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Wenn 41.463 Zuschauer an einem kalten Januarabend ins Wankdorf kommen, dann wissen sie: Es wird laut, es wird wild - und meistens liefert Gelb-Schwarz Bern. So auch an diesem 6. Spieltag der 1. Liga Schweiz, als die Berner den SC Basel in einem 3:2-Krimi niederkämpften. Ein Spiel, das alles hatte: frühe Tore, flatternde Nerven, gelbe Karten - und ein Trainerduell, das an der Seitenlinie fast so emotional war wie auf dem Rasen. Der Abend begann, bevor Basel überhaupt wusste, dass er begonnen hatte. Vier Minuten waren gespielt, da stürmte Claude Buffett - nein, nicht der Sänger, sondern der Linksaußen - nach einem feinen Pass von Raphael Frey auf das Tor zu und schlenzte den Ball ins rechte Eck. 1:0. Die Basler Abwehr wirkte in dem Moment so überrascht, als hätte sie gerade erfahren, dass Winter wirklich kalt ist. Und bevor man sich auf Basler Seite sortiert hatte, klingelte es erneut: In der 11. Minute drosch Boris Michailow nach Vorlage von Stephan Hartmann den Ball unter die Latte. 2:0. Der Jubel in Gelb-Schwarz tobte, Trainer Bjarne Berntsen drehte sich zur Bank und grinste: "Ich sag’s euch, das war so nicht geplant - aber ich nehme es!" Basel aber wäre nicht Basel, wenn es sich damit abgefunden hätte. In der 25. Minute antwortete Michele Del Carretto, der mit seiner eleganten Mischung aus Wucht und Wagemut das Spiel an sich riss. Nach einem schnellen Angriff über die linke Seite, eingeleitet vom flinken Arnaud Dewaele, bugsierte er den Ball ins Netz. Nur noch 2:1, und plötzlich war die Partie wieder offen. "Wir wussten, dass Bern nicht ewig so effizient bleibt", meinte Basels Coach Joschi Du später mit einem schmalen Lächeln. Zur Pause führte Bern, aber Basel hatte schon mehr Schüsse aufs Tor (7:6) und mehr Wut im Bauch. Nach dem Seitenwechsel drückten die Gäste weiter, die Berner verlegten sich aufs Kontern. Arnaud Dewaele, der schon das erste Tor vorbereitet hatte, belohnte sich in der 66. Minute selbst - flach, präzise, unhaltbar. 2:2. Es war der Moment, in dem die Partie endgültig zu kippen drohte. Doch dann kam Louis Otto. Der unscheinbare zentrale Mittelfeldmann, meist der Mann für die stillen Kilometer, hatte in der 74. Minute plötzlich den Mut, einfach mal draufzuhalten - und traf. Hartmann hatte wieder einmal den entscheidenden Pass gespielt, und Otto erzählte nach dem Spiel lachend: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hatte wohl andere Pläne." 3:2, und das Stadion bebte. Basel warf nun alles nach vorne, wechselte in der 90. Minute gleich dreifach. Der 17-jährige Sean Wiltshire durfte noch ein paar Grashalme schnuppern, ebenso die Youngster Jannis Fuhrmann und Lorenzo Wijmeersch. Die drei Jugendlichen wirkten, als überlegten sie, ob sie nach dem Schlusspfiff noch Hausaufgaben machen müssen. Basel drückte, hatte am Ende 13 Torschüsse zu Berns 10 und 46 Prozent Ballbesitz - aber das Runde wollte einfach nicht mehr ins Eckige. "Wir haben eigentlich alles richtig gemacht, außer das Toreschießen", knurrte Basels Kapitän Luke Neville, der mit zwei satten Distanzschüssen seinen Frust schon während der Partie sichtbar gemacht hatte. Berntsen dagegen war die Freude ins Gesicht gemeißelt: "Das war ein Sieg des Willens. Und vielleicht auch des Glücks, aber das zählt ja bekanntlich doppelt." Die Statistik untermauert, was alle gesehen haben: Bern war nicht die dominantere, aber die cleverere Mannschaft. Basel presste spät, spielte mutig über die Flügel, doch Berns Balance zwischen Risiko und Ruhe zahlte sich aus. Drei gelbe Karten für die Berner - Squillace, Castel und Charpentier - zeugen davon, dass man notfalls auch rustikal verteidigen konnte. Als der Schlusspfiff ertönte, sank Berntsen in die Arme seines Co-Trainers, während Joschi Du mit verschränkten Armen Richtung Kabine stapfte. Ein Reporter fragte ihn, ob er wütend sei. "Nein", sagte Du, "nur leicht allergisch gegen Effizienz." Vielleicht war das das treffendste Fazit dieses Abends. Bern schoss, Basel ballerte - und am Ende siegte die Mannschaft, die ihre Chancen nicht suchte, sondern fand. Und irgendwo in der Berner Kabine summte Claude Buffett leise vor sich hin. Nicht den Blues, aber etwas, das verdächtig nach einem Siegeslied klang. 17.03.643987 23:24 |
Sprücheklopfer
Weil, der Trainer braucht jetzt Spieler mit harten Eiern.
Jan-Aage Fjörtoft auf die Frage, warum er beim nächsten Spiel aufgestellt werden sollte