Sport-Blick
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Basel tanzt Winterthur aus - ein 18-Jähriger schreibt Geschichte

Es war kalt, es war laut - und es war ziemlich einseitig. Der SC Basel hat am 18. Spieltag der 1. Liga Schweiz den SC Winterthur mit 5:1 aus dem eigenen Stadion geschossen. 27.000 Zuschauer froren, jubelten (die Gäste) oder seufzten (die Heimfans) über 90 Minuten, die eher einem Jugend forscht-Finale als einem Ligaspiel glichen. Denn was der 18-jährige Nicolo Corazza da veranstaltete, war schlichtweg jugendliche Unverschämtheit in Reinform. Drei Tore, zwei weitere vorbereitet, ständig in Bewegung - am Ende war er der Alptraum des Winterthurer Torwarts Noah Heine.

Schon in der vierten Minute klingelte es. Willem Tenbrook flankt aus dem rechten Halbfeld, Corazza schraubt sich hoch, köpft über Heine hinweg - 0:1. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", stöhnte Winterthurs Verteidiger Frederic Jacobs später. Es war der Anfang einer Basler Gala, die eher nach Frühjahrsputz als nach Arbeitssieg aussah.

Basel dominierte früh, als hätte jemand den Ballbesitzmodus auf Dauerbetrieb gestellt. 53 Prozent Ballbesitz, 23 Torschüsse - Winterthur kam kaum über die Mittellinie, geschweige denn gefährlich vor Basels Torhüter Damian Martinez. Und wenn doch, dann schien der Ball magnetisch vom Tor weggestoßen zu werden.

Kurz vor der Pause legte Basel nach: Julius Sturm, der Name ist Programm, nahm einen Steilpass von Lorenzo Wijmeersch auf und hämmerte den Ball humorlos zum 0:2 unter die Latte (40.). "Ich hab einfach mal draufgehalten", grinste der 30-Jährige nach dem Spiel. "In dem Alter denkt man nicht mehr lange nach."

Nach dem Seitenwechsel wurde es kurz turbulent. Winterthur versuchte, das Spiel zu drehen, und tatsächlich gelang Harald Sonnenschein in der 60. Minute der Ehrentreffer. Nach feiner Vorarbeit von Swen Wilke bugsierte er den Ball ins lange Eck. "Für einen Moment glaubte ich, jetzt kippt’s", sagte Winterthurs Trainer-Assistent, bevor er seufzend hinzufügte: "Dann fiel das 1:3."

Und das kam postwendend. Corazza, wer sonst, traf in der 66. Minute nach Vorarbeit des 17-jährigen Nelio Barros - das Basler Jugendzentrum scheint derzeit mehr Output zu haben als mancher Industriebetrieb. Nur zehn Minuten später legte der Teenager noch einmal nach, diesmal mit einem flachen Schuss nach Pass von Rechtsverteidiger Jannis Fuhrmann (76.).

Zwischendurch durfte sich auch der 17-jährige Sean Wiltshire in die Torschützenliste eintragen (48.), nachdem er eine Ecke von Michael Singer volley nahm. Der Ball rauschte so präzise ins Netz, dass selbst die Winterthurer Fans kurz applaudierten - höflich, aber ehrlich.

Basel spielte das Ergebnis danach routiniert herunter, als hätten sie ein Handbuch für Lehrspieldemütigungen gelesen. Winterthur rannte, kämpfte, rutschte, bekam Gelb (Jean Michaud, 39.) - und doch blieb es beim 1:5.

Basels Trainer Joschi Du war nach dem Spiel in bester Laune: "Die Jungs haben heute gezeigt, dass sie nicht nur jung, sondern auch frech sind. Und ich mag frech." Auf die Frage, ob er Corazza nach dem Spiel einen Denkzettel verpassen würde - immerhin hatte der Youngster beim dritten Treffer demonstrativ in Richtung Heimkurve gejubelt -, grinste Du nur: "Wenn er weiter so trifft, darf er meinetwegen auch in Richtung Alpen jubeln."

Winterthurs Kapitän Henri Prudhomme dagegen sprach Klartext: "Wir haben uns abkochen lassen. Basel war schneller, wacher, besser - eigentlich alles, was man nicht hören will."

Die Statistik unterstreicht das Debakel: 4 Torschüsse für Winterthur, 23 für Basel, Zweikampfquote 43 zu 57 Prozent - das liest sich wie ein Bewerbungsschreiben für eine andere Liga.

Dass Winterthur in der zweiten Halbzeit zumindest Moral zeigte, war der einzige Trost. In einer Szene brüllte Torwart Heine nach einer Parade: "Jetzt wach werden, Männer!" - und man hätte schwören können, dass sogar die Eckfahne kurz gezuckt hat. Aber Basel blieb unbeeindruckt.

Als der Schlusspfiff ertönte, schlichen die Winterthurer Spieler vom Platz, während die Basler Nachwuchstruppe vor der Gästekurve tanzte. Corazza erhielt den Spielball, steckte ihn sich grinsend unter den Arm und sagte zu einem Reporter: "Ich will nicht übertreiben, aber das war heute ganz okay."

Ganz okay - das war es in der Tat. Für Basel ein Statement, für Winterthur eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass Talent manchmal keine Frage der Erfahrung ist.

Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne sagte, während er sich den Schal enger zog: "Früher war mehr Beton in Winterthur. Heute ist nur noch Durchgangsverkehr."

Und so endet ein Abend, an dem die Jugend Basels das Zepter übernahm - und Winterthur sich fragte, ob man gegen 17-Jährige eigentlich auch eine Altersbeschränkung beantragen kann.

15.08.643987 14:17
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In den ersten Minuten konnte man exakt sehen, was wir vorhatten.
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