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Wenn 58.673 Zuschauer an einem kalten Februarabend ins St. Jakob-Park pilgern, dann erhoffen sie sich Spektakel. Und genau das bekamen sie: Der SC Basel zerlegte den SC Chiasso mit 4:1, nachdem die Gäste zunächst für einen kurzen Schockmoment gesorgt hatten. Am Ende aber verwandelte sich der Abend in eine rotblaue Gala - angeführt von einem glänzend aufgelegten Ralf Wahl, der gleich dreimal traf. Dabei begann alles so gar nicht nach Basler Plan. Schon in der 5. Minute tauchte Chiassos Louis Erdmann nach einem Steilpass von Alejandro Poncela frei vor Keeper Jacob Neumann auf. Eiskalt schob der Stürmer zum 0:1 ein - und grinste anschließend verschmitzt Richtung Südkurve, als wolle er sagen: "So leicht geht das gegen euch." Basel-Trainer Joschi Du war weniger amüsiert. "Da haben wir kurz geschlafen - oder noch an die Fondue-Pause gedacht", knurrte er später. Doch Basel reagierte, wie man es von einem Spitzenklub erwartet: mit Wut, Wille und Tempo. Immer wieder rissen Lucas Ackland und Willem Tenbrook über die Flügel Löcher in Chiassos Defensive. In der 22. Minute war es dann so weit: Tenbrook flankte scharf von rechts, Ralf Wahl rauschte heran und drosch den Ball volley ins Netz. 1:1 - und der Jubel war eine Mischung aus Erleichterung und Trotz. "Ich hab die Kugel einfach perfekt erwischt", sagte Wahl nach dem Spiel und grinste. "Und Alex Silfredo hat mir vorher noch zugerufen, ich solle endlich was Sinnvolles mit meinen Schuhen anfangen." Das 1:1 zur Pause schmeichelte Chiasso, das zwar leicht mehr Ballbesitz (50,4 Prozent) hatte, aber kaum noch gefährlich vors Basler Tor kam. Die Torschussstatistik sprach schon da Bände: 8:5 für die Hausherren. Nach dem Seitenwechsel kam Basel mit dem Messer zwischen den Zähnen zurück. In der 49. Minute belohnte sich Michele Del Carretto für seine unermüdlichen Läufe: Nach einem klugen Pass von Silfredo schob der Mittelstürmer überlegt zum 2:1 ein. Ab da lief das Spiel nur noch in eine Richtung. "Wir haben den Hebel umgelegt", sagte Trainer Du später mit einem zufriedenen Nicken. "Und zwar so, dass er stecken blieb." Chiasso wirkte zunehmend ratlos. Louis Erdmann, zuvor noch Torschütze, kassierte in der 16. Minute Gelb und lieferte sich danach mehr Wortgefechte mit dem Schiedsrichter als Torschüsse. Trainer Heiko Vogel versuchte von außen zu dirigieren, aber seine Mannschaft blieb blass. "Wir wollten eigentlich offensiv bleiben", erklärte er nach dem Abpfiff. "Aber irgendwann war das wie gegen eine Welle zu schwimmen - und die hieß Ralf Wahl." In Minute 65 machte eben jener Wahl das 3:1 - nach Vorarbeit von Ackland. Nur drei Minuten später legte er sogar noch einen drauf: Diesmal kam der Assist kurioserweise von Innenverteidiger Benjamin Monroe, der nach einer Ecke den Ball per Kopf verlängerte. Wahl stand goldrichtig, nickte ein - und riss die Arme hoch, als hätte er die Meisterschaft entschieden. 4:1, der Hattrick perfekt. "Ich hab selbst kurz überlegt, ob ich jetzt aufhören soll - besser wird’s kaum", scherzte Wahl anschließend. "Aber dann fiel mir ein, dass wir nächste Woche auch noch Punkte brauchen." Sein Trainer konterte mit einem Augenzwinkern: "Wenn er wieder drei schießt, darf er sich den nächsten Spielbericht selbst schreiben." Chiasso hatte am Ende zwar 11 Torschüsse, doch kaum zwingende Chancen. Basel hingegen war mit 16 Abschlüssen und 52,6 Prozent gewonnener Zweikämpfe das klar effizientere Team. Auch taktisch blieb alles wie aus dem Lehrbuch: offensiv, über die Flügel, aggressiv, mit kurzen Pässen - Joschi Dus Handschrift deutlich zu erkennen. Kurz vor Schluss noch ein kleiner Aufreger: Basels Rechtsverteidiger Garritt Cure holte sich in der 71. Minute Gelb ab, angeblich wegen Zeitspiels. "Ich wollte nur den Ball putzen", verteidigte er sich lachend. Der Schiedsrichter sah das anders. Als der Abpfiff ertönte, stand das Stadion Kopf. Basel hatte nicht nur drei Punkte, sondern Selbstvertrauen für eine ganze Rückrunde gesammelt. "Das war ein Statement", meinte Tenbrook in der Mixed Zone. "Und wenn Ralf weiter so trifft, brauchen wir bald einen zweiten Ball - der erste landet ständig im Netz." Ein Abend, der in Basel noch lange besprochen werden dürfte - nicht nur, weil Ralf Wahl Geschichte schrieb, sondern weil der SCB endlich wieder so spielte, wie ihn die Fans lieben: mit Herz, Tempo und einem Schuss Größenwahn. Oder, wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "So macht Fußball wieder Spaß - fast wie früher, nur mit besseren Frisuren." 07.08.643990 13:47 |
Sprücheklopfer
Was der Rudi Bommer heute mit seinen 800 Jahren geleistet hat, war schon phänomenal.
Dragoslav Stepanovic