// Startseite
| World Soccer |
| +++ Sportzeitung für internationale Wettbewerbe +++ |
|
|
|
Ein eisiger Jännerabend, 29.824 Zuschauer im Stadion, und dennoch brannte der Rasen in Klagenfurt lichterloh. Austria Klagenfurt spielte sich beim 7:2 (4:1) gegen Pacos de Ferreira in einen wahren Offensivrausch - so als hätte Trainer Rol Puk seine Mannschaft vor dem Spiel in Energydrink gebadet. Die Portugiesen dagegen wirkten, als hätten sie den Flugplan verwechselt und seien versehentlich bei einem Benefizspiel für müde Beine gelandet. Schon in der Anfangsphase war klar: Hier würde es keine taktische Schachpartie geben, sondern ehrlichen, ungebremsten Offensivfußball. Die Kärntner stürmten los, als ginge es um ihr Leben, und nach zwanzig Minuten explodierte das Stadion zum ersten Mal. Niko Ledig, der 32-jährige Linksaußen, netzte nach feinem Zuspiel von Andreas Meissner ein. Kaum hatte der Stadionsprecher den Torschützen fertig ausgesprochen, zappelte der Ball schon wieder im Netz - diesmal war es Gerhard Jung, der nach Vorarbeit von erneut Meissner auf 2:0 erhöhte. "Ich habe einfach geschossen, weil ich dachte, schlimmer kann’s nicht werden", grinste Jung danach, als wäre ihm das 25-Meter-Geschoss selbst ein bisschen peinlich. Der Reporter neben ihm nickte nur ehrfürchtig. Pacos de Ferreira versuchte dann, Ordnung in das Chaos zu bringen, doch Klagenfurt hatte Blut geleckt. Wieder Ledig, diesmal nach einem Eckball von Tyler Almond, erhöhte auf 3:0. Der Mann scheint den Strafraum inzwischen zu besitzen - Pachtvertrag bis 2030 inklusive. Erst als die Heimfans bereits überlegten, ob sie sich eine zweite Bratwurst holen sollten, meldeten sich die Gäste. Linksverteidiger Juan Pablo Semprun - ja, ein Verteidiger! - drosch die Kugel nach Vorarbeit von Stürmer Travassos in den Winkel. Ein Traumtor, das kurz Hoffnung weckte. Die währte ganze 60 Sekunden, dann köpfte Pierre Hamann nach einer Hereingabe von Jung das 4:1. Die Frage nach der Siegerseite war damit spätestens zur Pause beantwortet. Trainer Rol Puk analysierte später trocken: "Wir wollten früh klarstellen, dass der Wörthersee heute nur in einer Richtung Wellen schlägt." Sein portugiesischer Kollege Pig Pig - der Name allein klingt nach Comicfigur, aber das Spiel seines Teams war leider kein Spaß - sah es ähnlich resigniert: "Wir haben defensiv gespielt wie Touristen beim Strandfußball." Nach dem Seitenwechsel kam Pacos immerhin mutiger aus der Kabine. Filipe Oliveira traf nach schöner Vorarbeit von Lionel Ronaldo (nein, nicht der!) zum 4:2, und kurz flackerte so etwas wie Spannung auf. Doch dann machte Klagenfurt ernst: Meissner, der 20-jährige Wirbelwind auf rechts, machte in der 63. Minute den Sack zu. Nach Pass von Timo Michels schob er überlegt ein. Von da an verwandelte sich das Spiel in eine Gala. Sergio Bischoff durfte in der 82. Minute nach Vorarbeit von Jung auch noch jubeln, ehe Meissner in der 89. Minute mit seinem zweiten Treffer das Ergebnis endgültig in die Geschichtsbücher brannte. 7:2 - eine Zahl, die auf der Anzeigetafel fast unverschämt blinkte. Statistisch war es ein Spiel auf Augenhöhe, zumindest wenn man nur den Ballbesitz betrachtet (50,8 zu 49,2 Prozent). Doch in Wahrheit war der Unterschied so groß wie die Alpen zu einem Maulwurfshügel. 18 Torschüsse Klagenfurts standen sechs der Gäste gegenüber, und die Zweikampfquote von 54 Prozent sprach ebenfalls Bände. "Wir hätten noch drei machen können", meinte Niko Ledig nach dem Spiel mit einem Grinsen, das irgendwo zwischen Zufriedenheit und Übermut pendelte. "Aber man soll ja nicht unhöflich sein." Und Publikumsliebling Meissner, der mit zwei Toren und zwei Assists glänzte, ergänzte: "Ich wollte eigentlich nach dem ersten schon raus, aber der Trainer hat mir verboten, das Stadion zu verlassen." Rol Puk stand daneben, lachte und klopfte ihm auf die Schulter. "Das nächste Mal darfst du in der 90. gehen - wenn du drei gemacht hast." Am Ende blieb ein Abend, der in Klagenfurt wohl noch lange erzählt wird. Ein Spiel, das mehr Festival als Fußball war - mit Toren, Tempo und einer Prise Selbstironie. Oder, wie ein älterer Fan beim Hinausgehen murmelte: "Schön war’s. Aber jetzt müssen sie nur noch lernen, wie man so was in der Liga wiederholt." Ein sarkastisches Schlusswort? Bitte: Wenn Austria Klagenfurt so weitermacht, sollte die UEFA bald über eine eigene Kategorie nachdenken - die "Überqualifikation zur Qualifikation". 16.03.643987 11:45 |
Sprücheklopfer
Im Vergleich zu den Artikeln, die sie schreiben, sind die Märchen aus Tausendundeiner Nacht empirische Untersuchungen.
Christoph Daum über türkische Sportjournalisten