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Wenn man sich beim 10. Spieltag der 1. Liga Schweiz ein Fußballspiel wünschte, das alles bietet - Tempo, Tore, Dramatik und ein bisschen Slapstick - dann musste man nur am Samstagabend um 20:30 Uhr im Stadion in Wil sitzen. 33.110 Zuschauer bekamen für ihr Ticketpreis nicht weniger als sechs Treffer, einen verletzten Verteidiger und einen Stürmer, der kaum zu stoppen war: Basels Agemar Eusebio. Der SC Basel gewann beim FC Wil mit 4:2 (2:0) - und das völlig verdient, auch wenn die Statistik auf den ersten Blick anderes suggeriert: Wil hatte mit 53 Prozent leicht mehr Ballbesitz, aber Basel schoss 21-mal aufs Tor, Wil nur achtmal. Und am Ende zählt nun mal, wer das Ding ins Netz befördert. Die Gäste begannen forsch, fast übermütig. Trainer Joschi Du hatte seine Mannschaft auf volle Offensive getrimmt - "Wir wollten von Beginn an zeigen, dass wir nicht zum Käsefondue-Essen hier sind", grinste er nach dem Spiel. Schon in der 12. Minute zahlte sich das aus: Der erst 18-jährige Michael Warriner, rechter Mittelfeldspieler und offenbar ohne Nerven, traf nach Vorarbeit von Yannick Lardenoit zum 1:0. "Ich hab gar nicht nachgedacht", sagte der Teenager später, "ich hab einfach draufgehauen. Vielleicht ist das mein Geheimnis." Wil wankte, aber fiel nicht - noch nicht. Die Hausherren versuchten, über Georges Voss und Linus Miller Ruhe ins Spiel zu bringen, doch Basel blieb bissig. Kurz vor der Pause (43.) dann der nächste Schlag: Eusebio, Basels Rechtsaußen mit der Eleganz eines Tänzers und der Wucht eines Presslufthammers, verwertete erneut eine Vorlage von Lardenoit zum 2:0. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", meinte Eusebio hinterher bescheiden - was ungefähr so glaubwürdig klang wie ein Politiker, der behauptet, kein Handy zu besitzen. Nach der Pause schien Wil entschlossen, das Ruder herumzureißen. Trainer Jens Bauer brüllte an der Seitenlinie: "Mehr Mut, Männer! Die sind auch nur Menschen!" - woraufhin sein Assistent trocken entgegnete: "Aber verdammt schnelle Menschen." Trotzdem kamen die Wiler besser ins Spiel, ohne jedoch die Basler Defensive ernsthaft zu erschüttern. In der 60. Minute nutzte Basel eine Unaufmerksamkeit eiskalt aus: Wieder war es Eusebio, wieder kam der Pass von Lardenoit - 3:0. "Da war das Spiel eigentlich durch", gab Bauer später zu. Doch seine Mannschaft zeigte Moral. Nur fünf Minuten später (65.) gelang Antonio Custodio nach einem Eckball von Archie Satchmore der Anschlusstreffer. Das Stadion erwachte, die Fans rochen ein kleines Wunder. Und tatsächlich: In der 72. Minute legte Custodio nach, diesmal nach feiner Vorarbeit von Alfonso Gonzalo - 2:3! Die Blicke der Basler wurden nervös, Trainer Du rief ständig "ruhig bleiben!" und trat gleichzeitig gegen jede Wasserflasche in Reichweite. Doch bevor es richtig brenzlig wurde, schlug Basel wieder zu. In der 77. Minute stellte Julian Gontan, bedient von Alex Silfredo, den alten Zwei-Tore-Abstand wieder her - 4:2. Der Rest war Schaulaufen, wenn auch mit einer unschönen Szene: Basels junger Verteidiger Berndt Muster verletzte sich in der 86. Minute und musste raus. "Nichts Schlimmes, nur ein Krampf", winkte Joschi Du ab, "aber er wird morgen trotzdem jammern." Wil versuchte zwar noch einmal, mit Antonio Custodio als Dauerläufer in vorderster Front Druck zu machen, doch die Basler Abwehr hielt stand. In der 90. Minute durfte der 18-jährige Jacinto Godinez noch für Xabier Cunha ran - ein symbolischer Moment, vielleicht die nächste Teenie-Sensation in Rot-Blau. Nach dem Schlusspfiff gab’s Applaus von beiden Seiten. "Wir haben gegen eine starke Mannschaft verloren, aber nicht aufgegeben", sagte Jens Bauer. "Und Custodio hätte fast den dritten gemacht - fast." Basel dagegen feierte ausgelassen. Eusebio umarmte Lardenoit, der grinste nur: "Ich mach die Arbeit, er kriegt die Schlagzeilen." So bleibt die Erkenntnis eines intensiven Abends: Der FC Wil hat Herz, aber Basel hat Feuerkraft. Und wenn Eusebio so weitermacht, wird man bald darüber reden, ob er nicht eher in einer größeren Liga tanzen sollte. Oder, wie ein älterer Fan beim Ausgang murmeln hörte: "Schön war’s - aber Basel war heute einfach zu gut. Und zu schnell. Die haben wahrscheinlich schon wieder geduscht, bevor Wil aus der Kabine kommt." 11.09.643990 12:38 |
Sprücheklopfer
Kopfball war für mich immer so etwas ähnliches wie Handspiel.
Günter Netzer