass man auch von hinten heraus Geschichte schreiben kann. 0:2 zur Pause - und die Devils-Fans murmelten schon, ob man nicht früher den Bus nehmen sollte. In der zweiten Hälfte war es dann ein Spiel in einer Richtung. Die Blues dominierten, 21 Torschüsse sprechen eine deutliche Sprache. Fabio Rapi brüllte von der Seitenlinie Anweisungen, während sein Gegenüber - nennen wir ihn höflich "ratlos gestikulierend" - versuchte, sein Team wachzurütteln. Vergeblich. Als Connor Lansbury in der 84. Minute nach feiner Vorarbeit von Bradley Hensley das 0:3 erzielte, war die Messe gelesen. Der 24-Jährige nahm es gelassen: "Ich wollte eigentlich schon früher treffen, aber ich dachte, Spannung tut dem Spiel gut." Humor hat er also. Die Devils? Nun ja. Robert Dubois’ Schuss in der 82. Minute war der erste, der wirklich gefährlich roch - und gleichzeitig der letzte. Der Rest war Stückwerk. "Wir haben uns bemüht", sagte Trainerassistent Colin McNair nach dem Spiel, "aber die Blues hatten einfach mehr Lust auf Fußball." Fabio Rapi hingegen wirkte nach dem Schlusspfiff zufrieden, aber nicht euphorisch. "Das war solide. Kein Feuerwerk, aber ein schönes Abendlicht", sagte er. Und dann, mit einem Augenzwinkern: "Ich mag es, wenn meine Mannschaft spielt, als hätte sie keine Lust, aufzuhören." Gelbe Karten gab es reichlich: Dubois (19.) und Barrymore (73.) für die Devils, Lansbury (25.), Hathaway (60.) und Deco (85.) bei den Blues. Doch das Spiel blieb fair, wenn auch einseitig. Statistisch gesehen war es ein klarer Fall: 21:2 Torschüsse, 59 Prozent gewonnene Zweikämpfe für die Gäste, und ein Bent Ipsen im Blues-Tor, der sich vermutlich zwischendurch nach einem Liegestuhl sehnte. Kurz vor Abpfiff rief ein Devils-Fan verzweifelt von der Tribüne: "Schießt doch wenigstens einmal!" - woraufhin ein anderer trocken antwortete: "Sie tun ihr Bestes, Mann, sie zielen nur aufs nächste Spiel." Ein sarkastischer Kommentar, aber treffend. Am Ende bleibt: Die London Blues zeigten, warum sie ein ernstzunehmender Titelkandidat sind. Die Manchester Devils hingegen müssen dringend herausfinden, wie man das Runde wieder ins Eckige bekommt. Denn mit Ballbesitz allein gewinnt man keine Spiele - höchstens Preise für gepflegtes Nichtstun. Oder, wie es Owen Ward nach seinem Galaabend formulierte: "Wenn du oft genug schießt, geht irgendwann einer rein. Heute waren’s halt drei." Ein Satz, der in Manchester wohl noch lange nachhallen wird - zumindest bis zum nächsten Heimspiel. 15.07.643990 09:36 |
Sprücheklopfer
Wir treten nicht an um ein Tor zu schießen, wir wollen das Spiel gewinnen!
Oliver Kahn