La Razon
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Belgrano zerlegt San Lorenzo: 5:0-Demonstration in Buenos Aires

Ein lauer Samstagabend, 48.858 Zuschauer im Estadio Pedro Bidegain - und am Ende ein Spiel, das für die Heimfans von Ciclon San Lorenzo eher zur kathartischen Erfahrung wurde. Denn was CA Belgrano da beim 5:0 (1:0) aufführte, war weniger Fußball, mehr chirurgische Präzision. "Wenn du so spielst, kannst du eigentlich gleich die weißen Kittel anziehen", grinste Belgrano-Coach John Lock nach dem Schlusspfiff.

Dabei fing alles harmlos an. Die ersten 20 Minuten plätscherten dahin, San Lorenzo versuchte, mit 39 Prozent Ballbesitz wenigstens so zu tun, als sei es ein ausgeglichenes Spiel. Dann aber kam Minute 21: Vincent Adao, ein Innenverteidiger mit der Schusstechnik eines Mittelstürmers, stieg nach einer Ecke von Vicente Morais am höchsten - 0:1. Trainer Eiko Henke schüttelte an der Seitenlinie nur den Kopf. "Wir haben’s ja trainiert", murmelte er später, "aber offenbar im falschen Tor."

Belgrano blieb derweil eiskalt. 13 Torschüsse, 61 Prozent Ballbesitz, kaum Hektik - es war, als hätten sie einen Autopiloten namens "Offensive" eingeschaltet. Lock ließ seine Mannschaft in gewohnt offensiver Ausrichtung auftreten, ohne wildes Pressing, aber mit messerscharfem Passspiel. "Wir haben die Lücken gesehen und genutzt", erklärte Amaury Gutierre, der später noch zwei Assists beisteuern sollte.

San Lorenzo dagegen suchte verzweifelt nach Struktur. Bram Vischspoel mühte sich vorne redlich, Lionel Hermenegildo rannte unermüdlich, doch der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Sechs Schüsse - einer gefährlich. Der Rest? Statistische Folklore. Als der Halbzeitpfiff kam, wirkte das Publikum wie zwischen Wut und Galgenhumor gefangen. Ein älterer Herr auf der Tribüne rief: "Gebt ihnen doch wenigstens ein Tor zum Mitnehmen!"

Nach dem Seitenwechsel versuchte Henke, mit Mut zu reagieren. "Wir wollten höher stehen und das Spiel drehen", sagte er - und meinte es wohl ernst, bis Alexandre Lacazette, 17 Jahre jung, in der 68. Minute eiskalt zum 0:2 traf. Vorlage: Jordi Alcantara. Der Teenager drehte jubelnd ab, während die heimischen Verteidiger sich fragend ansahen, wer diesen Jungen eigentlich decken sollte.

Danach brach alles zusammen. Inigo Allegri erhöhte nach feinem Zuspiel von Nuno Domingos auf 0:3 (82.), Vicente Morais nickte nach einem Freistoß von Gutierre zum 0:4 ein (89.) - und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, setzte Diego Bermudez in der 90. Minute den Schlusspunkt. Wieder Gutierre als Vorlagengeber, wieder Applaus aus dem Gästeblock, diesmal laut und unüberhörbar.

"Wir wollten den Ball einfach laufen lassen", erklärte Bermudez mit einem Grinsen, "und San Lorenzo hat ihn uns freundlicherweise immer wieder gegeben." Sarkasmus oder ehrliche Verwunderung - man wusste es nicht so genau.

Zwischen den Toren versuchte San Lorenzo tapfer, die Kontrolle zurückzugewinnen. Eri Raab, gerade 19, kam für den enttäuschenden Hermenegildo, zeigte aber mehr Nervosität als Wirkung. Thierry Lachance kassierte in der Nachspielzeit Gelb, kurz darauf verletzte sich auch noch Alejandro Pacos - sinnbildlich für einen Abend, an dem nichts gelingen wollte.

"Das war Lehrgeld in Reinform", sagte Coach Henke nach dem Abpfiff und zog sein Basecap tief ins Gesicht. "Wir müssen wieder lernen, dass Fußball kein Wunschkonzert ist." Sein Gegenüber Lock konterte mit britischem Humor: "Ich finde, es war ein sehr harmonisches Konzert - wir haben die Melodie gespielt, San Lorenzo hat zugehört."

Statistisch untermauert war der Klassenunterschied ohnehin: Belgrano mit 61 Prozent Ballbesitz, einer Zweikampfquote von über 53 Prozent und einer Passsicherheit, die an eine Choreographie erinnerte. San Lorenzo hingegen: viel Einsatz, wenig Struktur, vier Gelbe Karten und ein Publikum, das sich am Ende fast schon in Galgenhumor rettete.

Als die Spieler in die Katakomben verschwanden, rief ein Fan: "Henke, bring wenigstens die Trikots zurück!" - Gelächter, Pfeifen, Applaus. In Buenos Aires weiß man schließlich, wie man mit Schmerz umgeht: mit Ironie.

Und Belgrano? Die Cordobeser reisen mit breiter Brust ab - fünf Tore, fünf verschiedene Torschützenbeteiligungen, kein Gegentreffer. "Wir haben gezeigt, dass Offensivgeist nicht nur schön aussieht, sondern auch Punkte bringt", sagte Lock zum Abschied.

Vielleicht war das Spiel ja kein Debakel, sondern eine Therapie. Für San Lorenzo eine schmerzhafte, für Belgrano eine wohltuende. Und für die Zuschauer ein Abend, den sie so schnell nicht vergessen werden - egal, ob sie wollten oder nicht.

10.04.643994 17:01
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