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Blues siegen spät - Geduldsspiel wird zum Doppelschlag-Drama

London - Es gibt Fußballabende, an denen 80 Minuten lang eher sanft gegähnt als gejubelt wird - und dann plötzlich alles explodiert. So geschehen an diesem frostigen Montagabend im Stamford Park, als die London Blues ihre Nachbarn, die London Cottagers, mit 2:0 (0:0) niederkämpften. 46.558 Zuschauer sahen ein Spiel, das lange wie ein zahnloses Derby wirkte, ehe die späten Treffer von Eric Beauvilliers (83.) und Bradley Hensley (91.) die Geduld der Heimmannschaft belohnten - und Trainer Fabio Rapi zu einem seltenen Lächeln veranlassten.

"Ich habe in der 75. Minute zu meinem Co-Trainer gesagt: ’Wenn wir heute noch treffen, dann aber nur, weil der Ball beleidigt ist, dass er ständig in der Luft hängt’", grinste Rapi nach der Partie. Doch das Lächeln war verdient: Seine Mannschaft dominierte mit 57 Prozent Ballbesitz und unglaublichen 21 Torschüssen - gegenüber mageren vier der Cottagers - das Geschehen fast nach Belieben. Nur das Tor wollte lange nicht fallen.

Die Geschichte der ersten Halbzeit ist schnell erzählt: Die Blues kombinierten gefällig, besonders der 19-jährige Samuel Lancaster sorgte mit jugendlichem Übermut für frühe Gefahr (1., 24., 34., 35.). Doch anstatt die Führung zu bringen, schien der Ball eine Art Zielverweigerung entwickelt zu haben. Gästekeeper Dylan Carmody wurde zum Helden eines Abends, an dem er eigentlich gar kein Held sein wollte. "Ich hatte irgendwann das Gefühl, sie schießen extra auf mich", sagte Carmody halb amüsiert, halb erschöpft, während er sich nach Schlusspfiff die Handschuhe vom Leib zog.

Die Cottagers, unter Coach Peter Henriksson traditionell als "Betonmischer von Fulham Road" bekannt, verteidigten tief. Zu tief, wie selbst ihr Trainer nachher einräumte: "Wir standen so tief, dass ich meine Stürmer im Nebel verloren habe." Offensiv blieben sie harmlos - einzig Tyler Ward (12.) und der junge Lucas Preher (63., 67.) wagten sich zaghaft nach vorn. Gelbe Karten gegen Diego Yague (10.) und Riley Gallagher (23.) unterstrichen, dass die Defensive der Gäste in erster Linie robust war.

Nach der Pause bot sich dasselbe Bild: Blues drücken, Cottagers mauern. Mason Staunton prüfte Carmody mehrfach, Luke Badham und Joshua Greenwald stürmten über die Flügel, doch das Tor blieb wie vernagelt. Als Eric Beauvilliers in der 70. Minute für ein taktisches Foul die Gelbe Karte sah, schlug er frustriert die Hände über dem Kopf zusammen - ein Sinnbild für die bis dahin vergebliche Anstrengung.

Dann kam die 83. Minute. Theo Leachman, der linke Verteidiger, hatte plötzlich genug vom Querpassen und flankte einfach mal scharf in den Rückraum. Beauvilliers nahm den Ball direkt - und diesmal passte alles: Wucht, Winkel, Wille. 1:0, und das Stadion bebte. "Ich hab’ mir gedacht, wenn keiner trifft, mach ich’s halt selbst", lachte der Mittelfeldmotor später.

Henriksson reagierte mit einer Geste der Verzweiflung, die an einen Mann erinnerte, der gerade feststellt, dass sein Regenschirm im Bus liegt. Doch es half nichts. Die Blues spielten befreit auf, kombinierten mit jugendlicher Leichtigkeit - und in der Nachspielzeit setzte Bradley Hensley den Deckel drauf. Nach einem feinen Zuspiel des eingewechselten Youngsters Kian Hoskins traf der 26-Jährige flach ins Eck (91.). "Ich wollte eigentlich nur Zeit schinden", gestand Hoskins mit einem Grinsen, "aber Bradley war so laut, dass ich ihm den Ball einfach geben musste."

Die Cottagers wechselten noch fröhlich durch - drei Mal innerhalb von zehn Minuten, inklusive eines Torwartwechsels in der 59. Minute. Ob Henriksson damit frische Impulse oder schlicht warme Hände im Tor wollte, blieb unklar. Der junge Mirko Belmonte, der ab da zwischen den Pfosten stand, musste am Ende machtlos zusehen, wie Hensley traf.

Fabio Rapi lobte nach dem Abpfiff die Geduld seiner Mannschaft: "Wir haben heute gezeigt, dass man ein Spiel auch mit Stil gewinnen kann, ohne ängstlich zu werden. Auch wenn ich zwischendurch kurz ans Elfmeterschießen dachte - in der Liga!"

Henriksson hingegen verschwand wortlos im Kabinentrakt. Ein Cottagers-Funktionär murmelte: "Er hat gesagt, er will erstmal wissen, ob wir überhaupt über die Mittellinie gekommen sind."

So endete ein Derby, das lange kein Derby war - bis es dann doch eines wurde. Zwei späte Tore, ein verdienter Sieg, und ein Publikum, das sich am Ende warmgejubelt hatte.

Man könnte sagen: Die London Blues kamen spät, aber gewaltig. Und wer weiß - vielleicht war das der Abend, an dem der Ball endlich gelernt hat, dass Geduld manchmal das schönste Tor schießt.

06.03.643987 09:55
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