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Blues tanzen russischen Wintertango - 5:1-Gala in Jaroslawl

Ein frostiger Abend, ein gefrorener Rasen und 21.086 dick eingemummelte Zuschauer in Jaroslawl erlebten, wie die London Blues den Gastgeber Schitnik Jaroslawl regelrecht auf dem falschen Fuß erwischten. 1:5 hieß es am Ende - und das war noch schmeichelhaft für die Russen.

Schon in der zweiten Minute brummte es in der Defensive der Hausherren, als Bradley Hensley den ersten Warnschuss abgab. "Da war uns allen klar, dass die Londoner heute keine Sightseeing-Tour machen", stöhnte Jaroslawls Trainer Willi Daun nach dem Spiel. Seine Mannschaft lief offensiv an, wie es ihre Taktik versprach - "offensiv, ausgeglichen, aber ohne Pressing", wie die Statistik trocken notiert. Leider bedeutete das in der Praxis: Angriff ist die beste Einladung zum Gegentor.

Zwischen der 18. und der 24. Minute brach dann der englische Orkan über Jaroslawl herein. Christoph Steffen eröffnete den Torreigen mit einem trockenen Abschluss, Gabriel Hathaway legte drei Minuten später nach, und kaum hatte das Heimteam den Anstoß ausgeführt, zappelte der Ball wieder im Netz - erneut Steffen, diesmal nach Vorlage von José Maria Farinos. London spielte mit britischer Präzision: drei Angriffe, drei Tore, drei unterschiedliche Vorlagengeber. Sean Prentiss setzte mit einem Schuss aus 20 Metern das 4:0 obendrauf. 24 Minuten, vier Tore - das klingt eher nach Eishockey als nach Fußball.

"Ich hab kurz überlegt, ob wir die Trikots tauschen sollten, vielleicht wäre’s dann besser gelaufen", witzelte Jaroslawls Kapitän Javier Suarez, der wenigstens in der 29. Minute den Ehrentreffer erzielte. Nach einem Standard kam der Ball über Ezequiel Ramiro zu ihm, Suarez drehte sich elegant und schob ein - 1:4. Der Jubel war kurz, aber herzlich. "Endlich mal was für die Fans zum Wärmen", rief ein Zuschauer in die frostige Nacht.

Zur Pause war das Schicksal entschieden. Die London Blues hatten nicht nur vier Tore, sondern auch 52 Prozent Ballbesitz und eine beeindruckende Ruhe am Ball. Trainer Fabio Rapi wirkte an der Seitenlinie so entspannt, als plane er schon die Rückreise. "Wir wollten kontrolliert bleiben, nicht überdrehen. Die Jungs haben das fantastisch umgesetzt", lobte er später.

Die zweite Halbzeit begann, als hätte jemand den Stecker gezogen. Jaroslawl versuchte, das Unmögliche möglich zu machen, blieb aber in der gut organisierten Abwehr der Blues hängen. Und wenn doch mal ein Ball durchkam, stand Bent Ipsen (bis zur 64. Minute) sicher. Danach durfte der junge Luke Prentiss zwischen die Pfosten - "damit er auch mal Schneeluft schnuppert", grinste Rapi.

Gabriel Hathaway setzte in der 62. Minute den Schlusspunkt unter das englische Lehrstück. Wieder assistierte Farinos, der an diesem Abend scheinbar überall gleichzeitig war. Sein präziser Pass fand Hathaway, der mit einem satten Linksschuss das 5:1 markierte. Danach schalteten die Blues auf Wintermodus: weniger Pressing, mehr Ballbesitz, dafür aber weiter gefährlich, wann immer sie wollten.

Zwei Gelbe Karten für London - Sean Prentiss (57.) und Joshua Greenwald (77.) - blieben die einzigen kleinen Flecken auf einer fast perfekten Vorstellung. Jaroslawls Vicente Fernandes hatte schon in der 16. Minute Gelb gesehen, wahrscheinlich aus Frust über den englischen Dauerdruck.

Die Statistik sprach eine klare Sprache: 16 Torschüsse der Londoner gegenüber 9 der Gastgeber, 52 zu 48 Prozent Ballbesitz, und bei den Zweikämpfen lag das Team von Fabio Rapi mit 52,7 Prozent knapp vorn. Es war kein Zufallssieg, sondern eine Demonstration.

"Wir haben einfach jeden Fehler bestraft", meinte Doppeltorschütze Steffen nach dem Spiel, "so etwas gelingt nicht jedes Mal, aber heute war’s einfach... easy." Sein Lächeln sagte mehr als tausend Worte.

Trainer Willi Daun hingegen suchte nach einer Erklärung, fand aber nur Galgenhumor: "Vielleicht hätten wir defensiv spielen sollen. Oder Curling."

Am Ende ging das Publikum mit gefrorenen Händen, aber warmem Applaus. Man weiß in Jaroslawl, wann man den Besseren anerkennen muss. Die Blues tanzten ihren Wintertango gnadenlos, und Schitnik war der unbeholfene Partner, der ständig auf die Zehen trat.

Ein sarkastischer Fan brachte es auf den Punkt, als er beim Abpfiff rief: "Nächstes Mal spielen wir gleich mit dem Bus im Tor!" - vielleicht gar keine schlechte Idee, wenn die London Blues wieder vorbeischauen.

21.04.643987 12:40
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