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Ein kühler Märzabend, Flutlicht, 27.000 Zuschauer im Johan-Cruyff-Stadion und ein Spiel, das alles hatte: Tempo, Tore, Gelbe Karten und einen 17-jährigen Matchwinner, der die Fußballromantik wiederbelebt. Ayax Amsterdam bezwang ASOT Utrecht mit 3:2 (1:0) und bewies einmal mehr, dass Fußball nicht immer gerecht, aber dafür herrlich unterhaltsam sein kann. Von der ersten Minute an war klar: Utrecht kam nicht zum Sightseeing. Trainer Silencio Stilloliv hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt - Flügelspiel, lange Bälle, starkes Pressing. Ayax dagegen blieb, wie es seine Taktik verriet, "balanciert" - kein wildes Pressen, kein Harakiri, einfach gepflegter Ballbesitz und gelegentliche Ausflüge nach vorn. Doch dann kam die 18. Minute: Frenkie de Jong, der blutjunge Mittelfeldspieler, spielte einen butterweichen Pass in den Lauf von Hans Stahl. Der Routinier nahm Maß, ließ Torwart Scifo keine Chance - 1:0! Das Stadion bebte, und Stahl grinste später: "Ich dachte erst, ich bin zu alt für Sprints. Aber dann fiel mir ein, dass ich ja nur 31 bin." Utrecht zeigte sich unbeeindruckt. Der flinke Barend Dorland prüfte Keeper Coluna bereits in der 21. Minute mit einem strammen Schuss, und kurz darauf rauschte ein Versuch von Noe de Freitas nur Zentimeter am Pfosten vorbei. Die Gäste gaben den Ton an, Ayax hielt mit Routine dagegen. Es war ein Spiel wie ein Armdrücken im Regen - keiner wollte nachgeben, aber beide rutschten ständig ab. Zur Pause stand es 1:0 für die Hausherren, doch die Statistik sprach eine andere Sprache: 7:3 Torschüsse für Utrecht, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen. Trainer Stilloliv rief in der Kabine: "Wir verlieren das hier nicht, außer wenn ihr alle aufhört zu denken!" - wie sich später zeigte, dachte Dorland sehr wohl weiter. Die zweite Halbzeit begann furios. In der 57. Minute belohnte sich Utrecht endlich: Dorland traf nach feinem Zuspiel von Van Keuren zum Ausgleich. Acht Minuten später legte der Stürmer erneut nach - wieder Dorland, diesmal nach Pass von Noach Schaffer. 1:2! Auf der Ayax-Bank sah man plötzlich hektisches Gestikulieren, und ein Balljunge flüsterte: "Der Trainer schwitzt mehr als die Spieler." Doch Hans Stahl hatte offenbar etwas dagegen, als tragische Figur in die Statistik einzugehen. Nur drei Minuten nach dem Rückstand, in der 68. Minute, schlug er zurück. Nach Vorarbeit des jungen Rutger Schaffer donnerte er den Ball aus 18 Metern ins rechte Eck - 2:2. "Ich wollte eigentlich flanken", witzelte Stahl später. "Aber der Ball hat sich umentschieden." Das Spiel stand auf Messers Schneide. Utrecht drängte, schoss, rannte - insgesamt zwölf Torschüsse standen am Ende auf ihrem Konto -, doch Ayax konterte clever. In der 76. Minute dann der Moment, der das Stadion endgültig elektrisierte: Der 17-jährige Frenkie de Jong, bisher eher als Taktgeber aufgefallen, stürmte nach feinem Pass von Miguel Custodio in den Strafraum und schob eiskalt ein. 3:2! Der Jüngste auf dem Feld mit der reifsten Aktion des Abends. "Ich hab einfach draufgehalten", sagte de Jong mit roten Wangen nach dem Spiel. "Ich wusste gar nicht, dass ich so cool bin." Stahl, sein Doppel-Torschütze-Kollege, grinste: "Wenn der Junge so weitermacht, bin ich bald Kommentator." Utrecht warf in den letzten Minuten alles nach vorn. Schaffer, Van Keuren und Knickerbacker feuerten aus allen Lagen, doch Ayax-Keeper Coluna hielt, was zu halten war. In der 86. Minute sah Utrechts Linksverteidiger Hanson Buckhout noch Gelb - sinnbildlich für den Frust eines Spiels, das sie hätten gewinnen können. Statistisch gesehen hätte Utrecht das Spiel vielleicht verdient gehabt: 51 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse, mehr Zweikämpfe gewonnen. Aber Fußball ist nun mal kein Schönheitswettbewerb. "Wir haben’s mit Stil verloren", knurrte Stilloliv nach dem Abpfiff. "Aber wer Stil hat, gewinnt selten Punkte." Ayax-Coach - der sich lieber im Hintergrund hielt - fasste es trocken zusammen: "Wir haben drei Chancen mehr genutzt. Mehr muss man nicht sagen." Und tatsächlich, das war die nüchterne Wahrheit dieses wilden Abends. Als das Flutlicht langsam erlosch und die Fans noch immer de Jong sangen, schien es, als hätte Amsterdam einen neuen Liebling. Der Teenager, der mit einem Pass das Spiel eröffnete und mit einem Tor beendete, war die Geschichte des Abends. Und irgendwo auf der Tribüne konnte man Hans Stahl murmeln hören: "Na gut, wenn er mich beerbt, dann wenigstens würdig." Ein Abend, an dem Erfahrung und Jugend ein perfektes Duo bildeten - und Utrecht trotz allem nur die Rolle des unglücklichen Statisten blieb. 03.09.643993 02:41 |
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Ich grüße meine Mama, meinen Papa und ganz besonders meine Eltern.
Mario Basler