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Ein lauer Abend in Guayaquil, 49.097 Zuschauer, ein Anpfiff um Punkt 20 Uhr - und nach 90 Minuten wusste niemand so recht, ob er gerade einem Fußballspiel oder einer Lehrstunde im Offensivspiel beigewohnt hatte. Atletico Enelec fegte am 10. Spieltag der 1. Liga Ecuador den bedauernswerten Klub Olmedo mit 5:0 vom Platz. Und das Ergebnis ist, man glaubt es kaum, noch schmeichelhaft. Dabei begann alles ganz harmlos. Olmedo, offensiv ausgerichtet laut Taktikzettel, wirkte zu Beginn immerhin bemüht. 53 Prozent Ballbesitz zeugen davon, dass sie tatsächlich den Ball hatten - nur leider nie dort, wo es gefährlich wurde. Zwei kümmerliche Torschüsse in 90 Minuten sind der traurige Beleg. "Wir wollten mutig sein", murmelte Olmedos Trainer nach Abpfiff, während er mit leerem Blick auf die Anzeigetafel starrte. "Aber irgendwann schien der Ball magnetisch zu Postiga gezogen." Fernando Postiga - 24 Jahre jung, rechte Seite, läuferisch ein Kolibri auf Koffein - war an diesem Abend der Alptraum jedes Verteidigers. Drei Tore (30., 48., 61.), ein Assist zum 5:0, und zwischendurch noch genug Torschüsse, um die Stadionanzeige in Dauerbetrieb zu halten. Schon in der 12. Minute jagte er den Ball das erste Mal gefährlich Richtung Olmedo-Keeper Ingo Gutierrez. Der hechtete tapfer, aber es war nur der Beginn einer langen Nacht für ihn. Das 1:0 in Minute 30 fiel nach einer blitzsauberen Kombination: Brandon Ashton legte quer, Postiga schob lässig ein. Trainer Justin Moller grinste danach wie ein Mann, der wusste, dass sein Plan aufgeht. "Wenn Fernando erstmal den Turbo zündet, kann ich mich eigentlich hinsetzen und genießen", sagte Moller später halb im Scherz, halb im Ernst. Nach der Pause nahm Enelec endgültig Fahrt auf. Kaum hatte der Stadionsprecher die zweite Halbzeit angekündigt, zappelte der Ball schon wieder im Netz. Postiga, wer sonst, traf nach Vorlage von Rechtsverteidiger Javi Agirre (48.). Drei Minuten später durfte Agirre runter, Jordi Morales kam - und auch der fügte sich nahtlos in den Offensivrausch ein. Das 3:0 in der 61. Minute war eine Kopie aus dem Lehrbuch für Teamgeist: Ferrari auf links, Flanke, Postiga per Direktabnahme - der Ball schlug ein wie ein Sommergewitter. Olmedos Verteidiger sahen einander an, als hätten sie soeben ein UFO gesehen. "Wir haben viel trainiert, aber nicht auf sowas", stöhnte Kapitän Jose Celis nach dem Spiel. Dann kam Brandon Ashton zu seinem verdienten Treffer (64.), nach Vorlage von Abwehrmann Tiago Jordao, der sich offensichtlich dachte: Wenn vorne keiner mehr übrig ist, mach ich’s halt selbst. Und als zum Abschluss in der 90. Minute Peter Michaelsen nach Vorarbeit - natürlich - von Postiga den 5:0-Endstand markierte, hatten einige Fans der Gäste längst den Ausgang gesucht. Enelec spielte dabei nicht einmal mit übermäßigem Ballbesitz (nur 46,7 Prozent), aber mit einer Effizienz, die man sonst nur aus Videospielen kennt. 23 Torschüsse, davon fünf drin, und kaum ein Angriff, der nicht irgendwie gefährlich roch. Selbst Linksverteidiger Sigmund Bjorklund probierte sich zweimal aus der Distanz - einer seiner Schüsse landete irgendwo zwischen Eckfahne und Oberrang, was ihm prompt ein spöttisches Schulterklopfen von Ashton einbrachte. In der Schlussphase wurde es dann noch kurz bunt: Jordao sah Gelb in der 83., Michaelsen in der Nachspielzeit. "Wir wollten wenigstens was mitnehmen", witzelte Moller trocken, als man ihn darauf ansprach. Der Schiedsrichter lächelte müde, Olmedos Spieler dagegen nicht. Taktisch blieb Enelec über 90 Minuten offensiv eingestellt, aber ohne in blinden Angriffswahn zu verfallen. Kein wildes Pressing, kein hektisches Anrennen - einfach präzise, strukturiert und mit einer Portion Spielfreude, die ansteckend war. Selbst die Ersatzspieler grinsten auf der Bank, als Postiga zum dritten Mal jubelnd über den Rasen rutschte. "Ich hab einfach Spaß am Fußball", sagte der Dreifachtorschütze später mit einem schelmischen Lächeln. "Und wenn’s läuft, dann läuft’s." Ein Satz, der so schlicht klingt, dass man fast vergisst, wie gnadenlos er zuvor über Olmedo hinweggefegt war. Am Ende feierten die Fans minutenlang, während die Flutlichtmasten über dem Stadion glühten. Olmedo verließ das Feld mit hängenden Köpfen, Enelec hingegen mit breiter Brust - und einem klaren Statement an die Konkurrenz. "Das war ein Abend zum Genießen", fasste Trainer Moller zusammen. "Aber keine Sorge, wir bleiben auf dem Boden." Nach einem 5:0 klingt das ungefähr so glaubwürdig wie ein Diätversprechen nach dem dritten Teller Pasta - aber wer wollte es ihm verdenken? Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt: nicht wegen der Spannung, sondern wegen der schieren Überlegenheit. Atletico Enelec tanzt derzeit in einer Liga für sich. 23.02.643994 14:59 |
Sprücheklopfer
Oliver Kahn konnte ich gerade noch davon abhalten, sich zu ertränken. Der Rest hat sich auf der Toilette eingesperrt.
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