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Wer am 2. Januar ins Estadio Gigante de Alberdi gekommen war, bekam für sein Eintrittsgeld mehr geboten, als so mancher Streamingdienst im Monat verspricht. 41.292 Zuschauer sahen beim 6:2 (3:2) von CA Belgrano gegen Esgrima de Jujuy ein Spiel, das irgendwo zwischen Spektakel, Slapstick und Lehrbuch-Offensive pendelte. Trainer John Lock grinste nach dem Abpfiff: "Wir wollten mutig sein - aber dass es so ein Feuerwerk wird, war nicht im Plan." Schon nach fünf Minuten ging’s los. Nuno Barros, Belgranos bulliger Mittelstürmer, nahm einen perfekten Pass von Amaury Gutierre auf, drehte sich wie ein Tänzer auf Parkett und drosch den Ball unhaltbar ins rechte Eck. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Barros später trocken - und das war wohl die ehrlichste Analyse des Abends. Doch Belgrano beließ es nicht beim Vorsprung. In Minute 25 legte Nuno Domingos nach, nachdem der junge Marco Espriu über links eine butterweiche Flanke serviert hatte. 2:0 - die Tribünen bebten, und einige Fans sangen bereits von der Tabellenführung. Dann, kurz vor der Pause, wurde es wild. Erst verkürzte Asier Linares für Esgrima in der 42. Minute, mit einem Schuss, der Torwart Dimas Hermenegildo nur hinterherschauen ließ. Eine Minute später glich Joao Maniche nach Vorlage von Duarte Viana aus, und plötzlich stand es 2:2 - aus dem Nichts. Coach Andreas Bucksch der Gäste gestikulierte wie ein Dirigent in der Oper, seine Spieler wirkten, als hätten sie gerade entdeckt, dass Fußball auch Spaß machen kann. Doch der Spaß währte kurz. Keine 60 Sekunden später drosch Amaury Gutierre den Ball aus 20 Metern unter die Latte - 3:2 für Belgrano. "Ich hab gesehen, dass der Torwart zu weit vorne stand", grinste Gutierre. "Ich wollte ihn nur ein bisschen ärgern." Mission erfüllt. Die zweite Hälfte begann mit einer Verletzung: Jujuy-Verteidiger Andres Caballero musste nach einem Zweikampf humpelnd runter, für ihn kam Andreas Bjerg. Bucksch tröstete ihn väterlich: "Er hat wenigstens einen Rasenfleck als Souvenir." Belgrano hatte da schon wieder den Turbo gezündet. In der 54. Minute schob Linksverteidiger Maxime Van Gheem nach feinem Zuspiel von Özer Adin den Ball ins Netz - 4:2. Ein Verteidiger! Ein Tor! Das Publikum tobte. Sieben Minuten später sah Innenverteidiger Ashton Preston Gelb - vermutlich aus purer Langeweile, weil er sonst nichts zu tun hatte. Dann kam Hugo Mocana, der rechte Außenverteidiger, in der 70. Minute nach einem energischen Vorstoß zum Abschluss. Sein Schuss schlug ein wie ein Neujahrsböller - 5:2. "Ich wollte eigentlich flanken", gab er später lachend zu. Damit nicht genug: In der 73. Minute machte Rutger Henriksson den Deckel drauf. Nach feinem Zuspiel von Espriu versenkte der Schwede eiskalt - 6:2. "Ich hab gar nicht gemerkt, dass Marco mir den Ball gegeben hat", sagte Henriksson schmunzelnd, "ich hab einfach auf Verdacht geschossen." Trainer Lock wechselte daraufhin gleich dreimal, wohl mehr zum Applaudieren als aus taktischen Gründen. Fernando Jordao, Jordi Alcantara und Andres Quevedo kamen - letzterer holte sich kurz darauf noch eine Gelbe Karte ab. "Ich wollte zeigen, dass ich da bin", meinte Quevedo mit einem Augenzwinkern. Statistisch gesehen war das Spiel fast ein Paradox: Jujuy hatte mit 54 Prozent mehr Ballbesitz, aber Belgrano schoss 18-mal aufs Tor - doppelt so oft wie der Gegner. "Wir hatten den Ball, sie die Tore", seufzte Bucksch nach dem Spiel. "Das ist wohl die moderne Definition von Effizienz." Belgranos Zuschauer feierten ihr Team minutenlang, während die Gäste mit hängenden Köpfen in die Kabine schlichen. "Wir haben offensiv gespielt, aber sie waren einfach gnadenlos", sagte Bucksch ehrlich. Am Ende blieb ein Spiel, das mehr Comedy als Taktikunterricht war - aber genau darum lieben wir Fußball. Oder, wie Coach Lock es formulierte: "Wenn du sechs Tore machst, darfst du die Statistik vergessen." Und irgendwo auf der Tribüne soll ein Fan gerufen haben: "So fängt das Jahr gut an!" - Recht hat er. Wenn Belgrano so weitermacht, wird 2026 für die argentinische Liga ein sehr unterhaltsames Jahr. 22.02.643987 06:46 |
Sprücheklopfer
Berti Vogts ist die arme Sau, die von den Medien durchs Dorf getrieben wird.
Rainer Calmund