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Ein lauer Sommerabend in Santa Fe, 36.540 Zuschauer im Estadio Brigadier López, der Duft von Asado in der Luft - alles war angerichtet für einen dieser argentinischen Fußballabende, an denen Leidenschaft und Chaos oft Hand in Hand gehen. Nur: Tore gab es kaum. Genau genommen nur eines. Und das fiel früh - in der 11. Minute, ausgerechnet, als die meisten Fans von CD Colon gerade ihr zweites Bier öffneten. Amaury Gutierre von CA Belgrano, ein Mittelfeldmann mit mehr Lunge als Frisur, fasste sich nach einem Kurzpass seines Innenverteidigers Vincent Adao ein Herz. Ein trockener Schuss aus knapp 20 Metern, halbhoch links - Colon-Keeper Roberto Espinosa streckte sich, sah aber nur die Flugbahn. 0:1, und das sollte es bleiben. "Wir wollten früh Druck machen und sie hinten reinpressen, aber Colon stand wie eine Wand aus Beton", grinste Belgrano-Coach John Lock nach dem Spiel. "Zum Glück hat Amaury Beton mit Dynamit verwechselt." Das frühe Tor stellte die Weichen - und Belgrano diktierte fortan das Geschehen. Satte 19 Torschüsse feuerten die Gäste ab, während Colon nur zweimal wirklich gefährlich wurde. Das klingt nach Einbahnstraßenfußball, doch das war es nicht ganz. Colon-Trainer Sandro Felipe hatte seine Mannschaft defensiv ausgerichtet, auf Konter lauernd. In der Theorie ein Plan, in der Praxis sah es eher nach einer Übungseinheit im Bällewegschlagen aus. "Wir wollten sie locken", erklärte Felipe hinterher und zog ein Gesicht, das nach mehr Frust als Philosophie aussah. "Leider sind sie nicht drauf reingefallen. Und wenn du den Ball nicht hast, kannst du ihn auch schlecht ins Tor schießen." Tatsächlich hatte Colon mit knapp 50 Prozent Ballbesitz (49,9 %) fast Gleichstand, aber was sie daraus machten, war so harmlos wie ein Chihuahua mit Maulkorb. Ruben Etxebarria versuchte es in der 35. Minute und kurz vor Schluss in der Nachspielzeit noch einmal - beide Male flog der Ball in die Richtung der Stadionuhr, die daraufhin wohl aus Mitleid zwei Minuten nachging. Belgrano dagegen kombinierte munter, hatte Chancen im Minutentakt: Nuno Domingos prüfte Colon-Keeper Espinosa früh (1., 9., 15., 25. Minute), Özer Adin tanzte sich mehrfach über rechts in den Strafraum (5., 10., 26., 38., 43.), und selbst Innenverteidiger Adao versuchte sich mit einem wuchtigen Kopfball (36.). Der Ball wollte einfach kein zweites Mal ins Netz. "Wir hätten 4:0 gewinnen müssen", schimpfte Özer Adin nach Abpfiff, noch mit Grasflecken auf der Hose. "Aber vielleicht war der Ball heute auch einfach auf Diät." Als der Schiedsrichter die Nachspielzeit anzeigte, wechselte Belgrano noch dreimal - vermutlich, um die Uhr zu töten. Xabier Alvarez kam für den ausgepumpten Nuno Domingos, Filipe Costa für Maxime Van Gheem, und Andres Quevedo ersetzte Rutger Henriksson. Drei frische Beinepaare für fünf Minuten Fußball - John Lock grinste: "Das nennt man modernes Zeitmanagement." Colon versuchte es noch einmal mit einem letzten langen Ball von Valente auf Etxebarria - ein verzweifelter Versuch, der von Belgranos Torwart Dimas Hermenegildo abgefangen wurde. Der Schlussmann hatte über 90 Minuten wenig zu tun, aber immerhin durfte er ein Mal spektakulär fliegen, als der Ball über die Latte strich. Danach pfiff der Schiedsrichter ab, und der Jubel der Gäste klang wie Erlösung. "Ein verdienter Sieg, aber kein leichter", resümierte Goalgetter Gutierre. "Colon hat uns keine Räume gegeben. Das war wie Schach - nur mit mehr Schweiß." Statistisch lässt sich das Spiel simpel zusammenfassen: 19 Torschüsse zu 2, 57,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Belgrano, und ein Tor, das in die Rubrik "früh entschieden" fällt. Taktisch blieb Lock seiner Linie treu - ausgewogen, geduldig, kein übertriebenes Pressing. Colon dagegen verteidigte tief, spielte kurze Pässe und hoffte auf Konter, die nie kamen. Als die Fans nach dem Schlusspfiff ihre roten Fahnen einrollten, hallte noch ein spöttischer Kommentar eines Colon-Anhängers durch die Ränge: "Wir haben heute fast getroffen - den Himmel, mindestens zweimal!" Das Fazit des Abends: Belgrano gewinnt verdient mit 1:0, Colon kämpft tapfer, aber ohne Durchschlagskraft. Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Tore, sondern wegen seiner Ironie: Wer alles richtig machen wollte, verlor trotzdem. Oder, wie Trainer Felipe es mit einem Schulterzucken ausdrückte: "Manchmal ist Fußball eben wie das Leben - du machst dein Bestes, und am Ende jubelt der andere." 22.02.643987 06:45 |
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