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Es war ein kalter Januarabend in Amsterdam, aber auf dem Rasen des Johan-Cruyff-Stadions gingen die Temperaturen rasch nach oben. 26.299 Zuschauer wurden Zeugen eines Spiels, das alles bot, was man an einem 13. Spieltag erwarten darf: frühe Dominanz, jugendliche Leichtsinnigkeit, späte Dramatik - und einen Torwart, der am Ende einfach nur die Hände über dem Kopf zusammenschlug. Ayax Amsterdam und der FC Eindhoven trennten sich 2:2 (2:0), und während die Heimfans nach 45 Minuten bereits vom nächsten Kantersieg träumten, wischte Eindhoven-Trainer Andreas Riemann in der Nachspielzeit mit einem wissenden Lächeln den Schweiß von der Stirn. "Ich hab den Jungs in der Pause gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Anstand - oder mit einem Punkt", grinste der Coach später in die Kameras. Dabei sah zunächst alles nach einem gemütlichen Heimabend für Little Joe und sein Ayax-Team aus. Der 17-jährige Juriaan Courtlandt, eigentlich linker Verteidiger, überraschte in der 31. Minute alle - inklusive sich selbst - mit einem satten Linksschuss aus 20 Metern, der unhaltbar im Winkel landete. "Ich wollte eigentlich flanken", gab der Teenager ehrlich zu. "Aber wenn der Ball schon mal da reingeht, sag ich natürlich nicht nein." Nur sieben Minuten später erhöhte der erfahrene Mittelstürmer Slaven Tapalovic nach feiner Vorarbeit von Rutger Schaffer auf 2:0. Das Publikum jubelte, die Ersatzbank tanzte, und Little Joe klopfte zufrieden auf sein Notizbuch. "Wir hatten alles im Griff", seufzte er nach dem Spiel. "Bis wir dachten, dass das Spiel nur 45 Minuten dauert." Denn nach der Pause drehte Eindhoven auf - und wie! Zwar zeigte sich die Statistik mit 50,06 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen gegenüber 11 von Ayax nur leicht zugunsten der Gäste, doch die zweite Halbzeit war einseitig. Der junge Pauel Veeder kam nach der Verletzung des Routiniers Simone Laino (32. Minute) ins Spiel und brachte frischen Wind über die linke Seite. Tiago Velez war es schließlich, der in der 74. Minute den Anschlusstreffer erzielte, nach präziser Vorlage von Jose Maria Arias. Plötzlich wackelte Ayax. Die einst souveräne Defensive - wenn man 17-Jährige als "souverän" bezeichnen darf - verlor die Ordnung. Hansen Houghtailing, der bereits früh Gelb gesehen hatte, wirkte zunehmend nervös. In der 80. Minute musste Tapalovic verletzt runter, und Ersatzmann Rafael Barros fand sich in einer ungewohnten Rolle wieder. "Ich bin Stürmer, kein Sanitäter", scherzte er später, nachdem er minutenlang an der Seitenlinie gestanden hatte, während Tapalovic behandelt wurde. Und dann kam die Nachspielzeit - jene grausame Phase, in der Fußballspiele ihre Moraltests schreiben. Eindhoven drückte, Ayax betete. In der 91. Minute zirkelte Arias, der Mann mit der Ausdauer eines Marathonläufers, den Ball nach Zuspiel von Jordi Roy aus 18 Metern ins Netz. 2:2. Stille im Stadion. Nur Riemann sprang wie ein Kind an Weihnachten über die Seitenlinie. "Das war pure Energie", schwärmte Arias nach dem Abpfiff. "Ich hab gar nicht gesehen, dass der Ball drin war. Ich bin einfach gelaufen. Und dann war’s laut." Die Statistik bestätigte das Gefühl: Eindhoven hatte nicht nur mehr Torschüsse, sondern auch etwas mehr Zweikampfstärke. 50,46 Prozent gewonnene Duelle - ein Wimpernschlag, aber in einem solchen Spiel von Bedeutung. Ayax-Coach Little Joe versuchte nach Abpfiff Fassung zu bewahren: "Wenn man 2:0 führt, darf man das nicht herschenken. Aber meine Jungs sind jung, sie lernen noch. Vielleicht lernen sie auch, dass ein Spiel länger als 75 Minuten dauert." Während Eindhoven jubelte, saßen die Amsterdamer Spieler noch minutenlang auf dem Rasen, als hätten sie gerade erfahren, dass das WLAN ausgefallen ist. Besonders bitter: Courtlandt, der Held der ersten Halbzeit, stand mit leerem Blick am Mittelkreis. "Fußball ist manchmal gemein", murmelte er. So endet ein Spiel, das exemplarisch zeigt, warum man Fußball liebt - und gleichzeitig hasst. Zwei Tore, zwei verschenkte Punkte, zwei Trainer mit völlig unterschiedlicher Mimik. Oder, wie ein Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Ich wollte eigentlich nur ein ruhiges 2:0 sehen - jetzt brauch ich erst mal Baldrian." Ayax Amsterdam 2, FC Eindhoven 2. Ein Ergebnis, das so gerecht wie grausam ist. Und eines, das der 13. Spieltag wohl kaum besser hätte schreiben können. 07.06.643987 01:25 |
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