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Ein warmer Frühlingsabend in Basel, 50.175 Zuschauer, Flutlicht, Spannung - und ein SC Basel, der 90 Minuten lang den Ball hatte, aber offenbar vergessen hatte, was man damit tun soll. Am Ende stand ein 1:1 gegen den FC Wil, das sich für die Gäste wie ein Sieg und für die Hausherren wie eine kalte Dusche anfühlte. Schon nach 60 Sekunden war das Basler Stadion verstummt. Wils Linksaußen François Peltier nutzte gleich die erste Aktion des Spiels, um die Basler Defensive in Schockstarre zu versetzen. Ein langer Ball von Innenverteidiger Tomas Valachovic, ein schneller Antritt, ein sauberer Abschluss - 0:1. Während die Basler Hintermannschaft noch über die Anstoßvariante diskutierte, jubelte Wil bereits ausgelassen im Mittelkreis. Trainer Jens Bauer grinste später: "Wir wollten mutig beginnen. Dass es gleich so klappt, war dann fast unhöflich." Basel brauchte ganze 20 Minuten, um sich vom frühen Nackenschlag zu erholen. Danach rollte die Kugel fast nur noch in eine Richtung. Xabier Cunha prüfte Keeper Rene Haas in der 28. Minute, dann wieder in der 31. und 44. Minute - allesamt Chancen, die in der Kategorie "muss man nicht, kann man aber machen" landen. Der Ballbesitz sprach Bände: 54 Prozent für Basel, gefühlt 90. Trainer Joschi Du schlug an der Seitenlinie die Hände über dem Kopf zusammen, als Martin Godino in der 34. Minute aus zehn Metern drüberhämmerte. Die Ironie des Abends: Basel spielte offensiv, aggressiv, mit viel Pressing - und lag trotzdem hinten. In der 37. Minute kam es noch dicker, als Verteidiger Oscar Haddington für ein rustikales Tackling Gelb sah. Als er in der 56. Minute erneut zu spät kam, war der Abend für ihn vorbei. Gelb-Rot, Applaus vom Publikum, ein ironisches Winken in Richtung Schiedsrichter. "Ich wollte nur den Ball spielen", sagte Haddington später mit einem Grinsen, "aber der Ball war halt schon weg." Trotz Unterzahl drückten die Basler weiter. 12 Torschüsse standen am Ende zu Buche, Wil hatte ganze drei - und trotzdem führte das Team aus der Ostschweiz bis tief in die Nachspielzeit. Der junge Ersatzstürmer Julian Gontan, zur Pause für den glücklosen Oscar Mascarenhas gekommen, ackerte vorne wie ein Terrier, bekam aber kaum brauchbare Zuspiele. "Ich hab irgendwann einfach gedacht: Wenn ich den Ball will, muss ich ihn mir selbst holen", erzählte er später. Und genau das tat er. 91. Minute, letzter Angriff. Innenverteidiger Michael Singer - sonst eher für rustikale Grätschen bekannt - schlug einen weiten Pass in den Strafraum. Gontan setzte sich gegen zwei Verteidiger durch und traf per Drehschuss flach ins rechte Eck. 1:1! Das Stadion explodierte. Trainer Du rannte die Seitenlinie entlang, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen. "Ich wusste, dass wir noch kommen", behauptete er anschließend und zwinkerte. "Vielleicht wusste ich’s aber auch nicht." Wil hingegen stand mit hängenden Schultern, aber erhobenem Haupt auf dem Rasen. "Wenn du 90 Minuten führst und dann so einen kassierst, tut’s weh", sagte Torschütze Peltier, "aber ehrlich - Basel war heute einfach zu stark, um das durchzuhalten." Statistisch war der Fall klar: Basel mit 12 Torschüssen, Wil mit 3; Basel mit mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfen, mehr Ideen - aber eben auch mit einem Platzverweis. Dass sie trotzdem noch den Punkt retteten, wirkte fast wie eine Trotzreaktion auf einen dieser Abende, an denen der Fußball einfach nicht fair spielt. Im Presseraum nach dem Spiel herrschte dann fast versöhnliche Stimmung. Joschi Du klopfte Bauer auf die Schulter und meinte: "Ihr habt’s uns heute echt schwer gemacht." Bauer lachte: "Na, das war der Plan. Nur schade, dass er bis zur 91. Minute gehalten hat." Ein Punkt für jeden also. Basel bleibt damit im oberen Tabellendrittel, Wil klettert ein kleines Stückchen aus der Gefahrenzone. Und die Zuschauer gingen nach Hause mit dem Gefühl, ein Spiel gesehen zu haben, in dem alles drin war - Drama, rote Karten, Last-Minute-Tore, und ein bisschen Fußballromantik. Oder, wie ein älterer Fan auf der Tribüne beim Abpfiff sagte: "Früher hätten wir solche Spiele verloren." - "Früher", antwortete sein Sitznachbar trocken, "hat Basel aber auch Tore vor der 91. Minute geschossen." So bleibt’s beim 1:1 - gerecht, spektakulär und irgendwie typisch für einen Fußballabend, an dem der Favorit viel zeigt, aber zu spät trifft. 21.04.643994 08:08 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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