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Es war einer dieser Abende im Kleinfeldstadion, an denen die Zuschauer noch beim Einschalten der Flutlichtanlage ahnten: Heute wird’s turbulent. 5000 Fans, ein klarer Winterhimmel über Kriens, und zwei Teams, die sich im Tabellenmittelfeld der 2. Liga Schweiz nichts schenken wollten. Am Ende siegte Blau-Weiss Luzern mit 2:1 - und das Ergebnis spiegelt erstaunlich exakt wider, was sich über 90 Minuten auf dem Rasen abspielte: frühe Luzerner Effizienz, späte Krienser Leidenschaft, aber zu wenig Fortune für die Gastgeber. Die Partie begann mit einem lauten "Hopp Kriens!" von der Haupttribüne, das kaum verklungen war, als Philippe Funk in der vierten Minute den ersten Torschuss abgab. Ein Raunen ging durchs Stadion, der Ball strich knapp am Pfosten vorbei. "Da dachte ich kurz, das wird unser Abend", sagte Trainer Silvio Betschart später mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Ironie und Resignation pendelte. Doch dann kam die kalte Dusche - und zwar gleich doppelt. In der 13. Minute setzte sich Blau-Weiss über die linke Seite durch. Guy Gebhardt, sonst eher für rustikale Zweikämpfe bekannt, tanzte zwei Krienser aus und legte quer auf Carles Bermudez. Der 25-jährige Spanier fackelte nicht lange: 0:1, eiskalt ins rechte Eck. Zwei Minuten später das Déjà-vu - diesmal war es Henri Savard, der nach feiner Vorarbeit von Marcel Baum das 0:2 markierte. Die Krienser Defensive sah dabei aus, als hätte sie ihre Ordnung noch in der Kabine vergessen. "Wir waren gedanklich noch beim Einlaufen", stöhnte Innenverteidiger Diego Semedo, der in der 37. Minute auch noch Gelb sah, nachdem er Bermudez energisch, um nicht zu sagen übermotiviert, vom Ball trennte. Blau-Weiss ließ es danach etwas ruhiger angehen, blieb aber gefährlicher. Insgesamt feuerten die Gäste 16 Schüsse aufs Tor - mehr als doppelt so viele wie die Krienser (7). Der Ballbesitz war mit 50,6 zu 49,3 Prozent nahezu ausgeglichen, aber die Luzerner wussten schlicht mehr damit anzufangen. Zur Pause wirkte Gian-Luca Sidler, der Coach der Gäste, erstaunlich gelassen. "Ich habe den Jungs gesagt: Spielt’s einfach weiter wie beim Aufwärmen - nur halt mit Toren", schmunzelte er nach der Partie. Seine Mannschaft blieb offensiv ausgerichtet, während Kriens zwar mutiger wurde, aber lange ohne Durchschlagskraft. Erst nach einer Stunde kam Leben in die Krienser Angriffsbemühungen. Marc Savard - nicht zu verwechseln mit seinem Namensvetter Henri auf der Gegenseite - scheiterte zunächst in der 62. Minute an Torhüter Dantamis. Zwei Minuten später machte er’s besser: Nach schöner Vorarbeit von Dimitar Stoitschkow (nein, nicht der berühmte Bulgare, aber fast so temperamentvoll) traf Savard aus spitzem Winkel zum 1:2-Anschluss. Das Stadion bebte, und plötzlich glaubten alle an das Comeback. "Das Tor war wie ein Espresso für die ganze Mannschaft", lachte Stoitschkow später im Kabinengang. "Aber dann hat der Zucker gefehlt." Denn Blau-Weiss zog sich clever zurück, verteidigte mit Routine und lauerte auf Konter. Carles Bermudez hätte in der 86. Minute alles klar machen können, scheiterte aber an Günther Kunze, der mit einer spektakulären Fußabwehr den Ball noch um den Pfosten lenkte. Die Schlussphase war ein Schlagabtausch, in dem Kriens alles nach vorn warf - inklusive der lautstarken Unterstützung von Trainer Betschart, der gefühlt jeden Pass selbst dirigierte. Doch es blieb beim 1:2. Als der Schlusspfiff ertönte, ballten die Luzerner die Fäuste, während die Krienser Fans ihre Spieler trotzdem mit Applaus verabschiedeten. "Wir haben die erste Viertelstunde verschlafen, und das kannst du dir auf diesem Niveau einfach nicht leisten", analysierte Betschart nüchtern. Sein Gegenüber Sidler konterte mit einem verschmitzten Lächeln: "Manchmal reicht’s, wenn du einfach wach bist, bevor der andere Kaffee trinkt." Fazit eines unterhaltsamen Abends: Blau-Weiss Luzern gewann nicht nur auf der Anzeigetafel, sondern auch in den Köpfen - mit Cleverness, Tempo und einem Hauch Frechheit. Kriens dagegen bewies Moral und Kampfgeist, aber wer die ersten 15 Minuten verschläft, muss den Rest der Nacht eben rennen. Und während die letzten Fans aus dem Stadion trotteten, hörte man einen älteren Krienser murmeln: "Früher hätten wir so ein Spiel noch gedreht." Vielleicht. Aber gestern war Blau-Weiss einfach eine Nummer zu abgeklärt - und das ist in der 2. Liga schon fast Champions-League-Reife. 15.08.643987 11:38 |
Sprücheklopfer
In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
Peter Neururer nach einer 1:4 Niederlage