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Bern siegt spät - Teenager Martial lässt das Wankdorf beben

34280 Zuschauer im Berner Wankdorf erlebten an diesem frostigen Januarabend ein Fußballspiel, das alle Zutaten eines klassischen Ligaabends hatte: frühes Tor, zwischenzeitliches Zittern, Gelb für jugendlichen Übermut - und ein Happy End, das man in der Hauptstadt noch eine Weile diskutieren wird. Gelb‑Schwarz Bern gewann am 8. Spieltag der 1. Liga Schweiz mit 2:1 gegen den FC Oberwallis. Und der Held des Abends war gerade einmal 17 Jahre alt.

Schon nach vier Minuten hatte Claude Buffett, der bullige Linksaußen der Berner, für den ersten Aufschrei gesorgt. Nach einem langen Ball aus der Tiefe von Innenverteidiger Günther Castel pflückte er das Leder herunter, ließ einen Gegenspieler aussteigen und drosch den Ball kompromisslos in die Maschen. "Ich hab gar nicht nachgedacht - vielleicht war das das Geheimnis", grinste Buffett später und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Trainer Bjarne Berntsen hob nur die Augenbrauen: "Claude denkt ohnehin selten nach, bevor er schießt - diesmal war’s gut so."

Danach entwickelte sich eine Partie, die statistisch fast ausgeglichen war, aber auf dem Rasen ein anderes Bild bot. Oberwallis hatte mit 51 Prozent leicht mehr Ballbesitz, wirkte aber harmlos wie ein Tiger im Streichelzoo. Währenddessen feuerten die Berner aus allen Lagen: 17 Schüsse aufs Tor - doch entweder war Keeper Grigorios Christopoulos auf dem Posten oder der Ball segelte knapp vorbei. Raphael Frey prüfte den Torhüter gleich zweimal in der Anfangsphase, Stephan Hartmann zirkelte in der 44. Minute einen Freistoß an die Latte. Das 2:0 lag in der Luft, kam aber nicht.

Und so kam, was kommen musste: In Minute 61 nutzte der FC Oberwallis seine beste Phase. Claude Ziegler, der 21‑jährige Mittelfeldmotor, zog nach Pass von Rechtsverteidiger Adriano Xavier ab - und traf eiskalt ins linke Eck. "Ich hab nur den Kopf runter und draufgehalten", erklärte Ziegler, der kurz darauf Gelb sah, weil er beim Jubel die Eckfahne fast zerlegte. Trainer Snore Laken war trotzdem stolz: "Wir wollten Geduld zeigen. Leider hat die Geduld dann zu lange gedauert."

Das Spiel kippte kurz - Oberwallis witterte die Sensation. Berns Abwehrchef Filippo Trevisan brüllte seine Vorderleute zusammen, während Coach Berntsen an der Seitenlinie wild gestikulierte. "Ruhe, Männer!", soll er gerufen haben, "wir sind nicht in einem Western!" Tatsächlich beruhigte sich die Lage, doch die Minuten verrannen. Die Uhr zeigte schon 89:45, als der Ball noch einmal zu Louis Otto kam. Der Mittelfeldmann zog zwei Gegenspieler auf sich, steckte durch zu Anthony Martial - und der Teenager, den viele Fans eher aus der U21 kannten, zimmerte das Leder in die obere Ecke. 2:1. Stadionbeben.

"Ich hab gar nicht gesehen, dass er reingeht", stammelte Martial später, noch mit roten Wangen. "Ich hab nur geschossen und dann war’s plötzlich laut." - Laut ist untertrieben. Die Südtribüne verwandelte das Wankdorf in eine gelb‑schwarze Sauna. Selbst der sonst stoische Berntsen ließ sich zu einem Jubelsprung hinreißen. "Ich bin alt, aber nicht tot", lachte er anschließend.

In den letzten Minuten klammerte Bern den Ball fest wie ein Schatz. Oberwallis warf alles nach vorn, sogar Innenverteidiger Miguel Sa Pint tauchte im Strafraum auf, doch Goalie Bruno Moll hielt, was zu halten war. Zwei Gelbe Karten für die Gäste (Ziegler in der 64., Laurent Castel in der 67.) unterstrichen, dass auch ein bisschen Frust im Spiel war.

Am Ende standen 17:8 Torschüsse für Bern, 48,8 zu 51,2 Prozent Ballbesitz und ein Tackling‑Wert, der den Willen der Hausherren zeigte: 53,5 Prozent gewonnene Zweikämpfe. "Statistik hin oder her", grinste Berntsen, "wir haben zwei Tore mehr geschossen - das ist die einzige Zahl, die zählt."

Trainer Laken nahm die Niederlage sportlich: "Wenn man defensiv anfängt und offensiv aufhört, hat man wenigstens alles probiert. Nur der liebe Fußballgott war heute Berner." Ziegler nickte neben ihm, noch immer mit der Gelben Karte in der Hand: "Ich wollte sie eigentlich dem Schiedsrichter zurückgeben - vielleicht nimmt er sie ja beim nächsten Mal wieder."

Während die Fans noch feierten, stapfte der 17‑jährige Martial im Nebel zum Mannschaftsbus, den Schal bis über die Nase gezogen. Man hörte ihn murmeln: "Ich glaub’, ich krieg heute keine Hausaufgaben mehr auf." In Bern wird man ihm das wohl gönnen.

Denn an diesem Abend hat ein Teenager gezeigt, dass Mut und Unbekümmertheit manchmal mehr wert sind als Erfahrung und Ballbesitz. Und im Wankdorf wird man noch lange sagen: Das war der Abend, an dem Anthony Martial erwachsen wurde.

10.04.643987 03:45
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Die Flanken von außen sind auch Roberto Carlos und Cafu denen ihre Spezialität.
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