Football Today
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Blues siegen knapp - ein Abend zwischen Genie und Wahnsinn

Es war einer dieser typisch englischen Fußballabende in London: ein praller Himmel, ein volles Stadion (50.376 Zuschauer, um genau zu sein) und zwei Mannschaften, die sich nichts schenken wollten - zumindest bis einer von beiden merkte, dass Schenken gar keine schlechte Idee ist. Am Ende jubelten die London Blues über ein 2:1 gegen die Plymouth Pilgrims. Ein Ergebnis, das knapper klingt, als es war, und spannender war, als es vielleicht geklungen hätte.

Schon in der dritten Minute ging es los, als Marcio Deco, der linke Mittelfeldmann mit dem brasilianischen Temperament und dem englischen Pass, den Ball nach einer Vorlage des 18-jährigen Marcus Rashford ins Netz hämmerte. "Ich hab den Ball einfach kommen sehen - und dachte: Gut, wenn keiner sonst will, mach ich’s halt", grinste Deco später. Ein Auftakt nach Maß für Trainer Fabio Rapi, der an der Seitenlinie so euphorisch jubelte, dass selbst der vierte Offizielle kurz den Eindruck hatte, er müsse ihn wegen Übertreibung verwarnen.

Doch Plymouth antwortete mit stoischer Ruhe - und einer Prise keltischem Eigensinn. In der 31. Minute schlug Xabier Granero zu, nachdem Max Neville von links eine butterweiche Flanke geliefert hatte. Granero köpfte, wie man es nur in alten Fußballfilmen sieht: Augen zu, Nacken steif, Ball drin. "Ich wollte eigentlich flanken", gestand Neville später. "Aber dann dachte ich: Ach, der Xabier steht da ja auch irgendwo." 1:1 zur Pause - und ein Gefühl, dass dieses Spiel noch lange nicht auserzählt war.

Die Statistik sprach da schon eine klare Sprache: 20 Torschüsse der Blues zu gerade einmal 6 der Pilgrims, 45 Prozent Ballbesitz für London, 54 für Plymouth - und trotzdem das Gefühl, dass die Gäste nicht so recht wussten, was sie mit dem Ball anfangen sollten. "Wir hatten viel Ball, aber wenig Idee", resümierte ihr Trainer Bobo Siebenschläfer, der seinem Namen diesmal Ehre machte - zumindest in der offensiven Spielanlage.

Dann kam die 65. Minute, und mit ihr der Moment, den Verteidiger Paul Frost wohl noch seinen Enkeln erzählen wird. Nach einem Eckball, getreten von Bradley Hensley, stieg Frost hoch - höher als alle anderen - und wuchtete den Ball ins Netz. 2:1! Ein Innenverteidiger als Matchwinner, das hat was von britischem Humor. "Ich hab eigentlich auf Abwehr gewartet", meinte Frost trocken. "Aber wenn der Ball da so schön schwebt, dann muss man halt mal was Riskantes tun."

Danach wurde es wild: Marcus Rashford, der bereits in der ersten Halbzeit Gelb gesehen hatte, lief weiter wie aufgezogen, als wolle er beweisen, dass 18-Jährige keine Müdigkeit kennen. Plymouths Petar Karaslawow dagegen sah in der 74. Minute Gelb, nachdem er offenbar vergessen hatte, dass Grätschen keine olympische Disziplin ist. Und dann, als ob das Spiel noch nicht genug Drama hätte, verletzte sich Joel Primes kurz nach der Pause - der linke Mittelfeldmann humpelte vom Platz, winkte ins Publikum und murmelte lautstark: "Ich bin nicht aus Glas!"

Fabio Rapi wechselte klug: Benjamin Ross kam für Eric Beauvilliers, Lewis Bridges ersetzte den Torschützen Frost, und Hensley durfte nach viel Laufarbeit unter die Dusche. "Wir wollten Stabilität - und dass keiner mehr umfällt", sagte Rapi danach mit einem Augenzwinkern.

Die Pilgrims versuchten es in der Schlussphase noch einmal, doch Max Clancy, der dreimal aufs Tor schoss, scheiterte jedes Mal an Luke Prentiss, dem Blues-Keeper, der an diesem Abend Nerven wie Anfield-Stahl zeigte. "Wenn du drei Mal denselben Schützen siehst, weißt du irgendwann, wohin er schießt", erklärte Prentiss - und grinste, als hätte er gerade den Elfmeterpunkt erfunden.

Als der Schlusspfiff ertönte, ballte Rapi die Fäuste, während Siebenschläfer die Hände in die Taschen steckte. "Wir haben uns nicht belohnt", sagte der Pilgrims-Coach, "aber wenn man nur sechs Mal aufs Tor schießt, ist das vielleicht auch kein Zufall."

So bleibt als Fazit: Die London Blues spielten keinen Zauberfußball, aber sie spielten mit Herz - und mit Frost. Ein Sieg, der sie in der Tabelle nach oben bringt und Plymouth einmal mehr zeigt, dass Ballbesitz keine Medaille ist.

Oder, wie ein Fan auf der Tribüne es zusammenfasste: "Kein Spiel für Feingeister, aber ein Fest für alle, die gern schreien." Und das, liebe Leser, ist ja auch irgendwie Fußball.

16.01.643991 15:33
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Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic
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