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Blau-Weiss Luzern siegt spät - Wil kämpft vergeblich

An einem frostigen Samstagabend in Wil erlebten 28.797 Zuschauer ein Spiel, das so viele Wendungen hatte wie ein Krimi - nur eben mit weniger Logik und mehr Flanken. Am Ende jubelten die Gäste aus Luzern über einen 2:1-Auswärtssieg, während der FC Wil sich fragte, wie man mit 14 Torschüssen nur ein Tor erzielen kann.

Von Beginn an war klar: Trainer Jens Bauer hatte seine Wiler auf Angriff getrimmt. "Wir wollten zeigen, dass wir zu Hause das Spiel machen", sagte Bauer später - und tatsächlich stürmten seine Männer los, als gäbe es doppelte Punkte für frühe Schüsse. Schon in der 7. Minute prüfte Ignacio Bermudo den Luzerner Keeper Dimitrios Dantamis, der mit einem Katzenreflex parierte. Nur drei Minuten später wieder Bermudo - diesmal flach, aber erneut kein Tor.

Blau-Weiss Luzern hingegen wirkte geduldig, beinahe stoisch. Trainer Gian-Luca Sidler ließ seine Elf "balanciert" anlaufen, was in der Praxis bedeutete: abwarten, kontern, treffen. In der 35. Minute war es dann soweit: Nicolas Jean-Pierre flankte von rechts butterweich, Claude Meiser nahm den Ball mit der Brust an und drosch ihn aus zwölf Metern in die Maschen. "Ich hab’ einfach draufgehauen", grinste Meiser hinterher, "manchmal muss man nicht denken - das hilft mir oft."

Mit der 1:0-Führung gingen die Luzerner in die Pause, während die Wiler in der Kabine wohl darüber diskutierten, ob das Tor vielleicht ein schlechter Scherz war. Bauer fuchtelte an der Seitenlinie mit den Armen, als wolle er persönlich den Ball ins Netz telekinetisch befördern.

Nach der Pause kamen die Hausherren mit frischem Mut zurück. Nur acht Minuten nach Wiederanpfiff klingelte es: Alfonso Gonzalo zog nach Vorlage von Bermudo trocken ab - Ausgleich! Das Stadion bebte, und Bauer brüllte so laut "Ja!", dass selbst der vierte Offizielle kurz zusammenzuckte. "Das war der Moment, in dem wir das Spiel drehen wollten", erklärte Gonzalo. "Leider hatte Luzern etwas dagegen."

Denn die Gäste blieben cool. Während Wil drückte, lauerte Luzern auf Konter - und einer davon saß. In der 88. Minute brach Linksverteidiger Patrick Scharboneau über den Flügel durch, passte scharf in die Mitte, und der 22-jährige Henri Savard schob eiskalt zum 2:1 ein. Die Luzerner Bank explodierte förmlich, während Bauer sich die Mütze über die Augen zog.

"Das war so ein klassisches Tor, das du nur kassierst, wenn du alles nach vorne wirfst", seufzte der Wiler Trainer. "Aber lieber verlieren wir so, als dass wir 90 Minuten hinten drin stehen." Ein Satz, den vermutlich nur Trainer sagen, die gerade verloren haben.

Statistisch war die Partie fast ausgeglichen: 49 Prozent Ballbesitz für Wil, 51 für Luzern, 14 zu 11 Torschüsse - doch am Ende zählen eben nur die, die drin sind. Luzern zeigte sich dabei erstaunlich diszipliniert: Zwei Gelbe Karten (Beyince in der 58., Meiser in der 76.) waren das Einzige, was Schiedsrichter Armin Stöckli notieren musste. "Ich hab’ ihn nicht mal richtig berührt", verteidigte sich Meiser, "aber gut, ich sag’ das jede Woche."

In der Nachspielzeit drängte Wil verzweifelt auf den Ausgleich. Antonio Custodio feuerte in der 91. Minute noch einmal aus spitzem Winkel - knapp vorbei. Dantamis streckte sich, der Ball rauschte ans Außennetz, und 28.000 Menschen stöhnten kollektiv auf. Danach war Schluss.

Trainer Sidler fasste es mit einem Lächeln zusammen: "Wir haben nicht schön gespielt, aber clever. Und manchmal ist das in dieser Liga das Gleiche wie gut."

Ein paar Wiler Fans blieben noch auf den Rängen, klatschten ihre Mannschaft trotz Niederlage ab - vielleicht, weil sie wussten, dass Einsatz und Wille gestimmt hatten. Bauer sagte zum Abschied: "Wenn wir so weiter spielen, kommt das Glück zurück."

Vielleicht. Aber an diesem Abend fuhr das Glück im blauen Bus nach Luzern.

Und irgendwo im Kabinengang hörte man Meiser leise pfeifen - vermutlich die Melodie des Sieges.

03.11.643987 09:48
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Bei diesem Schiedsrichter hätte auch unser Busfahrer eine gelbe Karte bekommen.
Rainer Calmund
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